Arabische Welt im Umbruch

23. März 2011 08:13; Akt: 23.03.2011 10:28 Print

Tote nach Protesten in Syrien

In Syrien hat sich die Lage im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Regierung am Mittwoch zugespitzt. Sicherheitskräfte haben auf Demonstranten geschossen.

storybild

Obwohl Sicherheitskräfte in Syrien mit harter Hand gegen Demonstranten vorgehen, wagen sich die Menschen auf die Strasse. (Bild: AFP)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In der südlichen Stadt Deraa gingen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen regierungskritische Demonstranten vor. Dabei kam es offenbar auch zu Todesopfern.

Wie Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Anwohner berichteten, wurden vier bis sechs Demonstranten getötet. Syrische Oppositionelle teilten im Internet mit, die Sicherheitskräfte hätten am frühen Morgen das Feuer auf eine Gruppe von rund 300 Menschen eröffnet, die sich in und um die Al-Omari-Moschee versammelt hatten. 20 Menschen seien verletzt worden.

In der Umgebung der Moschee war heftiges Gewehrfeuer zu hören, während überall laute Rufe «Gott ist gross» erschallten. Die Sicherheitskräfte stürmten offenbar den Komplex, sagte ein Anwohner. «Es ist nicht ganz klar, was vor sich geht, denn der Strom ist gekappt und es wird auch Tränengas eingesetzt.»

Die Moschee in der südlich von Damaskus gelegenen Stadt ist bereits seit sechs Tagen Zentrum der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Die Demonstranten fordern demokratische Reformen, Wahrung der Menschenrechte und Meinungsfreiheit. Die Staatsmacht reagierte auf die Proteste mit einer Welle von Verhaftungen.

Menschenkette um Moschee

Im Lauf des Dienstags hatten sich in der Nähe der Moschee mehr als tausend Demonstranten versammelt und regierungskritische Parolen skandiert. Die Sicherheitskräfte waren mit einem Grossaufgebot vor Ort und kreisten die Demonstranten ein. Aus Angst vor einem Angriff der Sicherheitskräfte auf die Moschee bildeten die Demonstranten eine Menschenkette um das Gotteshaus.

Letzte Woche waren in Deraa vier Demonstranten getötet worden, als die Sicherheitskräfte mit Waffengewalt eine Protestkundgebung auflösten. Ein elfjähriges Kind starb, nachdem es Tränengas eingeatmet hatte.

Ähnlich wie in anderen arabischen Staaten fordern die Demonstranten in Syrien, wo seit fast 40 Jahren ein Notstandsgesetz in Kraft ist, mehr politische Freiheiten. Neben Deraa gab es am Dienstag auch in weiteren Städten Demonstrationen, etwa in der Hauptstadt Damaskus.

(ap)