Theresa May

01. Juli 2016 19:05; Akt: 01.07.2016 19:05 Print

Tritt sie in Margaret Thatchers Fussstapfen?

Nach Boris Johnsons Verzicht auf eine Bewerbung um das Amt des britischen Premierministers sind fünf Kandidaten im Rennen. Beste Chancen hat eine Frau.

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Im Hauen und Stechen um die Führung der britischen Konservativen und die Nachfolge des Premierministers David Cameron hat sich der einstige Favorit Boris Johnson am Donnerstag aus dem Rennen genommen. Wer Cameron bei den Tories nun beerben wird, ist offen. Fünf Konservative bewerben sich um Camerons Nachfolge – als Favoritin wird von den britischen Medien und Buchmachern die Innenministerin Theresa May gehandelt. Sie könnte nach Margaret Thatcher die zweite britische Premierministerin werden.

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Theresa May

Die 59-jährige Pastorentochter hat eine lange Parteikarriere hinter sich und sitzt seit 1997 im Unterhaus. Als Innenministerin war May seit 2010 nicht nur für Sicherheit und Anti-Terrormassnahmen zuständig, sondern auch für die Grenzsicherung, die bei der Volksabstimmung eine wichtige Rolle spielte.

Im Wahlkampf hatte sie sich für den Verbleib Grossbritanniens in der EU ausgesprochen, sich dabei jedoch nicht allzu sehr ins Zeug gelegt. Am Donnerstag erklärte sie, sie werde die Brexit-Entscheidung der Wählermehrheit umsetzen. Sie wirbt mit ihrer Regierungserfahrung um den Chefposten. Cameron hatte May in einem Interview mit der BBC bereits im März 2015 als eine mögliche Nachfolgerin benannt.

May habe lange als unterschätzte Politikerin gegolten, schreibt die «Daily Mail», sie sei jedoch eine tiefgründige Denkerin und detaillierte Planerin. Genauso jemanden brauchten die Briten, so ihre Unterstützer, um die Brexit-Verhandlungen mit der EU zu führen. Ihre Diabetes-Erkrankung, die vor vier Jahren diagnostiziert wurde und wegen der May sich zweimal am Tag eine Injektion setzen muss, habe sie nur stärker gemacht.

Michael Gove

Der Justizminister Michael Gove stand als Brexit-Befürworter im Schatten von Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson. Kurz nachdem Gove am Donnerstag seine Kandidatur für den Parteivorsitz anmeldete, verzichtete Johnson. Der 48-jährige Gove stammt aus Schottland, wo sein Vater in der Fischverarbeitung und seine Mutter in einer Gehörlosenschule arbeitete. Gove begann als Journalist, unter anderem bei der «Times». 2005 wurde er ins Parlament gewählt. Als die Konservativen 2010 an die Regierung kamen, erhielt er das Bildungsressort. Mit seinen Reformplänen machte er sich viele Feinde, bevor er ins Justizministerium wechselte.

Stephen Crabb

Auf nationaler Ebene ist der 43-jährige Arbeitsminister ein unbeschriebenes Blatt, doch unter den Unterhausabgeordneten der Konservativen hat er sich einen Namen gemacht. Crabb verweist auf seine bescheidene Herkunft als Kind einer Alleinerziehenden, die mit ihm in Sozialwohnungen leben musste. Der Waliser verspricht, die Erwartungen der 17 Millionen Wähler zu erfüllen, die für den Brexit gestimmt haben.

Liam Fox

Als die Konservativen vor elf Jahren einen Chef suchten, verlor Liam Fox gegen David Cameron. Jetzt will der 54-Jährige es noch einmal wissen. Er hat sich für den Brexit eingesetzt. Einen gemeinsamen Markt mit der Rest-EU heisst er nur gut, wenn die EU darauf verzichtet, dass sich ihre Bürger frei in Grossbritannien niederlassen können. Unter Cameron diente Fox ein Jahr als Verteidigungsminister. Er trat zurück, weil er sich auf Dienstreisen von einem Freund begleiten liess, der keinen Posten im Verteidigungsministerium hatte.

Andrea Leadsom

Auch Umweltministerin Andrea Leadsom engagierte sich im Brexit-Lager. Der EU-Austritt werde auch ihre wichtigste Aufgabe als Premierministerin sein, sagte die 53-Jährige. Leadsom machte bei Banken und Finanzunternehmen Karriere, bevor sie 2010 Parlamentsabgeordnete wurde.

(mlr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • giorgio m am 01.07.2016 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brexit

    Es spielt keine Rolle, wer Premier wird. Er/sie muss mit der inneren Überzeugung den Brexit und damit GB voranbringen.

  • äsä am 01.07.2016 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    59zig

    Ok, lasst sie doch. Mit dem Schottenrock bildet sich vielleicht etwas, dass die EU Erstarren lässt.

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  • Jan am 01.07.2016 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thatcherismus

    Oh nee die Thatcher war eine radikale Neoliberalistin. Mit ihrer katastrophalen Wirtschaftspolitik hat sie die Reichen reicher gemacht und die Armen ärmer. Das schlimmste was sie tat: alles Privatisieren, aber auch wirklich alles: Bildung, Energie, ausserdem führte sie eine Arbeiterfeindliche Politik und hat unzählige Arbeitsplätze vernichtet. Zuviel Liberalismus ist genauso schädlich wie Sozialismus. Die Kopfsteuer war dann wohl der Höhepunkt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J.P. Lenzi am 04.07.2016 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Brexit ?

    Ich habe so langsam den leisen Verdacht, dass sich Brexit in Luft auflösen und England letztlich in der EU bleiben wird. Die alles beherrschende EU Diktatur hätte dann wieder einmal gewonnen...

  • Martial Kohler am 03.07.2016 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Eine 2. Mrs. Thatcher täte gut...

    Hundert Mal besser Mrs. Theresa May, als alle andere, vorallem der Clown Johnson...!

  • beatus am 03.07.2016 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boris Johnson

    Boris Johnson wäre der einzig richtige für den Job.

    • Martial Kohler am 03.07.2016 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      Mrs. May, the best at all...

      @beatus: OK, die Briten ticken anders, sie brauchen aber kein Zirkus Direktor...!

    • beatus am 03.07.2016 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial Kohler

      Ich sehe das anderes als Sie, sorry. Ich finde Johnson ist wie Churchill. Er hat Europa gerettet und nachher wurde abgewählt. Es gab damals schon Leute wie Sie, auch Churchill wurde als alles mögliche bezeichnet. Menschen reden viel, grade wenn sie keine Ahnung haben.

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  • Seppetony am 02.07.2016 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tschau Sepp

    Zum Glück und dank unseren Vorfahren haben wir keine so Ekelhafte von Adligen gesteuerte Operettendemokratie wie GB. Das ist doch nichts anderes als einesehr ausgereifte demokratisch getarnte Oligarchie.

  • huschmie am 02.07.2016 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenpower

    Sie könnte von Frau zu Frau mit Merkel diskutieren. Das wäre vielleicht gar nicht so schlecht.