Auch Schweizerinnen betrogen

01. Juli 2019 07:33; Akt: 01.07.2019 07:45 Print

Tinder-Schwindler in Griechenland verhaftet

Shimon Hayut betrog unter falschem Namen und als angeblicher Erbe eines Milliardärs zahlreiche Frauen um über 600'000 Franken. Nun wurde er gefasst.

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Shimon Yehuda Hayut liess es sich gut gehen. Auf Bildern und Videos präsentierte er sich als Erbe eines milliardenschweren Imperiums. Seine Reisen führten ihn auch nach Zürich. Mit diesen Bildern versuchte er eine Frau aus Dübendorf zu beeindrucken. Unter dem Namen Michael zeigte er reges Interesse an ihr. Er verlangt «sexy Fotos» von ihr und will wissen, wann sie sich in Zürich treffen können. Und er schickt ihr zahlreiche Fotos und Videos von sich. «Du verbringst sehr viel Zeit im Flugzeug», sagt Jennifer dann auch. «Ja, ich fliege viel. Schick mehr Fotos von dir», lautet seine Antwort. Auf die wiederholte Frage nach seinem Nachnamen reagiert er aber genervt: «Ich bin nichts für dich. Alles Gute.» Auf den Bildern zeigt er sich gerne am Steuer von teuren Fahrzeugen wie Porsches ... ... Maseratis ... ...als Reisender in der Business- oder First-Class ... ... oder gar als Eigentümer von Privatflugzeugen trat er auf. Die Privatflugzeuge waren aber immer gechartert. Dafür bezahlt hat nicht er, sondern eine der zahllosen Frauen, die er auf Tinder angeschrieben hatte. Insgesamt soll er mit seiner Tinder-Masche über 600'000 Franken ergaunert haben. Schon 2011 sei Hayut in Israel wegen Diebstahls, Betrug und Fälschung angeklagt gewesen. Vor Gericht sei er jedoch nie gestanden, da er sich nach Europa abgesetzt habe. Im Jahr 2016 wurde der stets gut gekleidete Israeli schliesslich in Finnland wegen mehrfachen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und dann 2017 nach Israel ausgeliefert. Dort kam er gegen Kaution frei – und ist seither untergetaucht. Auch Jennifer aus Dübendorf geriet so in den Fokus des israelischen Playboys. Doch der Instinkt warnte die 25-Jährige. «Ich hatte schon von Anfang an ein ungutes Gefühl», sagt Jennifer. «Zuerst dachte ich, das ist einer, der dich nach Dubai einlädt und dann irgendwo an Menschenhändler verkauft.» Mit diesen Bildern hat sich der Trickbetrüger unter dem Namen Simon (Leviev) auf Tinder präsentiert. Privatflugzeug, Brille, Armbanduhr. Das Selfie sitzt. Wow, nochmals ein Privatflugzeug. Und ... was für ein Wunder: Ein Bild im Privatflugzeug.

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In mehreren Ländern wurde nach Shimon Hayut gefahndet, nun wurde er Berichten zufolge am vergangenen Freitag in Griechenland festgenommen – bei einer gemeinsamen Operation von Interpol und der israelischen Polizei. Dies bestätigte sein Anwalt dem norwegischen Boulevardmagazin VG.

Hayut hatte sich jahrelang unter falschem Namen als Erbe eines milliardenschweren Diamantenimperiums ausgegeben und so seit 2008 mindestens ein Dutzend Frauen, Ehepaare und Unternehmen hinters Licht geführt. Über 600'000 Franken soll er ergaunert haben.

Seine Reisen führten Hayut auch in die Schweiz. Unter dem Namen Michael Biton und Simon Leviev war der Tinder-Schwindler hierzulande aktiv – 20 Minuten berichtete.

Seit 2017 untergetaucht

Seine Masche war immer dieselbe: Auf Tinder flirtete Hayut mit Frauen und gab den charmanten Gentleman. Er übernachtete mit ihnen in Nobelhotels oder jettete im Privatflugzeug um die Welt – bis die Frauen ihm vertrauten. Dann verlangte er Geld: 10'000 Euro Vorauszahlung, um ein Millionengeschäft abzuschliessen. Oder unbeschränkten Zugriff auf die Kreditkarte.


Mit seinem Jetset-Leben versuchte Hayut die Frauen zu beeindrucken. (Video:privat)

Schon 2011 war Hayut in Israel wegen Diebstahls, Betrugs und Fälschung angeklagt. Vor Gericht stand er jedoch nie, da er sich nach Europa absetzte. Im Jahr 2016 wurde er in Finnland wegen mehrfachen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und 2017 nach Israel ausgeliefert. Dort kam er gegen Kaution frei – und war seither untergetaucht.

(scl)