Enthüllungsbuch zu Trump

05. September 2018 11:31; Akt: 05.09.2018 13:15 Print

«Lasst uns verdammt noch mal Assad töten!»

Reporterlegende Bob Woodward führte hunderte Interviews mit Mitarbeitern des US-Präsidenten. Die hielten und halten ihn von grossen Dummheiten ab, so das Fazit.

Die Tonaufnahmen des Telefonats zwischen Bob Woodward und Donald Trump vom August 2018. (Video: Tamedia/AP)
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US-Präsident Donald Trump gerät erneut durch ein Enthüllungsbuch unter Druck – diesmal verfasst von Watergate-Enthüller und Pulitzer-Preisträger Bob Woodward. Es heisst «Angst – Trump im Weissen Haus». Der Titel bezieht sich auf eine Aussage, die Trump 2016 im Wahlkampf bei einem Interview mit Woodward gemacht hatte: «Echte Macht ist – ich will das Wort gar nicht benutzen – Angst.»

Woodwards Buch erscheint offiziell am 11. September, die «Washington Post», deren Mitherausgeber Woodward ist, veröffentlichte bereits vorab Auszüge.

Mitarbeiter lassen Dokumente verschwinden

Ein grosses Thema im Buch: Was die Belegschaft im Weissen Haus alles unternimmt, um den Boss von unüberlegten Handlungen abzuhalten. Das geht offenbar so weit, dass hohe Berater Papiere von Trumps Schreibtisch verschwinden lassen, damit dieser sie nicht unterzeichnen kann. Dass sie fehlen, scheint dem 72-Jährigen nicht aufzufallen.

Journalist Woodward nennt seine Quellen nicht. Er führte nach eigenen Angaben aber Gespräche mit «hunderten» aktuellen und ehemaligen Trump-Mitarbeitern.

«Let's fucking kill him!»

Diese lassen Woodward zufolge nicht nur Dokumente verschwinden, sie missachten auch Anweisungen des Präsidenten. Eine eindrückliche Episode beschreibt Woodward folgendermassen: Nachdem der syrische Machthaber Bashar al-Assad im April 2017 in Chan Schaichun Chemiewaffen eingesetzt hatte, habe Trump seinen Verteidigungsminister, den erfahrenen Vier-Sterne-General James Mattis, angerufen und verlangt, dass Assad getötet werden sollte: «Lasst ihn uns verdammt nochmal umbringen!» («Let's fucking kill him!»), habe Trump gefordert, «Lasst uns hineingehen und sie alle umbringen.»

Mattis habe dem Präsidenten zugesichert, dem nachzugehen. Kaum aufgelegt, sagte Mattis seinen Mitarbeitern: «Das machen wir nicht, wir werden gemässigt vorgehen.»

«Trump ist entgleist»

«Weil wir damit den 3. Weltkrieg verhindern»

Trumps Auffassung von Aussenpolitik blitzt auch an vielen anderen Stellen auf. Ein Monat nach seinem Amtsantritt habe Trump verlangt, dass seine Militärs einen Plan für einen Präventivschlag gegen Nordkorea ausarbeiten sollten, was diese zutiefst verstört habe.

Ein anderes Mal stellte er die Notwendigkeit einer US- Militärpräsenz in Abrede. «Wieso verschwenden wir überhaupt Ressourcen in dieser Region?», fragte der US-Präsident seinen Verteidigungsminister Mattis im Januar diesen Jahres. «Weil wir damit den 3. Weltkrieg verhindern», so dessen Antwort. Später soll Mattis gegenüber Vertrauten gesagt haben, dass Trump das Wissen und Auftreten eines Primarschüler habe.

Ständig im Zustand eines «Nervenzusammenbruchs»

Diese und viele weitere Episoden zeigten gemäss Woodward, dass Trump seine Mitarbeiter andauernd zu Aktionen dränge, die schwere Konflikte zur Folge hätten – so dass sie sich gezwungen sähen, seine Anweisungen zu ignorieren. Das Weisse Haus befinde sich so ständig im Zustand eines «Nervenzusammenbruchs».

Dass die Mitarbeiter unter der Launenhaftigkeit ihres Chefs litten, haben auch andere Bücher thematisiert. Woodward aber zeigt, dass offenbar auch höchste Stabsmitarbeiter von Trumps Beleidigungen nicht ausgenommen sind.

Der US-Präsident habe sich über die billigen Anzüge seines damaligen Stabschefs H.R. McMaster lustig oder äffe den Akzent von Justizminister Jeff Sessions nach, den er als «zurückgeblieben», als «dummen Südstaatler» und unfähigen Anwalt bezeichne. Anderen engen Mitarbeitern soll der Präsident gesagt haben, dass er ihnen nicht vertraue, sie ihren «Zenit überschritten» hätten und er sie möglichst nicht mehr an Bord haben wolle.

Scharfe Reaktion aus dem Weissen Haus

Nur Stunden nach Veröffentlichung erster Inhalte durch die «Washington Post» schlug das Weisse Haus in scharfem Ton zurück. Das Buch, das umgehend auf Platz 1 der Amazon-Liste schnellte, enthalte nichts anderes als «Lügengeschichten, viele davon von verärgerten früheren Mitarbeitern», teilte Trumps Sprecherin Sarah Sanders am Dienstag mit.

Auch Trumps Stabschef John Kelly meldete sich zu Wort: Er wies die Darstellung Woodwards zurück, wonach er – Kelly – Trump als «Idioten» bezeichnet habe. «Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, die Menschen zu beschmutzen, die Präsident Trump nahestehen, und von den vielen Erfolgen der Regierung abzulenken.»

Woodward zitiert im Buch unter anderem Kelly, der im Kreis von Mitarbeitern über den Präsidenten gesagt haben soll: «Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Er ist entgleist.»

Trumps Anruf bei Woodward

Die «Washington Post» veröffentlichte auch einen Mitschnitt und ein Transkript eines Telefonats Trumps mit Woodward nach Abschluss des Buch-Manuskripts. Woodward hatte sich zuvor um ein Interview mit Trump bemüht, das aber nicht zustande kam. Trump sagte in dem Telefonat, niemand habe ihn darüber informiert.

Der Präsident äussert in dem Gespräch bereits die Erwartung, dass das Buch negativ ausfällt, versucht aber, das als belanglos abzutun. «Also habe ich ein weiteres schlechtes Buch, das rauskommt. Grosse Sache.»

Woodward und sein Reporter-Kollege Carl Bernstein hatten mit ihren Enthüllungen in der Watergate-Affäre 1974 zum Rücktritt des damaligen Präsidenten Richard Nixon beigetragen. Woodward veröffentlichte seitdem wirkmächtige und oft peinliche Enthüllungsbücher über die Präsidenten George W. Bush und Barack Obama. Letzteres war von Trump 2013 gelobt worden.

(gux/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonas am 05.09.2018 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrt

    Wie kann man entgleisen, wenn man nie auf der Spur war?

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  • Mk am 05.09.2018 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der nächste Nothingburger

    Es stehen wichtige Zwischenwahlen an, die Schlammschlacht hat begonnen und wird noch übler.

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  • mischu73 am 05.09.2018 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Was da wohl noch alles kommen wird?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Redneck Roger K. am 06.09.2018 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie nochmal?

    Ein Deep Staate der den deep staate bekämpfen will, indem er das tut was er dem deep staate vorwirft und seine Anhänger sind happy, weil sie mit den Begrifflichkeiten nicht wirklich etwas anfangen können, weswegen ihr Anführer auch ganz simple Sätze ständig wiederholen muss. Zuerst dachte ich Trump ist so einfach gestrickt, bis ich feststellen musste, dass er anders seine Wählerschaft gar nicht erreichen würde. Kentucky schreit f..n.

  • Steven am 05.09.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Geschmacklos!!!

    Warum muss das Buch ausgerechnet am 11. September erscheinen? Geschmackloser und verachtender gegenüber all den Toten geht es kaum. Will da jemand vom wahren Geschehnis und und den wahren Verantwortlichen für das Gräul in NY ablenken?

  • N.Stadelmann am 05.09.2018 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    USA First !?

    Trump sagt viel wenn er wütend ist. Nach dem Wutanfall ist alles doch wieder relativ... Und er würde ganz bestimmt nie Assad töten. Das Risiko einer nicht einschätzbaren Krise mit Russland und dem IS wäre für die USA zu gross.

    • einfacheiner am 05.09.2018 19:37 Report Diesen Beitrag melden

      Würde nie...lol

      tja du gehst davon aus das er da irgendwas versteht von irgendwas ausserhalb seines kleinen Horizonts. der würde so ziemlich alles einfach tun, Darf zum Glück nicht.

    • baba am 06.09.2018 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      von wegen

      Er nimmt seine Aussagen nur immer wieder zurück oder schlichtet sie, weil ihn seine Berater dazu drängen. Es kommt bestimmt nicht von ihm aus. Wutanfälle zeigen einem was menschen wirklich denken.

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  • Beifall am 05.09.2018 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chumme nit druus

    Mh. Und dann? Erstens würde ein Völkermord an den Alawawiten geschehen, dann würden die Islamisten erstarken, dies würde die Türkei, den Libanon erschüttern, aus diesen Ländern würden dann richtig viele Menschen Zuflucht in Europa suchen, Roger Köppel, würde weiterhin Trump beklatschen und sich über Flüchtlinge beschweren. Was habe ich an Trump nicht verstanden? Helft mir! Ich kann dem Mann nichts abgewinnen.

    • Christoph am 05.09.2018 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beifall

      Da sind wir schon zwei,-) Dem Herr Köppel übrigens auch nicht!

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  • Globias am 05.09.2018 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Geschichte

    In Deutschland gabs mal so einen Brüllkopf. Einer der im Zorn fatale Entscheidungen traf und manchmal von einigen wenigen mutigen Generälen übergangen wurde. Dazu war er etwas paranoid und glaubte aber, dass er vond er Vorsehung gesendet wäre. Alle anderen waren seiner nicht würdig und sollten entsorgt werden. Allerdings war da das Volk geeinter. Wie hiess der Kerl nochmals?