US-Präsident Trump

08. Oktober 2019 15:46; Akt: 08.10.2019 17:30 Print

«Wir lassen die Kurden nicht im Stich»

Weil er seine Truppen aus Syrien abzieht, wird US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. Nun meldet er sich auf Twitter.

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Der US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter versichert, dass er die Kurden nicht im Stich lassen werde. Der Tweet folgt zwei Tage nachdem der Abzug von US-Truppen aus Gebieten nahe der türkischen Grenze in Nordsyrien angekündigt wurde.

Im Tweet heisst es: «Wir sind im Prozess, Syrien zu verlassen, aber wir lassen die Kurden, die spezielle Menschen und wunderbare Kämpfer sind, nicht im Stich. Unsere Beziehungen zur Türkei und zur Nato und Handelspartnern sind auch sehr gut.»

Die Türkei habe bereits eine grosse kurdische Population und verstehe vollkommen, dass nach dem Abzug der Soldaten jegliche unnötige Kampfhandlung verheerende Folgen auf ihre Ökonomie und schwache Währung hätten, schreibt Trump. «Wir helfen den Kurden finanziell/Waffen!»

Militäroffensive könne jederzeit beginnen

Die Türkei hat derweil ihre Vorbereitungen für die Militäroffensive in Nordsyrien beendet. «Alle Vorbereitungen für den Einsatz sind abgeschlossen», teilte das türkische Verteidigungsministerium am Dienstag mit.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Montag erklärt, die Militäroffensive auf das von den Kurden kontrollierte Gebiet in Nordsyrien könne jederzeit beginnen. Wenige Stunden zuvor hatten die USA Soldaten aus Stellungen in Nordsyrien abgezogen und damit das Feld für eine türkische Militäroffensive geräumt.

Trump drohte später allerdings, er werde «die Wirtschaft der Türkei total zerstören und auslöschen», sollte Ankara in Nordsyrien «irgendetwas tun», was er als «tabu» betrachte.

«Sicherheitszone» schaffen

Die türkische Führung zeigte sich von den Warnungen am Dienstag unbeeindruckt. Vize-Präsident Fuat Oktay sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, die Türkei sei «kein Land, das seine Handlungen nach Drohungen ausrichtet».

Die Türkei werde niemals zulassen, dass unmittelbar an ihrer Grenze «ein Terrorkorridor, ein Terrorstaat» entstehe, was auch immer die Kosten seien, sagte Oktay. Es sei an der Zeit eine «Sicherheitszone östlich des Euphrat»-Flusses zu schaffen.

Der erwartete Einsatz der Türkei richtet sich gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die für die USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einer der wichtigsten Verbündeten waren. Ankara stuft die YPG-Miliz wegen ihrer Nähe zur kurdischen Arbeiterpartei (PKK) hingegen als «Terrororganisation» ein. Seit 2016 ist die Türkei bereits zwei Mal gegen die YPG-Miliz in Nordsyrien vorgegangen.

Iran und Pentagon warnen

Der Iran, ein wichtiger Verbündeter der syrischen Regierung von Baschar al-Assad, mahnte die Türkei zur «Achtung der territorialen Integrität und der nationalen Souveränität Syriens». Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif unterstrich in einem Telefongespräch mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu auch die «Notwendigkeit des Kampfes gegen den Terrorismus und die Herstellung von Stabilität und Sicherheit in Syrien».

Auch das US-Verteidigungsministerium warnte vor «möglichen destabilisierenden Folgen» einer türkischen Militäroffensive für die Region. Pentagon-Sprecher Jonathan Hoffman erklärte, sein Ministerium habe der türkischen Seite «klargemacht», dass «wir eine türkische Operation in Nordsyrien nicht unterstützen». Ein US-Regierungsvertreter sagte gleichwohl, die US-Streitkräfte würden sich der türkischen Armee im Falle eines Einmarsches nicht entgegenstellen.

(doz/sda)