Trump droht dem Iran

16. September 2019 02:22; Akt: 16.09.2019 06:58 Print

«Wir sind gesichert und geladen»

Nach den Angriffen auf saudische Förderanlagen hat Donald Trump die nationalen Erdölreserven freigegeben – und verschärft den Ton.

In der Ölverarbeitungsanlage von Abqaiq steigt Rauch auf. Die Brände sind für die globale Energieversorgung von Bedeutung. (14. September 2019) Video: Shagul Tamil via Storyful
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Nach den Drohnenangriffen auf die saudische Ölindustrie verschärft sich der Ton zwischen den USA und dem Iran. «Wir haben Anlass zu glauben, dass wir den Täter kennen und warten mit geladener Waffe auf die Bestätigung», schrieb US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Montag auf Twitter. Man warte darauf, wen Saudiarabien – Erzrivale des Iran in der Region – für die Angriffe verantwortlich mache und unter welchen Bedingungen man handeln werde.

Ein US-Regierungsvertreter untermauerte den am Wochenende geäusserten Vorwurf der USA, dass der Iran hinter der Attacke steckt. Es gebe Hinweise, dass die Flugkörper aus west-nordwestlicher Richtung und damit aus Richtung des Iran gekommen seien, sagte er. Die Anschläge beeinträchtigen die Ölförderung Saudi-Arabiens enorm.

Trump gibt Reserven frei

Nach den Drohnenangriffen auf die grösste Erdölraffinerie in Saudiarabien hat US-Präsident Donald Trump die Freigabe nationaler Ölreserven im Falle von Engpässen bewilligt. Dies teilte Trump am Sonntagabend auf Twitter mit.

Ausgehend von dem Angriff, «der sich auf die Erdölpreise auswirken könnte», habe er, falls erforderlich, die Freigabe genehmigt, twitterte er. Die Menge habe er noch nicht festgelegt. Aber sie werde ausreichend sein, «um die Märkte gut zu versorgen».

Er habe zudem die zuständigen Behörden informiert, um die Genehmigungsverfahren für die Erdölpipelines in Texas und anderen Staaten zu beschleunigen.

Analog zum Ministerium

Die strategischen Erdölreserven der USA umfassen nach Angaben des US-Energieministeriums rund 630 Millionen Barrel. Saudiarabien produzierte der Opec zufolge im vergangenen Monat rund 9,8 Millionen Barrel Erdöl pro Tag. Zuvor hatte bereits das US-Energieministerium mitgeteilt, im Falle von Engpässen seien die USA zur Freigabe von Erdölreserven bereit.

Die Erdölpreise sprangen am Sonntag bei der Markteröffnung deutlich nach oben – der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent um mehr als 19 Prozent auf 71,95 Dollar. Bei US-Leichtöl musste mehr als 15 Prozent, also 63,34 Dollar, für ein Barrel bezahlt werden. Nach den Äusserungen Trumps schrumpften die Preisanstiege umgehend auf etwas über zehn Prozent zusammen.

Preisanstieg wegen Angebotsreduktion

Für den heutigen Montag werden Preiserhöhungen an den Märkten erwartet. Wie ernst der Schaden wirklich sei und wie lange es dauere, bis die Produktionskapazität in Saudiarabien wieder voll hergestellt werden könne, sei zwar ungewiss, schrieb Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen in London. Die meisten Kenner der Materie gingen aber davon aus, dass die Erdölpreise um 5 bis 10 US-Dollar nach oben springen dürften.

In die gleiche Kerbe schlug Mike McGlone vom Analysedienst Bloomberg Intelligence. Aus der Geschichte könne man schliessen, dass eine Angebotsreduktion von 5 Prozent mit einem Anstieg der Ölpreise um rund 10 Prozent einhergehe. Zuletzt kostete ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) 54,85 US-Dollar, die Nordseesorte Brent wurde zu 60,22 Dollar gehandelt.

Die Drohnenangriffe auf die Ölraffinerie in Saudiarabien liessen die Erdölproduktion in dem Königreich einbrechen. Die Produktionsmenge sei infolge der «terroristischen Attacken» um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens pro Tag eingebrochen, hatte die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA berichtet. Obwohl sich die Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen zu den Angriffen bekannten, machten die USA den Iran dafür verantwortlich. Teheran bestritt jegliche Beteiligung.

Hinweise auf Einschläge

Die USA untermauerten unterdessen ihren Vorwurf, dass der Iran hinter den Angriffen auf die Erdölanlagen Saudiarabiens steckt. Es gebe Hinweise, dass die Flugkörper aus west-nordwestlicher Richtung und damit aus Richtung des Iran gekommen seien – und nicht aus südlicher Richtung aus dem Jemen, sagte ein US-Regierungsvertreter am Sonntag. Saudiarabien habe zudem darauf hingewiesen, dass es Anzeichen gebe, dass auch Marschflugkörper bei den Attacken eingesetzt worden seien. An den Erdölanlagen seien 19 Einschlagspunkte gezählt worden.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Wolf am 16.09.2019 02:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soso...

    "Die USA sind bereit, nach den Angriffen auf saudische Förderanlagen die globalen Ölmärkte mit Öl aus ihrer strategischen Reserve zu stützen." Ach nein, weshalb spricht man nicht davon, dass dieser Vorfall das Geschäft der USA ankurbeln wird und diese damit so richtig Geld machen? Was sollte dieser Vorfall dem Iran genau nutzen? Genau Nichts ausser Sanktionen. Hier dürfte es sich um eine False-Flag Aktion handeln, wie beim Tonkin Vorfall oder den Massenvernichtungswaffen im Irak. Ein Schelm wer glaubt, dass diese Anlage nicht geschützt gewesen sei vor Angriffen...

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  • Frere Jaques am 16.09.2019 04:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Komisch! Am Samstag nachmittag habe ich in einem Artikel gelesen, dass die Saudis ihre Ölförderung schwer drosseln wollen, weil sie mit dem billigen Ölpreis auf Zeit nicht leben können. Samstagnacht werden dann die Ölfelder bombardiert und die Saudis können die Förderung gleich um 50% reduzieren. Wenn das nicht gelegen kommt? Ziel erreicht, das Zanken wird heute Früh teurer werden.

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  • Matthias Chrush am 16.09.2019 03:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herrn

    Ob die Saudis die Angriffe selbst verübt haben sollen um die Preise nach oben zu treiben wäre nichts Neues !!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 20.09.2019 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Man möchte

    gar nicht wissen, was da unten im Nahen Osten erst abgeht, wenn die Autos im Westen bald nur noch mit Strom aus der Steckdose fahren.

  • B. Kerzenmacher am 18.09.2019 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Im August

    2019 haben die Regierungstruppen Jemens wieder die Hauptstadt Aden und erhebliche Teile des Landes eingenommen. Das ist ein herber Rückschlag für die vom Iran unterstützten Hutis. Der Krieg geht also weiter, asymmetrisch.

  • US Patriot am 18.09.2019 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grössenwahl Plapperi

    Mal schön langsam, du Psychopath DT. Erst einmal die Weltkarte hervornehmen, schauen ob man den Iran überhaupt findet und dann einsehen, dass dieses Land definitiv eine Nummer zu gross ist für euch. Iran ist nicht der Irak.

    • Omid am 20.09.2019 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @US Patriot

      Iran nimmt Arabien und ihr Herrchen auseinander

    • Omid am 03.10.2019 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Omid

      genau so ist es brudi

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  • B. Kerzenmacher am 18.09.2019 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Es sieht

    so aus, dass die Falken im Iran die USA in einen Krieg hineinziehen wollen, den diese aus der Luft nicht gewinnen können und in dem sie eine Bodenoffensive auf jeden Fall ausschliessen werden, um dann als zahnloser Tiger für alle Welt sichtbar dazustehen. Eine militärische Intervention kann sich die USA finanziell und D. Trump aus innenpolitischen Gründen nicht leisten. Also geht der Staffelstab an die Saudis und deren Verbündete weiter. So oder so, der Iran will es anscheinend darauf ankommen lassen. Und dummer Weise weiss niemand so genau, wie die aktuelle nukleare Option des Iran tatsächlic

  • Freidenker am 17.09.2019 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    ARTE

    Ich empfehle unter anderem auf Youtube "Jean-Christophe Victor (Mit Offenen Karten) analysiert den Nahen-Osten"