Der Präsident und der Porno-Star

26. März 2018 20:50; Akt: 27.03.2018 06:08 Print

Trump droht Sturm nach Stormy-Daniels-Interview

von Martin Suter, New York - Das Interview des Porno-Stars über eine angebliche Affäre mit Donald Trump könnte dem US-Präsidenten an den Urnen schaden.

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Den ganzen Montag über hat sich Donald Trump ausgeschwiegen. Kein Sterbenswörtchen verbreitete der streitbare US-Präsident auf Twitter über das Interview der Porno-Darstellerin Stormy Daniels vom Sonntag Abend.

Beobachter rätselten, ob Trump von dem mit Spannung erwarteten Interview in der Sendung «Sixty Minutes» womöglich keinen Schaden befürchtet. Es könnte aber auch sein, dass er den bereits drohenden Schaden nicht noch verschlimmern will, indem er auf die von ihm bestrittenen Behauptungen des Porno-Stars eingeht. Die Porno-Darstellerin sagt, sie habe mit Trump einmal Sex gehabt und von seinem Anwalt Michael Cohen kurz vor dem Wahltag 2016 130’000 Dollar Schweigegeld erhalten, damit sie die Affäre nicht ausplaudert.

«Jemand sollte dich versohlen»

Das tat Stormy Daniels am Sonntag aber trotzdem, und zwar ausführlich. Laut dem Interview wurde sie von Trump im Juli 2006 auf sein Hotelzimmer in Lake Tahoe, Kalifornien geladen. Dort habe er ihr ein Magazin mit ihm auf dem Titelbild gezeigt und ständig über sich selbst gesprochen. Dann habe Daniels gesagt: «Jemand sollte dieses Magazin nehmen und dich damit versohlen.»

Trump habe das Spiel mitgemacht. Auf die Aufforderung: «Dreh dich um und lasse sie runter!», habe er die Hosen ein bisschen heruntergezogen, und sie habe ihm - im Spass - ein paar Klapse erteilt. Danach sei er ein verwandelter Mensch gewesen. «Du bist besonders, du erinnerst mich an meine Tochter», habe er gesagt. «Ich mag dich.»


Ein einziges Mal habe sie mit Donald Trump Sex gehabt, ungeschützt: Stormy Daniels im CBS-Interview. Video: Tamedia/CBS via AFP

Nur einmal Sex

In der Folge hatten die beiden einmal ungeschützten Sex. In den Wochen danach habe sie seine Avancen regelmässig abgewiesen, sagt Daniels. Trump habe nämlich sein Versprechen nie eingelöst, er werde ihr zur Teilnahme an der Reality-Show «Celebrity Apprentice» verhelfen.

Zu einer Wende sei es 2011 gekommen, erzählt die heute 39-jährige Frau. Nachdem sie ihre Trump-Geschichte für 15’000 Dollar dem Magazin «In Touch» erzählte, habe sich ihr auf einem Parkplatz in Las Vegas ein Mann genähert. «Lass’ Trump allein, vergiss die Story», drohte der Mann. Mit Blick auf das Töchterchen habe er dann gesagt: «Wäre schade, wenn ihrem Mami etwas zustösst.»

Wenig neue Erkenntnisse

Eine so manifeste Drohung, sollte sie von jemandem in Trumps Umfeld ausgestossen worden sein, hebt die Affäre von einem zivilrechtlichen Streit auf eine strafrechtliche Ebene. «Aus Angst» habe Stormy Daniels indes die Polizei nicht benachrichtigt. Und ihr Anwalt Michael Avenatti sagte gestern, er habe den Einschüchterer bislang nicht in Erfahrung gebracht.

Weil Daniels keinen Hinweis auf den Urheber der Drohung lieferte, brachte das Interview im Kern wenig neue Erkenntnisse. Die Porno-Darstellerin wird jetzt von Cohens Anwalt wegen Verletzung des Schweigegebots belangt. Theoretisch kann er von ihr Zahlungen von bis zu 20 Millionen Dollar verlangen. Vor dem Vermittlungsrichter könnte Daniels einen schweren Stand haben: Mit ihrer Unterschrift bezeugte sie dreimal - zuletzt im Januar -, dass es nie eine Affäre mit Trump gegeben habe.

Auswirkung auf Kongresswahlen

Trotz der angeschlagenen Glaubwürdigkeit von Stormy Daniels ist Trump aber nicht aus dem Schneider. Sonderermittler Robert Mueller könnte die Schweigegeldzahlung unter die Lupe nehmen, da sie einer illegalen Sachspende an Trumps Wahlkampagne gleichkommt. Und wenn die Geschichte bis im Herbst in den Schlagzeilen bleibt, könnten Stormy Daniels und andere gegen Trump klagende Frauen die weibliche Wählerschaft mobilisieren. Im Extremfall könnte der ganze US-Kongress in demokratische Hände übergehen und dem Präsidenten das Regieren noch schwerer machen.

Das vollständige Interview von «60 Minutes»:


(Quelle: CBS/60 Minutes)