Deutsche Muslime

11. Juni 2013 11:22; Akt: 02.08.2013 11:13 Print

Todes-Fatwa für Deutschen und TV-Team-Attacke

Radikale Fanatiker bringen den Islam in Verruf: Während Ägypter zum Mord an einem Deutschen aufrufen, greifen Muslime in Offenbach ein TV-Team vor einer Moschee an.

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Militante Muslime erweisen dem Islam in Deutschland dieser Tage einen Bärendienst. Mit einer Todes-Fatwa aus Kairo gegen einen deutsch-ägyptischen Autor und dem Angriff auf ein Fernsehteam des öffentlich-rechtlichen Fernsehens erwecken die Anhänger Mohammeds ein Bild der Aggressivität.

Attacke auf TV-Team

Die Attacke auf TV-Journalisten des Südwestrundfunks trug sich in Offenbach zu. Die Redaktoren von «Report Mainz» drehten am Freitag, den 7. Juni um 14 Uhr vor der Tauhid-Moschee, weil sie herausfinden wollten, ob sich Angehörige der Gemeinde auf einen Einsatz in Syrien vorbereiten. Sie hatten deswegen einen Interviewtermin mit einem Imam vereinbart, das sie gerade führten, als sie angegriffen wurden.

Nach dem Ende des Freitagsgebetes sei eine Gruppe von etwa 30 Gläubigen aus der Moschee gekommen, schrieb die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Mindestens sechs junge Männer hätten sich aus dem Pulk gelöst und die Journalisten angegriffen. Ein 40-jähriger Reporter, ein 42-jähriger Kameramann und ein 27-jähriger Tontechniker wurden dabei leicht verletzt. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Die entsprechende Sendung von «Report Mainz» sehen Sie am 11. Juni um 21.45 Uhr in der ARD.

Todes-Fatwa gegen Autor

Kairos Islamisten haben zum Mord an einem Deutsch-Ägypter aufgerufen: Sie wollen Hamed Abdel-Samads Tod, weil der Politologe und Autor ihrer Meinung nach in mehreren Büchern ihre Religion diskreditiert hat. Er war vor einigen Tagen auf Einladung der Bewegung der «Säkularen» in das nordafrikanische Land gereist, um einen Vortrag zu halten. Darin erklärte er, die Eroberung von Mekka durch Mohammed Anhänger habe die Saat gesät, aus der später «religiöser Faschismus» entstanden sei.

Assem Abdel Maged, ein führendes Mitglied der militanten ägyptischen Gruppe Al-Gamaa al-Islamija, und der Salafist Mahmud Schaaban erklärten ihn in einer Sendung des Fernsehsenders Al-Hafes zum «Ungläubigen». Die «Säkularen» haben nun Anzeige gegen Islamisten erstattet, die zur Ermordung des in Deutschland ansässigen Autors aufgerufen haben. Ein Mitglied der Bewegung sagte, die Staatsanwaltschaft sei über eine entsprechende «Fatwa» (islamisches Rechtsgutachten) informiert worden.

Kann Europa bloss «Islam Light»?

Abdel-Samad ist der Meinung, dass nur ein «Islam light in Europa eine Zukunft habe, ein Islam ohne Scharia, Dschihad, Geschlechter-Apartheid und Missionierung. Der 41-Jährige kritisiert, aus Angst oder aus politischem und wirtschaftlichem Kalkül werde eine Beschwichtigungs-Politik gegenüber dem Islam betrieben. Markus Löning, der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte, verurteilte die Vorgänge. Der öffentliche Mordaufruf sei «durch nichts zu rechtfertigen», sagte er der «Süddeutschen Zeitung».

Nach dem Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak 2011 waren die Muslimbruderschaft und die Parteien der Salafisten als die beiden stärksten politischen Kräfte aus den Wahlen hervorgegangen. Auch die politische Karriere von Präsident Mohammed Mursi begann in der Muslimbruderschaft. Abdel-Samad, dessen Doktor-Arbeit das Bild der Juden in ägyptischen Schulbüchern untersucht, wurde durch sein Werk «Mein Abschied vom Himmel» 2009 bekannt.

(phi/sda)