Schütze von Belgien

30. Mai 2018 09:20; Akt: 30.05.2018 16:57 Print

Tötete Benjamin H. einen Komplizen mit Hammer?

Der Schütze von Belgien, Benjamin H., tötete am Dienstag während eines Hafturlaubs drei Menschen – und am Tag davor möglicherweise noch jemanden.

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Szenen des tödlichen Angriffs in Lüttich: Ein Mann, der Benjamin H. sein soll, läuft mit erhobenen Armen die Strasse entlang. Zuvor hatte er zwei Polizistinnen von hinten mit einem Messer angegriffen, ihnen die Dienstwaffe entwendet und sie sowie einen jungen Autofahrer erschossen. Beim Schusswechsel mit der Polizei wurde Benjamin H. erschossen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um ein gezieltes Attentat auf Polizisten handelte. Vier Beamte seien bei dem Angriff verletzt worden. Einer von ihnen habe eine Verletzung der Oberschenkelarterie erlitten, er schwebe aber nicht mehr in Lebensgefahr. Benjamin H. stand nach Angaben aus Ermittlerkreisen auf einer Gefährderliste. Der Kleinkriminelle, der in Hafturlaub war, soll sich im Gefängnis radikalisiert und Kontakte zu Islamisten gehabt haben. Den Angaben zufolge beging er bereits am Montagabend in Südbelgien einen Mord. Die Staatsanwaltschaft bestätigte eine Verbindung zwischen den beiden Taten zunächst nicht. Belgien war in den vergangenen Jahren Schauplatz mehrerer Angriffe auf Militärangehörige oder Polizeibeamte. Die letzte als «terroristisch» eingestufte Attacke ereignete sich im August 2017, als ein 30-jähriger Mann Soldaten im Zentrum von Brüssel mit einem Messer angriff. Der belgische Premierminister Charles Michel bezeichnete den Angriff von Lüttich als «feige und blinde Gewalt». «Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser abscheulichen Tat in Lüttich», schrieb der belgische Innenminister, Jan Jambon, auf Twitter.

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Am Dienstagvormittag tötete ein Mann in Lüttich drei Menschen: Benjamin H. griff zwei Polizistinnen mit einem Messer von hinten an, entwendete ihre Dienstwaffen und erschoss. Anschliessend tötete der 1987 in Belgien geborene Täter noch einen jungen Autofahrer und rief mehrfach «Allahu Akbar», auf Deutsch: «Gott ist gross». Beim Schusswechsel mit der Polizei starb der 31-Jährige.

Er befand sich in Hafturlaub. Am Dienstag hätte er zurück ins Gefängnis gehen müssen. Grund für den Hafturlaub war die Vorbereitung für seine geplante Freilassung im Jahr 2020. In der Vergangenheit hatte er etwa 20-mal Freigang erhalten, ohne dass es zu Zwischenfällen kam.

Kleinkrimineller mit Kontakt zu Islamisten

Benjamin H. galt als Kleinkrimineller. Jetzt hat aber die Bundesanwaltschaft Ermittlungen wegen Terrorverdachts eingeleitet. Es wird vermutet, dass er sich im Gefängnis radikalisierte. Wegen seiner Kontakte zu Islamisten stand sein Name auch auf einer Überwachungsliste der Polizei, verlautete es aus Ermittlerkreisen.

Zudem geht die Polizei einem weiteren Verdacht nach, wie der belgische Sender RTBF berichtet. So soll Benjamin H. bereits am Montag straffällig geworden sein, als er mit einem Kollegen einen Juwelierladen in der Stadt Rochefort überfiel. Danach soll der 31-Jährige seinen Komplizen mit einem Hammer erschlagen haben.

Hammer in Auto gefunden

Zumindest war gestern in einem Auto, das Benjamin H. benutzt hatte, ein Hammer sichergestellt worden, den die Polizei als mögliche Tatwaffe mit dem Tötungsdelikt in Rochefort in Verbindung bringt.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte eine Verbindung zwischen den beiden Taten zunächst nicht. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

«Feige und blinde Gewalt»

Belgien war in den vergangenen Jahren Schauplatz mehrerer Angriffe auf Militärangehörige oder Polizeibeamte. Die letzte als «terroristisch» eingestufte Attacke ereignete sich im August 2017, als ein 30-jähriger Mann mehrere Soldaten im Zentrum von Brüssel mit einem Messer angriff.

Der belgische Premierminister Charles Michel bezeichnete den Angriff von Lüttich als «feige und blinde Gewalt». «Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser abscheulichen Tat in Lüttich», schrieb der belgische Innenminister, Jan Jambon, auf Twitter. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte die «schreckliche Attacke». Er sicherte den Belgiern die Solidarität der Franzosen zu.

Seit den vorwiegend in Brüssel geplanten Pariser Anschlägen vom November 2015 mit 130 Toten war Belgien in erhöhter Alarmbereitschaft. Im März 2016 wurden zudem bei Angriffen in Brüssel 32 Menschen getötet. Zu beiden Anschlägen hatte sich die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Am 22. Januar senkte Belgien nach drei Jahren die Terrorwarnstufe. Der belgische Antiterror-Stab Ocam hat am Dienstag beschlossen, die Alarmstufe zwei beizubehalten: Demnach ist ein Terroranschlag «wenig wahrscheinlich».

(gux)