Belgien

16. Januar 2015 14:15; Akt: 16.01.2015 16:20 Print

Terroristen wollten sich als Polizisten verkleiden

Terrorangst in Europa: In Belgien zerschlugen Ermittler eine Zelle, die Polizisten töten wollte. In Paris hielt eine erneute Geiselnahme die Polizei in Atem.

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Unweit der Grenze zu Deutschland sind in der ostbelgischen Stadt Verviers bei einem Einsatz gegen eine mutmassliche Terrorzelle zwei Menschen getötet worden. Bei der Aktion am Donnerstag wurde eine weitere Person festgenommen, wie Richter Eric van der Sypt in Brüssel sagte. Die Verdächtigen hätten einen Anschlag auf ein Polizeigebäude in der Stadt 125 Kilometer südöstlich von Brüssel geplant, der nur Stunden oder Tage später hätte verübt werden sollen.

«Man konnte Schwarzpulver riechen»

Van der Sypt sagte, die Verdächtigen seien ausgesprochen gut bewaffnet gewesen. Als die Polizei ihnen in einem Gebäude in der Nähe des Bahnhofs auf die Spur gekommen sei, hätten sie sofort geschossen. Es habe ein heftiges Feuergefecht mit automatischen Waffen und Sturmgewehren gegeben, das immer wieder von Explosionen unterbrochen worden sei. Die beteiligten Beamten seien unversehrt geblieben. Verbindungen zu den Anschlägen in Paris in der vergangenen Woche gebe es nicht, sagte Van der Sypt.

Augenzeugen berichteten dem Radiosender RTBF, es habe eine Reihe von Explosionen gegeben, danach seien in der Nähe der Bäckerei zahlreiche Schüsse zu hören gewesen. «Man konnte das Schwarzpulver riechen», sagte Nachbar Alexandre Massaux. Auf einem online veröffentlichten Video waren Detonationen, Schüsse und Polizeisirenen zu hören, Rauch stieg auf.

Verdächtige in Verviers «extrem gut bewaffnet»

Richter Van der Sypt sagte auf einer Pressekonferenz, in Verviers und der Region Brüssel seien weitere Antiterroraktionen im Gange. Diese seien Teil monatelanger Ermittlungen gegen Extremisten, die aus Syrien nach Belgien zurückgekehrt seien. «Wir rechnen mit weiteren Festnahmen», sagte Van der Sypt. «Es zeigt, dass wir extrem vorsichtig sein müssen.» Die Verdächtigen von Verviers seien «extrem gut bewaffnete Männer» gewesen, sagte er.

Behörden hatten zuvor geschätzt, dass sich knapp 300 Belgier in Syrien Terrorgruppierungen angeschlossen haben. Wie viele davon in ihr Heimatland zurückgekehrt sind, ist nicht bekannt.

Nahe Deutschland

Die Terrorwarnstufe in Belgien wurde auf Level 3 – die zweithöchste Stufe – angehoben. Ministerpräsident Charles Michel bezeichnete dies als Vorsichtsmassnahme. «Es gibt kein konkretes oder spezifisches Wissen über neue Elemente der Bedrohung», sagte er.

Verviers liegt 35 Kilometer südwestlich von Aachen. In der früheren Industriestadt leben heute rund 56'000 Einwohner.

(dia)