Rechtsextreme Zelle

21. Februar 2020 11:36; Akt: 21.02.2020 17:59 Print

Terrorverdächtiger war für Waffenscheine zuständig

Ein mutmasslicher Unterstützer einer deutschen Terrorgruppe arbeitete für die Polizei. Diese hat nun interne Ermittlungen aufgenommen.

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Vergangene Woche wurde der Büroangestellte Thorsten W. zusammen mit 11 weiteren Männern verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, Teil einer mutmasslichen rechtsextremen Terrorgruppe zu sein.

Bei Thorsten W. handelt es sich allerdings nicht nur um einen einfachen Büroangestellten. Der 50-Jährige arbeitet bis zu seiner Verhaftung und gleichzeitiger Suspendierung im Polizeipräsidium Hamm. In den Jahren zwischen 2013 und 2014 sei Thorsten W. im Polizeipräsidium Hamm im Bereich «waffenrechtliche Erlaubnisse» tätig gewesen, schreibt der «Spiegel».

Wie der«Spiegel» weiter schreibt, soll er an Prüfvorgängen beteiligt gewesen sein, wer einen Waffenschein erhält. Zuletzt arbeitete W. bei der Polizei im Verkehrskommissariat. Intern wird nun geprüft werden, ob Thorsten W. seinen Gesinnungsgenossen zu einem Waffenschein verholfen habe.

Polizei-Angestellter stellt Geld zu Verfügung

In seiner Freizeit kleidete sich der Polizeimitarbeiter oftmals wie ein germanistischer Krieger. Wie Spiegel-Informationen zeigen, habe er seine Meinung auch am Arbeitsplatz vertreten. Die Polizei in Hamm sagt, dass «die einzelnen Mosaiksteine seines Agierens» nicht ausreichend geprüft wurden. Auf seinen sozialen Medien wurden zahlreiche Abbildungen von Hakenkreuzen und SS-Symbolen gefunden.

Thorsten W. und 11 Kameraden sitzen nun in Untersuchungshaft. Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen sollen vier der Verhafteten als Mitglieder der Terrorzelle gelten. Thorsten W. wird als Unterstützer geführt. Er soll sich bereit erklärt haben, der Gruppe 5000 Euro zur Verfügung zu stellen, wenn nötig auch noch mehr.

Granaten und Chemikalien

In sechs Bundesländern kam es zu Razzien. Dabei entdeckten die Polizeibeamten selbst gebaute Granaten, eine Schrotflinte und verdächtige Chemikalien. Ziel der Gruppe soll es gewesen sein, die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu erschüttern und letztlich zu überwinden.

Zu diesem Zweck sollten durch - bislang noch nicht näher konkretisierte – Anschläge auf Politiker, Asylsuchende und Personen muslimischen Glaubens bürgerkriegsähnliche Zustände herbeigeführt werden, heisst es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft.

(fss)