Missbrauchsvorwürfe

27. September 2018 01:38; Akt: 27.09.2018 16:14 Print

Trump zweifelt erstmals an Richterkandidat

Gegen Donald Trumps Kandidaten für das Oberste US-Gericht, Brett Kavanaugh, gibt es neue schwere Vorwürfe. Nun äussert der Präsident erstmals Zweifel an der Nominierung.

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Kurz vor der Anhörung vor dem US-Senat zu Missbrauchsvorwürfen gegen den Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh ist der Richter mit neuen Anschuldigungen aus der Vergangenheit konfrontiert.

Die heute 55-jährige Julie Swetnick aus Washington liess am Mittwoch über ihren Anwalt Michael Avenatti eine Erklärung veröffentlichen, in der sie Kavanaugh vorwirft, er habe in den 80er-Jahren bei diversen Partys in angetrunkenem Zustand junge Frauen sexuell belästigt. Er habe Frauen begrapscht und anzügliche Kommentare gemacht. Avenatti hat auch die Pornodarstellerin Stormy Daniels vertreten, die behauptet, 2006 mit Donald Trump Sex gehabt zu haben.

Kavanaugh habe gemeinsam mit anderen versucht, Frauen mit gepanschten Drinks abzufüllen, um sie willenlos zu machen. Diese Frauen seien danach in angrenzenden Zimmern missbraucht worden. Die jungen Männer hätten Schlange gestanden und darauf gewartet, um «eine Runde mit einem Mädchen zu drehen», liess die heute 55-Jährige erklären. Sie selbst sei damals bei einer solchen Party Opfer einer Vergewaltigung geworden, schreibt Swetnick.

Bei jener Party sei auch Kavanaugh und dessen Schulfreund Mark Judge anwesend gewesen. Welche Rolle Kavanaugh bei diesen Vorgängen genau gespielt haben soll, blieb in der Erklärung aber unklar.

Swetnick sagt, sie könne weitere Zeugen benennen, die diese Geschehnisse bestätigen könnten. Nach eigenen Angaben hat sie selbst für verschiedene Ministerien in Washington gearbeitet und daher zahlreiche Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen.

Aussagen vor Justizausschuss

Eine andere Frau, Professorin Christine Blasey Ford, beschuldigt Kavanaugh, er habe Anfang der 80er-Jahre versucht, sie am Rande einer Schülerparty zu vergewaltigen. Kavanaugh weist das vehement zurück. Vor dem Justizausschuss des Senats sollen Ford und Kavanaugh am Donnerstag zu den Anschuldigungen aussagen. Am Freitag will der Ausschuss über die Nominierung des erzkonservativen Juristen abstimmen.

Eine weitere Frau, Deborah Ramirez, hatte sich im «New Yorker» mit dem Vorwurf gemeldet, Kavanaugh habe ihr während einer Studentenparty an der Elite-Universität Yale in den 80er-Jahren sein Geschlechtsteil ins Gesicht gedrückt. Auch das bestreitet der Richter, der auf Vorschlag von US-Präsident Donald Trump ans höchste US-Gericht aufrücken soll.

Trumps Unterstützung wackelt

US-Präsident Donald Trump schliesst nicht mehr aus, seinem Richterkandidaten Brett Kavanaugh die Unterstützung zu entziehen. Er könne seine Meinung ändern, falls sich herausstelle, dass Kavanaugh «schuldig» sei, sagte Trump am Mittwoch am Rande der UNO-Vollversammlung in New York. Er halte die Anschuldigungen zwar nach wie vor für «falsch». Zugleich betonte Trump: «Ich kann immer überzeugt werden.»

«Ich will mir das ansehen», sagte Trump mit Blick auf die für Donnerstag geplante Anhörung im Justizausschuss des US-Senats.

(nag/chk/sda/afp)