Land unter in Thailand

30. März 2011 15:05; Akt: 30.03.2011 15:37 Print

Thailand-Touristen werden evakuiert

Das Wasser im Süden Thailands steigt immer höher, zeigen Leser-Bilder. Der Regen hat zudem die Erde ins Rutschen gebracht. 21 Menschen starben. Rettungskräfte kämpfen mit den erschwerten Bedingungen.

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Die tagelangen und heftigen Regenfälle im Süden Thailands fordern immer mehr Opfer. Erdrutsche rissen bisher mindestens vier Menschen in den Tod. Die Zahl der Todesopfer stieg in den überfluteten Regionen damit auf 21. Weitere 20 Menschen sind seit Dienstagabend vermisst, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. Experten sprechen von den schwersten Überschwemmungen seit 1988. Insgesamt sind nach Behördenangaben mehr als 700 000 Menschen in acht südlichen Provinzen von den Überschwemmungen betroffen.

Die thailändischen Behörden haben reagiert und die Armee aufgeboten. «Das Heer und die Marine arbeiten gemeinsam daran, den Betroffenen zu helfen und Gebiete zu evakuieren, die von Erdrutschen bedroht sind», sagte ein Regierungssprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die Einsatzkräfte retteten am Dienstag sechs Studenten und ein neunjähriges Mädchen von Koh Klaeb in der Provinz Chumphon, die fünf Tage auf der Insel festsassen. Auf Koh Tao sitzen über 1100 Touristen und Einheimische fest, nachdem der Fährbetrieb zum Festland eingestellt werden musste. Der Fährverkehr nach Koh Phangan und Koh Samui ist wegen rauher See längst eingestellt. Einheimische wie Touristen sitzen deshalb vielerorts fest: Die meisten Strassen in Südthailand sind überflutet und unpassierbar. Auch die thailändische Eisenbahn verkehrt derzeit nur bis Surat Thani. Das Hochwasser hat dort bereits eine Höhe von fünf Metern erreicht, wie Medien berichten.

Leser-Reporter: «Es herrscht absolutes Chaos»

Die hohen Wellen und widrigen Wetterbedingungen erschweren auch die Evakuierungen erheblich, wie es heisst. Die thailändische Marine schickte einen Flugzeugträger sowie zwei Fregatten, um Touristen von Ferieninseln wie Koh Samui zu evakuieren. «Es regnet hier seit acht Tagen ohne Unterbruch, Tausende von Touristen können die Insel nicht mehr verlassen. Es herrscht ein absolutes Chaos», meldet Bernd S. aus Koh Samui. Der Leser-Reporter ist mit mehreren Tausend einheimischen und ausländischen Touristen auf der Insel gestrandet. Gemäss den Behörden sollen die Touristen mit kleinen Booten und zwei Hubschraubern vom Typ «Seahawk» auf den Flugzeugträger gebracht werden. Wie prekär die Lage vor Ort ist, zeigen das Video eines Leser-Reporters (unten) und das Bild von Leser-Reporter Davide Cenali (in der Bildstrecke). Er watete in Chaweng Beach auf Koh Samui durch hüfthohes Wasser. Inzwischen konnte er weg aus Chaweng. «Wir sind jetzt in Maenam Beach. Die Lage ist hier etwas besser, aber wir sind immer noch angespannt.» Wie es weiter geht, ist unklar. «Wir bekommen leider nicht viele Infos.»

Bangkok Airways schickte sechs Flugzeuge nach Koh Samui, allerdings konnte wegen des starken Regens und der heftigen Winde nur eine Maschine landen und Touristen ausfliegen. Laut «Bangkokpost.com» ist die Stimmung unter den Touristen entsprechend angespannt. «Niemand sagt uns, was passiert», sagte der indische Tourist Shyatto Raha. «Wir warteten den ganzen Tag am Flughafen, um einen Flug zu erreichen. Es war Chaos auf dem Flughafen.» Gemäss Leser-Reporter Cenali sitzen über 2000 Menschen am Flughafen fest. «Die Zugangsstrasse ist überschwemmt, sie können frühestens am Donnerstag weg.»

Unwetter hält an

Seit sieben Tagen regnet es ohne Unterbruch. Die Niederschläge sind gemäss Experten für die Jahreszeit absolut ungewöhnlich. Der März ist auf Koh Samui normalerweise völlig trocken. Meteorologen machten das Wetterphänomen «La Niña» mit hohen Luftdruck- und Wassertemperaturunterschieden im und über dem Pazifik für die ungewöhnlichen Stürme verantwortlich. Dadurch ändern sich die Passatwinde.

«Ich bin fast 50 Jahre alt, so etwas habe ich noch nie erlebt», sagte die Chefin der Tourismusbehörde gegenüber verschiedenen Medien. Der Bürgermeister von Koh Samui, Ramnet Chaikwang, sagte: «Das sind die schwersten Überschwemmungen in diesem Jahrzehnt. Das Wichtigste ist nun, alle Leute in Sicherheit zu bringen.» Ein Ende des Unwetter ist allerdings nicht in Sicht: Gemäss Meteorologen sollen der Regen und die heftigen Winde die kommenden Tage anhalten.

Leser-Video aus Lamai Beach auf Koh Samui:

Eindrücke aus den überschwemmten Gebieten zeigt auch ein Video der Nachrichtenagentur AP:

(meg/amc/ap)