USA

08. September 2018 06:15; Akt: 08.09.2018 06:26 Print

Trumps Ex-Berater muss ins Gefängnis

Mit ihm kamen die Ermittlungen zu möglichen Russland-Kontakten ins Rollen - nun ist Trumps ehemaliger Wahlkampfberater George Papadopoulos verurteilt worden.

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Der Ex-Wahlkampfberater schämt sich für seinen Fehler: George Papadopoulos verlässt das Gericht in Washington. (7. September 2018) (Bild: Keystone/Jacquelyn Martin)

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George Papadopoulos, ehemaliger Wahlkampfberater von US-Präsident Donald Trump, muss wegen Falschaussage für zwei Wochen ins Gefängnis. Angesichts seines Schuldeingeständnisses und seiner Reue fiel das Strafmass geringer aus. Bundesrichter Randolph Moss erklärte, Papadopoulos habe in «einer Ermittlung von grosser Bedeutung für die nationale Sicherheit» die Unwahrheit gesagt. Das Bundesgericht in Washington verhängte am Freitag ausserdem eine einjährige Bewährungsstrafe. Es war das erste Urteil gegen einen Ex-Trump-Mitarbeiter im Zusammenhang mit Russland-Kontakten im Wahlkampf.

Der 31-Jährige hatte vor Gericht erklärt, er habe «einen schrecklichen Fehler» begangen, für den er «teuer bezahlt» habe und sich schäme. «Ich war jung und ehrgeizig», erklärte Papadopoulos sein Verhalten. Abgesehen von der 14-tägigen Haft und der einjährigen Bewährungsstrafe wurde er zu gemeinnütziger Arbeit sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 9500 Dollar verurteilt.

Treffen mit Putin möglich

Papadopoulos war ein junger Öl-Analyst in London, als er im März 2016 als Sicherheitsberater zu Trumps Wahlkampfteam stiess. Aufgrund der Ansage, das Kampagnenteam strebe eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland an, knüpfte er schnell Kontakte zu einem Professor namens Joseph Mifsud, der sich guter Kontakte zum Kreml rühmte und ihn an Menschen mit angeblichen Verbindungen zu Russlands Staatschef Wladimir Putin vermittelte.

Ende März 2016 sagte Papadopoulos nach eigener Aussage bei einem Treffen mit Trump, dem heutigen US-Justizminister Jeff Sessions und anderen Mitgliedern des Wahlkampfteams, er könne vor der Präsidentschaftswahl ein Treffen zwischen Trump und Putin arrangieren. Während einige im Raum das Angebot ablehnten, habe Trump zustimmend genickt und Sessions das Wort erteilt, der den Vorschlag offenbar gut geheissen und seine Prüfung empfohlen habe, hatten Papadopoulos' Anwälte vor Gericht dargelegt.

Grund für die Lüge

Ende April 2016 informierte Papadopoulos ausserdem Trumps Wahlkampfteam, dass die Russen laut Mifsud für Trumps Rivalin Hillary Clinton gefährliche Informationen in Form tausender E-Mails hätten. Einige Wochen später wurden gehackte E-Mails von Clinton im Internet veröffentlicht.

Die US-Bundespolizei begann wegen mutmasslicher Russland-Kontakte von Trumps Wahlkampfteam zu ermitteln, nachdem ein australischer Diplomat sie informiert hatte, dass Papadopoulos ihm von für Clinton bedrohlichen Informationen in den Händen der Russen erzählt habe. Eine Woche nach Trumps Vereidigung wurde Papadopoulos vom FBI befragt. Dabei sagte er die Unwahrheit, um seine Chancen auf einen Posten in der Trump-Regierung zu wahren.

Zusammenarbeit mit Mueller

Seit 16 Monaten geht auch Sonderermittler Robert Mueller möglichen Russland-Kontakten von Trumps Wahlkampfteam nach. Papadopoulos kooperiert seit mehr als einem Jahr mit ihm.

Mueller leitete unter anderem Ermittlungen gegen Trumps Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort ein. In der Folge wurde Manafort im August von einer Geschworenenjury schuldig gesprochen - allerdings nicht wegen Russland-Kontakten im Wahlkampf, sondern wegen Steuer- und Bankenbetrugs im Zusammenhang mit seiner Beratertätigkeit für russlandfreundliche Politiker in der Ukraine zwischen 2005 und 2014.

«Hexenjagd»

Trump brandmarkt die Russland-Ermittlungen regelmässig als politisch motivierte «Hexenjagd». Auf Papadopoulos Verurteilung reagierte der US-Präsident mit einer ironischen Anspielung auf die Kosten von Muellers Ermittlungen. «14 Tage für 28 Millionen Dollar - 2 Millionen Dollar pro Tag», schrieb er auf Twitter.

Der Demokrat Mark Warner, der dem Geheimdienstausschuss des US-Senats angehört, erklärte hingegen, das Urteil gegen Papadopoulos zeige einmal mehr, dass Mueller trotz «ständiger Attacken des Präsidenten und dessen Verbündeten» seriöse Ermittlungen zum Präsidentschaftswahlkampf 2016 führe.

(roy/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman Bolliger am 08.09.2018 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betreffend Hexenjagd

    Trump moniert andauernd eine laufende Hexenjagd gegen ihn. Dabei hat er ja eigentlich die Boshaftigkeit eines Hexers und lobt sich dabei noch ständig in den höchsten Hexertönen.

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  • Mani Motz am 08.09.2018 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte Beachten

    Die Verurteilung erfolgte nicht wegen einer Verfehlung mit Russland, sondern wegen einer Falschaussage.

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  • sich langsam zu am 08.09.2018 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlinge zieht

    Wenn das die einzige Stellungnahme von Trump ist, der ja selbst keine Grenzen betreffend Geldverschleiss kennt, sollte er sich langsam warm anziehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 10.09.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    2 Wochen Gefängnis

    So geht Kuscheljustiz für Reiche in den USA.

    • Bartli am 15.09.2018 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      Mehr fällt mir dazu nicht ein

      Viel bewirkt aber kaum bestraft? Ein wahrlich toller Deal, offenbar bekommt jenes was man will nur auf diesem Weg.

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  • Studiert Muellers Vergangenheit am 09.09.2018 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ermittlungen zum Sonderermittler

    falls ihr euch die Mühe macht wird schnell klar, dass immer wenn Mueller in der Vergangenheit Ermittlungen erledigte sehr viel mehr vertuscht als offengelegt wurde.

    • Getan und? am 09.09.2018 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Studiert Muellers Vergangenheit

      Steht wo? Ich lese nichts aussergewöhnliches über ihn. Er hat eine lange Vergangenheit als Sonderermittler. Lockerbie, Manuel Noriegas, BCCI und 11. September. Später Direktor FBI. Keine schmuddelgeschichten mit Pornostars oder Steuerbetrugsfälle.

    • gähn am 09.09.2018 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Studiert Muellers Vergangenheit

      Hast du das von Infowars oder YouTube?

    • Fakten Ceck am 10.09.2018 10:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Getan

      9.11 Versicherungsbetrug waren ja so sauber ermittelt, dass von FBI Anklage gegen die angeblichen Täter erhoben wurde und danach Prozesse erfolgten ;-) Auch im Fall Bengazi wurden die Ermittlungen durch Mueller so durchgeführt, dass bis heute mehr verborgen als aufgedeckt wurde.

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  • Delphin am 09.09.2018 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haie

    Jung und Ehrgeizig. Das waren auch viele Haie, als sie die Immobilienkriese hervorgerufen hatten. Wie wäre es wieder mit Menschen die Charakter und Anstand besitzen, als so eine Bande an das Ruder der grössten Militärmacht der Welt zu wählen. Leider gibt es sogar bei uns in der Schweiz Zeitungsverleger, die immernoch wöchentlich ein Loblied auf diese Gangster singen und um keine unsinnige Erklärung verlegen sind diese ständigen Auswüchse mit Lügen eines Establishmentes (wer auch immer dazu gezählt wird) zu rechtfertigen. Nach der x-ten Verfehlung sollte es auch dem letzten"wutbürger"auffallen.

  • Sehnsucht 6 7 am 09.09.2018 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schlinge

    Sind das auch Fake Nachrichten oder wie will Trump das kommentieren? Die Schlinge zieht sich langsam aber sicher zu.

  • Greg am 09.09.2018 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das erste

    Bauernopfer. Es reicht für Trump nich nicht.