Julia Timoschenko

13. Dezember 2011 11:41; Akt: 14.12.2011 12:18 Print

Tochter fürchtet um das Leben ihrer Mutter

Die Tochter der ukrainischen Ex-Regierungschefin Timoschenko reist seit Wochen durch Europa und bittet um Unterstützung für ihre Mutter. Sie werde in Haft sterben, wenn ihr nicht bald geholfen wird.

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Jewgenjia Timoschenko (links) begleitete ihre Mutter zur Urteilsverkündung am 11. Oktober in Kiew. (Bild: www.youtube.com)

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Seit dem 5. August sitzt Julia Timoschenko im berüchtigten Kiewer Gefängnis «Lukjanowskoje». Laut einem Urteil vom 11. Oktober muss sie dort noch sieben Jahre absitzen. Doch schon nach wenigen Wochen in Haft macht sich ihre Tochter Jewgenjia Timoschenko grosse Sorgen um die Gesundheit ihrer Mutter. Seit mehreren Wochen tourt Jewgenjia durch Europa und bittet die europäischen Regierungen um Unterstützung. Gegenüber der deutschen «Bild-Zeitung» sagte sie diese Woche: «Meiner Mutter geht es sehr schlecht. Sie bekommt keine richtige ärztliche Betreuung, leidet unter mysteriösem Hautausschlag und kann kaum noch laufen.»

Bereits Ende November berichtete die Menschenrechtsbeauftragte Nina Karpatschewa, der Gesundheitszustand von Julia Timoschenko sei «äusserst ernst». Die Ombudsfrau, die dem ukrainischen Parlament berichtet, konnte Timoschenko im Kiewer Gefängnis «Lukjanowskoje» einen unangekündigten Besuch abstatten. Sie fügte hinzu: «Julia Timoschenko konnte wegen ihrer Rückenschmerzen nicht vom Bett aufstehen, als ich in ihrer Zelle war. Sie braucht dringend eine Behandlung ausserhalb der Gefängnismauern.»

Mit allen Mitteln gegen die Opposition

Jewgenjia Timoschenko fürchtet gar um das Leben ihrer Mutter: «Man will sie umbringen. Sie stirbt, wenn ihr keiner hilft.» Auch andere Beobachter fürchten, dass es nicht bei Schauprozessen und Haftstrafen bleiben werde. Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch schrecke vor keinem Mittel zurück. 2004 entging der damalige Präsidentschaftskandidat und Timoschenko-Weggefährte Viktor Juschtschenko nur knapp dem Tod, als ein Giftanschlag auf ihn verübt wurde.

Für ihre Mutter fürchtet Jewgenija Timoschenko nun ein ähnliches Schicksal: «Die Regierung in Kiew will die Opposition physisch vernichten. Meine Mutter ist ihnen im Weg!» Für ihre Überzeugung werde sie jedoch genau wie ihre Mutter unerbittlich einstehen. Gegenüber «Bild» kündigte sie an: «Solange wir leben, wird unsere Familie für Freiheit und Demokratie in der Ukraine kämpfen.»

Ende nicht in Sicht

In Kiew entscheidet ein Berufungsgericht am Dienstag über das Urteil gegen die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko. In der Vorinstanz wurde die Ex-Regierungschefin wegen Amtsmissbrauchs beim Abschluss eines Gas-Liefervertrages mit Russland 2009 zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe von 170 Millionen Franken verurteilt.

Die ukrainische Justiz hat in den vergangenen Wochen in mehr als zehn weiteren Fällen Ermittlungen gegen Timoschenko eingeleitet und eine «Reservehaft» gegen sie verhängt. In ukrainischen Medien wurden daraufhin Spekulationen laut, dass Timoschenko auch im Falle eines für sie positiven Berufungsurteils nicht aus dem Gefängnis entlassen werde.

(hag)

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