Unfall oder Attentat?

06. März 2009 21:49; Akt: 06.03.2009 22:30 Print

Tsvangirais Frau stirbt bei Autounfall

Drei Wochen nach seinem Amtsantritt ist der simbabwische Ministerpräsident Morgan Tsvangirai bei einem Autounfall schwer verletzt worden. Seine Frau Susan kam ums Leben. In Simbabwe wird darüber spekuliert, ob es sich um ein Attentat oder um einen Unfall handelt.

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Anhänger von Morgan Tsvagirai strömen zur Klinik wo der Ministerpräsident Simbabwes behandelt wird. (Bild: Keystone/AP)

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«Morgan hat schwere Prellungen und Schnittverletzungen erlitten, aber ich muss zu meinem Bedauern sagen, dass Susan gestorben ist». Das teilte ein Sprecher von Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), Eddie Cross, in der Hauptstadt Harare am Freitag mit.

Der Ministerpräsident wurde in einem Spital in Harare behandelt. Mitglieder von Tsvangirais Partei berichteten, das Spital sei von der Polizei umstellt. Zahlreiche Regierungsmitglieder gingen ein und aus. Auch Präsident Robert Mugabe besuchte dort am Abend mit seiner Frau Grace seinen langjährigen Widersacher.

Das seit 1978 verheiratete Ehepaar Tsvangirai war auf der Strasse zwischen Harare und Masvingo zu einer Kundgebung ihrer Partei in ihren Heimatort Buhera unterwegs.

Rund 60 Kilometer ausserhalb der Hauptstadt stiess ihr von zwei Sicherheitswagen begleiteter Geländewagen dann mit einem entgegenkommenden Lastwagen zusammen.

Nach anderen Darstellungen wurde ihr Wagen vom ausscherenden Anhänger des Lastwagens getroffen. Tsvangirai und seine Frau, die öffentlich nur selten in Erscheinung trat, haben gemeinsam sechs Kinder.

Spekulationen über mögliches Attentat

Da Mugabe und Tsvangirai über viele Jahre Rivalen waren, führte die Nachricht vom dem Unfall im Simbabwe zu Spekulationen über ein mögliches Attentat. «Das ist die grosse Frage», sagte Cross. «Wir werden abwarten.» Die MDC werde bei der Klärung des Unfallhergangs auf umfangreiche Ermittlungen sowie absolute Transparenz bestehen.

MDC-Anhänger wiesen darauf hin, dass in der Vergangenheit wiederholt Mugabe-Gegner in Unfällen mit Lastwagen getötet worden waren.

Ein Ermittlerteam, das Fotos am Unfallort machte und einen platten linken Vorderreifen an Tsvangirais Geländewagen entdeckte, wurde nach MDC-Angaben von der Polizei festgenommen, ihre Kameras wurden beschlagnahmt.

Erst seit drei Wochen im Amt

Tsvangirai hatte nach monatelangen Verhandlungen einer Regierung der nationalen Einheit mit der ZANU(PF)-Partei von Präsident Mugabe zugestimmt und war erst vor drei Wochen vereidigt worden.

Der seit fast 30 Jahren zunehmend autokratisch regierende Mugabe hatte jedoch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er weiterhin die Macht in der Hand hält.

Simbabwe befindet sich in der schwersten Krise seiner Geschichte mit Massenarmut und Hyperinflation. Der Kollaps des öffentlichen Dienstes hat den Ausbruch einer Cholera-Epidemie begünstigt.

(sda)