Saudischer Journalist

19. Oktober 2018 02:04; Akt: 19.10.2018 07:38 Print

Trump geht von Khashoggis Tod aus

Mehrere westliche Staaten gehen auf Distanz zu Saudiarabien und sagen ihre Teilnahme an einem Wirtschaftsgipfel ab. Auch der US-Präsident kündigt eine «sehr strikte» Reaktion an.

«Es ist sehr traurig»: US-Präsident Donald Trump. (Video: Tamedia/AFP)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Der internationale Druck auf Saudiarabien wächst: US-Präsident Donald Trump geht inzwischen verstärkt davon aus, dass der seit mehr als zwei Wochen vermisste saudiarabische Journalist Jamal Khashoggi tot ist. «Es sieht sicherlich danach aus für mich», antwortete Trump am Donnerstag auf eine entsprechende Frage von Reportern. Die Reaktion müsse «sehr strikt» sein. Unterdessen sagten drei europäische Minister und der US-Finanzminister ihre Teilnahme an einer Investorenkonferenz in Saudiarabien ab.

«Es ist sehr traurig», sagte Trump vor seinem Abflug zu einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat Montana. Trump hatte sich bereits am Samstag pessimistisch zum Schicksal des seit einem Besuch am 2. Oktober im saudiarabischen Konsulat in Istanbul verschwundenen Journalisten geäussert. Auf die Reporterfrage nach möglichen Sanktionen gegen Riad sagte der US-Präsident am Donnerstag, die Reaktion müsse «sehr strikt» sein. Bei dem Fall handle es sich um eine «schlimme, schlimme Sache».

Der US-Präsident überlässt es bislang der saudiarabischen Führung, den Fall selbst zu untersuchen – obwohl der mächtige Kronprinz Muhammad bin Salman unter dem Verdacht steht, die Ermordung des regierungskritischen Journalisten angeordnet zu haben.

«Wir sollten ihnen noch Zeit geben»

US-Aussenminister Mike Pompeo sagte am Donnerstag nach Rückkehr von Besuchen in Riad und Ankara, die saudiarabische Führung habe ihm «eine vollständige, gründliche Ermittlung» zugesagt. Er habe deshalb Trump gesagt, dass «wir ihnen noch ein paar Tage geben sollten, um das abzuschliessen».

US-Finanzminister Steven Mnuchin erklärte nach einem Treffen mit Trump und Pompeo, er werde «nicht an dem Gipfel der Future Investment Initiative in Saudiarabien teilnehmen». Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire kündigte ebenfalls an, nicht nach Riad zu reisen, da Khashoggis Verschwinden eine «sehr schwerwiegende» Angelegenheit sei.

Sein Präsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich setze «bestimmte politische Besuche nach Saudiarabien aus», bis das Verschwinden Khashoggis aufgeklärt sei. Zudem kündigte der Elysée-Palast ein baldiges Gespräch Macrons mit dem saudiarabischen König Salman an.

Zahlreiche Absagen

Auch der britische Handelsminister Liam Fox sagte, «es ist nicht die richtige Zeit», um nach Riad zu fahren. Die Niederlande sagten ebenfalls die Teilnahme von Finanzminister Wopke Hoekstra ab sowie eine geplante Handelsmission im Dezember.

Die Chefs mehrerer grosser US-Firmen hätten ihre Teilnahme an der Future Investment Initiative kommende Woche in Riad abgesagt.

Röttgen wies darauf hin, dass Siemens-Chef Joe Kaeser «noch nicht abgesagt» habe. «Die Bundesregierung muss klar machen, wie sie dazu steht», forderte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses.

Für Trump ist der Fall Khashoggi überaus delikat, da er für das Vorgehen gegen den Iran und für eine Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern auf enge Zusammenarbeit mit Riad setzt. Auch ist Saudiarabien ein massiver Abnehmer von US-Rüstungsgütern.

Vier Organisationen für Menschenrechte und Pressefreiheit forderten die Türkei am Donnerstag auf, eine Uno-Ermittlung des Falls zu beantragen. Eine solche Untersuchung werde endlich Licht in die Affäre bringen.

(chk/afp)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz K. am 19.10.2018 03:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmögliches Verhalten

    Dem Fuchs gestattet man die Untersuchung, ob er das Huhn gefressen hat.

  • Marlies2018 am 19.10.2018 04:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Menschen?

    Was sind das bloss für grauenhafte Menschen, diese saudische "Führungselite". Man sollte sämtliche saudischen Botschaften und Konsulate schliessen und den Druck auf sie solange erhöhen, bis sie gehen oder von einem Volksaufstand eingeholt werden. Wäre nicht überrascht, wenn sie das gleiche Schicksal ereilen würde wie Saddam Vussein, Ghadaffi oder Bin Laden.

    einklappen einklappen
  • sonja am 19.10.2018 04:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alle...

    nicht nur Trump geht davon aus .

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andi am 19.10.2018 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr viele Morde

    Durch die Schattenregierung in letzter Zeit. Natürlich wird nicht darüber berichtet, die MSM gehören dieser Obrigkeit.

  • Jeremy am 19.10.2018 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Haaallloooo Schweiz? Jemand da?

    Saudi-Arabien erhielt während der Intervention im Jemen in den Jahren 2015 und 2016 aus der Schweiz Rüstungsgüter im Wert von 18 Millionen Franken.

  • mb am 19.10.2018 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    typisch

    und wo bleiben die sanktionen? ach ja, das sind freunde des westens

  • Pirat2222 am 19.10.2018 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein sehr grosses Problem für Trump.

    Wie soll er den seinen großartigen Freunden in der Rüstungsindustrie erklären. dass sein großartiger Deal mit seiner moralisch mehr als fragwürdigen Kundschaft jetzt doch noch platzen könnte?

    • Jeremy am 19.10.2018 14:58 Report Diesen Beitrag melden

      Die Schweiz?

      Was macht denn unser Land?

    • Jeremy am 19.10.2018 15:08 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Problem für die Schweiz?

      "Unser" Land hat ja nur Waffen im Wert von 18 Mio. geliefert... Wir sollten mal damit beginnen, ehrlich zu werden.

    einklappen einklappen
  • Typhoeus am 19.10.2018 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Schein trügt.

    Im Hintergrund winken Gold und Öl. Menschenrechte sind eben kein Luxus.