TV-Duell in den USA

13. September 2019 03:16; Akt: 13.09.2019 09:41 Print

Castro macht sich über Bidens Alter lustig

Die demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber lieferten sich in der 3. TV-Debatte einen Schlagabtausch – Ziel der heftigsten Angriffe war einmal mehr Ex-Vizepräsident Joe Biden.

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Der Favorit unter den demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbern, Ex-Vizepräsident Joe Biden, musste sich erneut gegen heftige Angriffe seiner parteiinternen Mitbewerber zur Wehr setzen. Einen Schlagabtausch gab es etwa zur Gesundheits- und zur Migrationspolitik.

Bei der dritten Runde der Demokraten-Fernsehdebatten in der Nacht auf Freitag in Houston (Texas) ging ihn etwa der frühere US-Wohnungsbauminister Julian Castro mehrfach scharf an. Beim Thema Gesundheitspolitik warf Castro Biden vor, er habe seine Position bei einem Detail innerhalb von zwei Minuten komplett geändert. Castro fragte Biden, ob er etwa vergessen habe, was er zwei Minuten zuvor gesagt habe – was als Seitenhieb auf Bidens Alter zu verstehen war. Biden gehört mit 76 Jahren zu den ältesten Präsidentschaftsbewerbern der Demokraten.

Mit unbequemen Themen konfrontiert

Auch beim Thema Migrationspolitik war Biden erneut Kritik ausgesetzt. Auf die Frage, ob er Massenabschiebungen in der Amtszeit des damaligen Präsidenten Barack Obama im Nachhinein für einen Fehler halte, sagte Biden, er sei Vizepräsident und nicht Präsident gewesen. Castro warf seinem Parteikollegen daraufhin vor, er könne sich nicht einerseits für die Obama-Jahre rühmen und andererseits bei unbequemen Themen von damals wegducken. Mit dieser Kritik war Biden bereits bei der zweiten Runde der TV-Debatten in Detroit Ende Juli konfrontiert worden.

Beim Thema Gesundheitspolitik lieferte sich Biden einen intensiven Schlagabtausch mit den beiden linken Senatoren Bernie Sanders und Elizabeth Warren, die ebenfalls als aussichtsreiche Bewerber gehandelt werden. Hier war Biden jedoch selbst angriffslustig und warf den beiden unter anderem vor, ihre Pläne seien nicht finanzierbar.

Biden und Warren für Afghanistan-Abzug

In der Aussenpolitik nannte Biden einen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan als eines seiner Vorhaben. «Wir brauchen diese Soldaten dort nicht. Ich würde sie nach Hause holen», sagte er. Biden führte allerdings nicht aus, ob er zur Ermöglichung dieses Truppenabzugs auf Verhandlungen mit den radikalislamischen Taliban setzen würde, wie dies Präsident Donald Trump seit dem vergangenen Jahr getan hatte. Trump hatte diese Verhandlungen dann am vergangenen Wochenende allerdings abrupt abgebrochen. Er begründete dies mit einem Taliban-Anschlag in Kabul, zu dessen Todesopfern ein US-Soldat zählte.

Senatorin Elizabeth Warren sagte, dass sie die US-Truppen auch ohne Vereinbarung mit den Taliban abziehen würde. Der US-Militäreinsatz in Afghanistan nutze weder der Sicherheit der USA noch Afghanistans noch der Welt. «Wir können von unserem Militär nicht verlangen, dass es Probleme löst, die nicht militärisch gelöst werden können», betonte sie.

Anders als bei den vorherigen beiden TV-Debatten-Runden gab es diesmal nur einen Abend, an dem alle zehn Demokraten, die sich für die Debatte qualifiziert hatten, gemeinsam auf der Bühne standen. In Houston trafen damit alle Präsidentschaftsanwärter mit den bislang besten Chancen auf eine Kandidatur direkt aufeinander. Für Biden und Warren war es die erste Konfrontation auf der Fernsehbühne.

Trump tippt auf Biden

Vor der TV-Debatte hatte sich US-Präsident Donald Trump mit einer Prognose eingeschaltet. Er rechne damit, dass er 2020 gegen Ex-Vizepräsident Joe Biden, Senatorin Elizabeth Warren oder Senator Bernie Sanders antritt. «Es wird einer (eine) von diesen dreien werden», orakelte Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Konkret vertrat er die Einschätzung, dass sich voraussichtlich Biden durchsetzen werde. Voraussetzung sei allerdings, dass der Ex-Vizepräsident «keine grösseren Fehler macht».

Trump wollte am Abend (Ortszeit) nach Baltimore reisen, um eine Rede vor Republikanern zu halten. Die TV-Debatte der Demokraten werde er sich dann nach seiner Rückkehr ansehen. «Es wird sehr interessant werden. Ich werde mir die Wiederholung ansehen müssen», sagte er.

(scl/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • alsoadriver am 13.09.2019 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armseliges Amerika...

    ... Die müssen wirklich im Altersheim rekrutieren.

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  • bätschertgoddy am 13.09.2019 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    wo sind die Jungen, Dynamischen..

    ich werde den Eindruck nicht los, dass das weisse Haus eher ein Altersheim ist als ein Regierungsort, angefangen beim Präsidenten, hin zu den Bewerbern.

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  • Morgenmuffel am 13.09.2019 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Bei 300 Mio. Einwohner

    Gibt es in Amerika keine arbeitslosen 50+ die Präsident werden möchten?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leo67 am 14.09.2019 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auch untergrenze sollte es geben

    Ab 70 sollte keine/r mehr Präsident werden dürfen, dass sollte in die Verfassung. Sollte Weltweit für alle Länder gelten.

  • Toni K. am 14.09.2019 01:08 Report Diesen Beitrag melden

    WWG1WGA

    Der an Kindern schnüffelnde Biden musste wieder gelöscht werden , die Wahrheit ist grausam. Es ist besser ihr sucht nach seinen Vorlieben bevor ihr euch hier verrennt. Sie werden alle mit Epstein Untergehen und es wird ein schmerzhaftes erwachen geben.

    • Rufer in der Wüste am 14.09.2019 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Toni K.

      Habe ich doch tatsächlich schon gedacht, dass Sie in den Ferien sind. DBDDHKP-DDTNW

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  • Martin Hostettler am 13.09.2019 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alter?

    Wieso macht man sich über das Alter von Joe Biden lustig? Bernie Sanders ist ja älter.

    • Willibald Winkler am 13.09.2019 22:52 Report Diesen Beitrag melden

      Demenz

      Aber er leidet nicht an demenz.

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  • Erwin B am 13.09.2019 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Finde Biden einen guten und anständigen Politiker. Als zukünftiger Präsident der USA ist er aber eindeutig zu alt. Die Demokraten sollten es unbedingt mit jüngeren Kräften versuchen.

  • Zeitzeuge seit 59 Jahren+ am 13.09.2019 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ernsthaft? Niemand erinnert sich?

    Das Durchschnitts Gedächtnis geht offensichtlich nicht länger als 3 Jahre. Ob ein linker rechter Demokrat, liberaler Linksaussen Republikaner, rechter Mittelfeld Republikaner mit ehemals linker Demokratin verheirateter gewinnt. ALLE haben bisher notorisch ihre Wahlversprechen nicht gehalten, oder das Gegenteil gemacht. Eigentlich ist die US-Politik seit 100 Jahren einheitlich, einfach die Werbegesichter werden ausgetauscht und mit gerade Modernen Fahnen und Farben hübsch gemacht.