Arabische Welt in Aufruhr

21. Februar 2011 14:50; Akt: 21.02.2011 20:14 Print

Tote bei Demos in Marokko und Jemen

In Marokko sind bei den ersten gewalttätigen jüngsten Protesten fünf Menschen gestorben. Im Jemen will der Präsident trotz anhaltenden Protesten nicht zurücktreten.

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In Marokko sind bei Ausschreitungen im Anschluss an Protestkundgebungen fünf Menschen ums Leben gekommen. Weitere 128 Menschen wurden verletzt, wie Innenminister Taieb Cherqaoui am Montag in Rabat mitteilte. Die schlimmsten Zwischenfälle ereigneten sich in Al-Hoceima im Norden des Landes, wo Gewalttäter eine Bankfiliale aufgebrochen und in Brand gesetzt hatten. Fünf Menschen verbrannten bei lebendigem Leibe, weil die Flammen ihnen den Fluchtweg versperrten.

Nach einer Bilanz des Ministers war es in der Nacht zum Montag in insgesamt sieben Städten zu gewaltsamen Zwischenfällen gekommen. Gewalttätige Regierungsgegner lieferten sich Strassenschlachten mit der Polizei. Unter den 128 Verletzten waren nach Angaben Cherqaouis 115 Beamte der Sicherheitskräfte. 120 Verdächtige seien festgenommen worden.

Zuvor hatten Tausende Marokkaner in den grösseren Städten des Landes friedlich für einen demokratischen Wandel demonstriert. Die Demonstranten forderten den Rücktritt der Regierung, die Auflösung des Parlaments und eine Verfassungsreform zur Einschränkung der Macht von König Mohammed VI.

Der Minister bezifferte die Zahl der Teilnehmer auf insgesamt 37 000. Die Kundgebungen in der Hauptstadt Rabat und der Wirtschaftsmetropole Casablanca verliefen ohne Zwischenfälle. Zu Ausschreitungen kam es in Marrakesch, Tanger, Tetuan, Larache, Al-Hoceima, Sefrou und Guelmin.

Jemenitischer Präsident lehnt Rücktritt ab

Der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh hat am Montag Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt zurückgewiesen. Die anhaltenden Demonstrationen gegen seine Regierung seien inakzeptable Akte der Provokation, sagte Saleh auf einer Pressekonferenz. Zugleich erneuerte er jedoch sein Angebot, Verhandlungen mit der Opposition aufzunehmen. Den Sicherheitskräften des Landes habe er befohlen, «nur in Fällen der Selbstverteidigung» auf Demonstranten zu schiessen.

Bei den seit eineinhalb Wochen anhaltenden Protesten in Jemen sind bisher mindestens elf Menschen ums Leben gekommen, mehr als 150 wurden verletzt. Die Demonstranten halten in Anlehnung an die Proteste in anderen arabischen Ländern einen zentralen Platz in der Hauptstadt Sanaa besetzt.

Auch am Montagabend harrten viele Oppositionelle auf dem Perlen-Platz aus. Sie errichteten kleine Zelte und eine Lautsprecher-Plattform. Die Demonstranten bewachten die Zugangsstrassen und durchsuchten alle, die auf den Platz wollten. Auch in der Stadt Tais versammelten sich mehrere zehntausend Menschen auf einem zentralen Platz.

Saleh, der das Land seit drei Jahrzehnten regiert und ein wichtiger Verbündeter der USA ist, sagte am Montag, es seien lediglich rund 200 000 der insgesamt 25 Millionen Einwohner des Landes, die sich gegen seine Regierung wendeten.

(sda/ap)