Insolvenz von Thomas Cook

23. September 2019 09:17; Akt: 23.09.2019 11:16 Print

«Ich will endlich Klarheit»

Während Grossbritannien Thomas-Cook-Kunden in einer Rückführungsaktion nach Hause holt, bangen andere um ihre Reise – und ihr Geld. So auch eine Mutter aus dem Aargau.

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Am Montagmorgen landete um 5 Uhr das letzte Thomas-Cook-Flugzeug im britischen Manchester. Reisenden wurde auf der Website des britischen Reisekonzerns, die um 2 Uhr morgens abgeschaltet wurde, mitgeteilt, dass alle Flüge und Reisen gestrichen worden seien. Die Kunden wurden auf die von der zivilen Luftfahrtbehöre eingerichteten Seite www.thomascook.caa.co.uk verwiesen. Diese stürzte jedoch aufgrund Überlastung regelmässig ab.

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Kurz nach der Bekanntgabe der Pleite des Unternehmens kündigte die Regierung Grossbritanniens die grösste Rückführungsaktion «seit dem Zweiten Weltkrieg» an, um rund 150'000 betroffene britischen Urlauber zurückzuholen.

Angesichts der Streichung sämtlicher Thomas-Cook-Flüge hätten die Regierung und die Zivilluftfahrtbehörde «dutzende Chartermaschinen angemietet, um die Kunden kostenlos nach Hause zu fliegen», teilte die Regierung in London mit.

Die Rückholaktion, die bereits seit Wochen ausgearbeitet wurde, trägt nach BBC-Angaben den Codenamen «Matterhorn». In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen aufgebrochen, um britische Urlauber nach Hause zu holen. Alle Thomas-Cook-Kunden würden innerhalb der nächsten zwei Wochen und «so nah wie möglich an ihrem geplanten Rückkehrtermin» nach Hause gebracht, hiess es weiter.

Wie die britische «Sun» berichtet, besteht die Rettungsflotte aus insgesamt über 40 Jumbo-Jets. Bereits gestern Abend seien Maschinen an diverse Urlaubsorte geflogen worden, um gestrandete Touristen nach Hause zu holen.

Was mit den rund 400'000 ausländischen Kunden des Unternehmens, die in Resorts auf der ganzen Welt gestrandet sind, geschehen soll, sei derzeit noch unklar. Wie CNN berichtet, soll ihre Rückführung von den jeweiligen Ländern gesteuert werden. Thomas Cook bot mehr als 60 verschiedene Reiseziele von Dubai über Los Angeles bis Santorini an.

Sorge über Reise nach Mauritius

Eine Leser-Reporterin aus dem Kanton Aargau sollte kommenden Sonntag ihre über Thomas Cook gebuchte Reise nach Mauritius antreten. Die alleinerziehende Mutter eines elfjährigen Sohnes hat die Reise im Wert von mehr als 6000 Franken Anfang Januar gebucht und sich das ganze Jahr über darauf gefreut: «Alles ist vorbereitet: Die Schnorchelausrüstung ist gekauft, die Touren vor Ort gebucht. Mein Sohn freut sich riesig auf diese Ferien», sagt die 33-Jährige.

Seit Samstag versucht sie, den Reiseanbieter zu kontaktieren – ohne Erfolg. «Bei allen Telefonnummern kommt der Text, der auf der Homepage steht, und dann wird man aus der Leitung geworfen. Wir haben keine Chance mit jemandem zu telefonieren», berichtet die Frau. Sie habe keinerlei Informationen: «Die Homepage ist down. Die Verantwortlichen unserer Unterkunft in Mauritius sind seit zwei Tagen nicht zu erreichen. Von der Airline haben wir zuletzt am Samstag die Bestätigung erhalten, dass alles in Ordnung sei, doch das war noch vor der Bekanntgabe der Insolvenz des Konzerns.»

Ihr graut davor, dass ihre schlimmsten Befürchtungen, nämlich, dass die gesamte Reise storniert und ihr das Geld dafür nicht zurückerstattet wird, wahr werden. Denn es sei zwar eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen worden, diese greife jedoch nicht, wenn der Anbieter pleite geht. «Ich bin wütend, verwirrt und gleichzeitig auch traurig. Und vor allem will ich endlich Klarheit», so die Leserin.

(rab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Strolchi am 23.09.2019 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Riesensauerei!

    Mich wundert es, wie ein Konzern, der schon 900 Millionen Schulden hat und noch zusätzliche 230 Millionen an Krediten möchte, überhaupt so lange wursteln konnte, ohne dass irgendjemand hellhörig geworden ist! Als Privatperson wäre man schon längst an den Pranger gestellt worden, aber solche Firmen verkaufen munter ihre Reisen weiter, für die viele Menschen lange sparen müssen, um sie sich leisten zu können!

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  • Einhornjäger am 23.09.2019 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geplant?

    Heute morgen ging Thomas Cook "überraschend" pleite, an der Rückholung der Menschen wird aber seit Wochen gearbeitet.

  • Heidi P. am 23.09.2019 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    zHd. Leser-Reporterin

    Da alle zurück geholt werden, dürftet es doch klar sein, dass Sie kein Geld mehr sehen. Die Firma hat ihren Konkurs bekannt gegeben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Baumgärtner am 23.09.2019 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Überraschendes

    Wer nur ein bisschen über seine kleine Insel herausschaut, konnte genau dieses Szenario schon vor anderthalb Jahren absehen. Damals gab es Warnungen in Flugkreisen, was auch dazu führte, dass viel Personal wegzog. Allerdings, und das muss halt schon wieder einmal deutlich und klar gesagt werden, der Trend zu den billigen Pauschalflugreisen in die ganze Welt fördert diese kapitalistischen Raubzüge massiv.

  • Trudi am 23.09.2019 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber buchen

    Früher oder später wird man wieder selber Reisen buchen müssen. Hotels, Flüge.. und das nur bei soliden Firmen. Dass TC finanzielle Probleme hatte war schon seit Jahren bekannt.

  • Danny am 23.09.2019 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Eigentlich eine positive Entwicklung. Vielleicht wird so dieses billige Overtourismus eingedämmt. Mallorca ohne Horden von Sauftouristen... so schön...

  • Magda am 23.09.2019 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis gibt es nichts

    Wenn TC eine Pauschalreise " 7 Tage Hotel, all inclusive und Flug in Hurghada für 365 Franken " anbietet dann sollte man sich nicht wundern dass solche Anbieter Konkurs machen.

  • Manu am 23.09.2019 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir haben auch gebucht...

    wir haben auch Ferien gebucht über Neckermann Reise. sollten am SA für 2 Wocheñ auf die Malediven. man bekommt keine Info....nichts. wir wissen nicht ob wir nun fliegen oder nicht. befürchten das schlimmste.