«D-Mark-Chauvinismus»

21. Mai 2012 13:05; Akt: 21.05.2012 14:13 Print

Thilo Sarrazin provoziert mit schrägen Thesen

Nun rollt die Empörungswelle über Thilo Sarrazins Euro-Thesen: Die gezielten Provokationen des früheren Bundesbankvorstands in seinem neuen Buch rufen Kritiker von SPD und Grünen auf den Plan.

storybild

Er provoziert erneut: SPD-Mitglied Thilo Sarrazin.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hält die Thesen des Autors für «erbärmlich» und wirft ihm «D-Mark-Chauvinismus» vor. «Sarrazin rutscht immer weiter nach rechts ins Abseits. Es ist erbärmlich, dass er den Holocaust heranzieht, um seinen Thesen zu Eurobonds grösstmögliche Aufmerksamkeit zu sichern», sagte Trittin der Tageszeitung «Die Welt».

Anlass für Trittins Kritik ist ein Vorabdruck aus Sarrazins neuem Buch «Europa braucht den Euro nicht», wonach deutsche Befürworter von Euro-Bonds bei SPD, Grünen und Linken getrieben seien «von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Busse für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben».

Der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider warf Sarrazin Unwissenheit vor. «Herr Sarrazin versucht es mal wieder mit den üblichen Provokationen. Seine Kritik am Euro ist nationalistisch und reaktionär», sagte Schneider der «Passauer Neuen Presse».

Raus aus der SPD

Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner forderte Sarrazin zum Parteiaustritt auf. «Sein einzig wertvolles Buch ist das Parteibuch. Er täte sich und der SPD einen grossen Gefallen, wenn er dieses zurückgibt», sagte Stegner zu «Handelsblatt Online».

Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck sagte: «Wäre ich Sozialdemokrat, würde ich diesen Hetzer nicht in meiner Partei dulden.» Empört reagierte er darauf, dass Sarrazin in seinem neuen Buch den Holocaust und die europäische Währung in einen Zusammenhang stellt: «Offenbar kann Sarrazin den Juden den Holocaust nicht verzeihen», sagte Beck dem Online-Portal.

«Platte Analyse»

Der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück hatte den Berliner Ex-SPD-Finanzsenator bereits am Sonntagabend öffentlich in die Schranken gewiesen. In der ARD-Talkshow «Günther Jauch» trat Steinbrück entschieden Sarrazins Verknüpfung von Holocaust und Euro-Krise entgegen.

Steinbrück warf Sarrazin «Geschichtsvergessenheit und Geschichtsblindheit» vor. Vor dem Hintergrund der Katastrophen des 20. Jahrhunderts habe Deutschland eine europapolitische Verantwortung, die EU zu stabilisieren. Sarrazins biete in seinem Buch dagegen lediglich «eine sehr platte ökonomistische Analyse» und liefere keinerlei «Handlungsempfehlungen». Er mache den Euro für Fehlentwicklungen verantwortlich, an denen die gemeinsame Währung nur den «geringsten Anteil habe».

«Keine Vorteile durch den Euro»

Sarrazin bekräftigte bei Günther Jauch seine Thesen. «Der grosse Erfolg der europäischen Integration fand bis zum Beginn der gemeinsamen Währung statt», argumentierte er. «Die reinen Daten und Fakten sagen, dass Deutschland durch den Euro keine messbaren Vorteile hatte». Für die Südländer habe die Gemeinschaftswährung «wachsende Risiken» gebracht. Deutschland könne zudem «nicht die Schulden anderer Länder übernehmen wegen der Schuld der Vergangenheit».

Sarrazin hatte bereits mit seinem 2010 erschienenen Bestseller «Deutschland schafft sich ab» für heftige Kontroversen gesorgt. Darin hatte er umstrittene Thesen zur Migration aufgestellt und behauptet, alle Juden teilten ein Gen.

(ap)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christoph aus Binningen am 23.05.2012 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein .

    Sind wir erlich, mit dem Euro haben wir Probleme, die wir gemeinsam lösen dürfen, die wir ohne Euro nie gehabt hätten. Mit wir meine ich auch die Schweiz. Alle EU Länder haben sehr gut gelebt und jetzt ist das Geld weg und die Probleme grösser denje. Einer der das Problem nennt darf nicht einfach verschrien werden, denn es lösst nicht die Ursache des Problemes in Luft auf, die Konstruktivität ist nun angesagt.

  • Marie am 24.05.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Geheuchelter Aufschrei

    Der Aufschrei ging ja bereits bei seinem "Deutschland schafft sich ab" durch die Lande. Dabei schrieb er nur, was die meisten dachten. Ich habe das Buch gelesen und nichts darin gefunden, das "nicht koscher" sein soll. So wird es auch hier wieder sein. Ich habe das Buch gekauft und lese es als nächstes. Wird wohl wieder dasselbe Resultat sein.

  • brügger fernand am 23.05.2012 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Recht hat er

    Man kann es drehen wie man will er hat doch recht. er ist ein kluger Kopf und nennt die Dingen beim namen alle seine Kritiker verdrängen sie, nur wenn das Boot versoffen ist kommt bei denen Klarheit

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marie am 24.05.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Geheuchelter Aufschrei

    Der Aufschrei ging ja bereits bei seinem "Deutschland schafft sich ab" durch die Lande. Dabei schrieb er nur, was die meisten dachten. Ich habe das Buch gelesen und nichts darin gefunden, das "nicht koscher" sein soll. So wird es auch hier wieder sein. Ich habe das Buch gekauft und lese es als nächstes. Wird wohl wieder dasselbe Resultat sein.

  • brügger fernand am 23.05.2012 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Recht hat er

    Man kann es drehen wie man will er hat doch recht. er ist ein kluger Kopf und nennt die Dingen beim namen alle seine Kritiker verdrängen sie, nur wenn das Boot versoffen ist kommt bei denen Klarheit

  • Christoph aus Binningen am 23.05.2012 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein .

    Sind wir erlich, mit dem Euro haben wir Probleme, die wir gemeinsam lösen dürfen, die wir ohne Euro nie gehabt hätten. Mit wir meine ich auch die Schweiz. Alle EU Länder haben sehr gut gelebt und jetzt ist das Geld weg und die Probleme grösser denje. Einer der das Problem nennt darf nicht einfach verschrien werden, denn es lösst nicht die Ursache des Problemes in Luft auf, die Konstruktivität ist nun angesagt.

  • Tom G. am 23.05.2012 00:35 Report Diesen Beitrag melden

    hat schon jemand

    das Buch gelesen, und weiss was drinsteht??? Wohl eher nicht. Der Name des Autors genügt ja, um eher simpel gestrickte Gemüter in Wallung zu bringen....

  • B. Kerzenmacher am 22.05.2012 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schon...

    erstaunlich! Da redet man wieder nur über Sarrazin anstatt das Thema. War auch nach seinem ersten Migrations-Buch bereits so. Darum ist man beim Migrations-Problem auch noch keinen Schritt weiter gekommen in D. Das Verdrängen der Probleme in D, in dem man sich auf Sarrazin einschiesst, geht offenbar in die zweite Runde. Wie gehabt!