Vergeltungsangriff

28. Februar 2020 00:59; Akt: 01.03.2020 22:22 Print

Türkei bombardiert Stellungen in Syrien

Bei Luftangriffen auf türkische Verbände in Nordsyrien kam es zu über 20 Toten. Nun kam es zum Gegenschlag.

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Als Vergeltung für Luftangriffe auf türkische Verbände in Nordsyrien mit mindestens 29 Toten hat die türkische Armee Stellungen der syrischen Regierungstruppen attackiert.

Die Stellungen der Truppen von Machthaber Bashar al-Assad seien in der Nacht zum Freitag aus der Luft und vom Boden aus angegriffen worden, teilte ein Sprecher des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan mit. Die Angriffe würden fortgeführt, kündigte er an.

Zuvor war die Lage in der Rebellenhochburg Idlib in Syrien eskaliert. Offiziellen Angaben zufolge starben dort unter syrischem Beschuss mindestens 29 türkische Soldaten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu telefonierte der türkische Aussenminister Mevlut Cavusoglu mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Stoltenberg rief die Konfliktparteien in Nordwestsyrien zur Deeskalation auf. Sie müssten die «gefährliche Lage» entschärfen und eine weitere Verschlimmerung der «schrecklichen humanitären Lage» in der Region vermeiden, erklärte Stoltenberg nach Angaben seiner Sprecherin Oana Lungescu.

Beistand der Nato angefordert

Die Türkei orderte Beistand von der Nato und der internationalen Gemeinschaft. «Wir rufen die gesamte internationale Gesellschaft dazu auf, ihre Pflichten zu erfüllen», hiess es in einer Stellungnahme des Kommunikationsdirektors von Präsident Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, in der Nacht zu Freitag.

Der Sprecher von Erdogans Regierungspartei AKP, Ömer Celik, sagte im Fernsehen, die Nato müsse an der Seite der Türkei stehen. Gleichzeitig drohte er der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge kaum verhohlen damit, den Flüchtlingen im Land die Grenzen zu öffnen: «Unsere Flüchtlingspolitik ist dieselbe, aber hier haben wir eine Situation. Wir können die Flüchtlinge nicht mehr halten», sagte er. Es hatte in der Nacht in sozialen Medien Gerüchte gegeben, dass die Türkei ihre Grenzen bereits geöffnet habe.

Die Türkei macht für den Tod der Soldaten einen Luftangriff des syrischen Militärs verantwortlich. In Altuns Stellungnahme hiess es, die Türkei greife als Reaktion mit Boden- und Luftkräften «alle bekannten Ziele des Regimes» an. Celik sagte: «Das mörderische Regime und die, die es ermutigen, werden den Preis für diese Niedertracht auf die härteste Weise bezahlen.»

Konvoi bombardiert

Der Vorsitzende der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, sagte der Deutschen Presse-Agentur, syrische Kampfflugzeuge hätten einen Konvoi der Soldaten südlich der Stadt Sarakib bombardiert. Der einflussreiche US-Senator Lindsey Graham forderte angesichts der Eskalation eine Flugverbotszone in Idlib.

Idlib ist das letzte grosse Rebellengebiet in dem Bürgerkriegsland. Die Situation dort war jüngst eskaliert. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Rebellen. Mit Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung hatte sie ein Abkommen getroffen, um in Idlib eine Deeskalationszone einzurichten und hatte dort Beobachtungsposten eingerichtet.

Waffenruhe gebrochen

Eigentlich gilt auch eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war das syrische Militär mit russischer Unterstützung aber weiter in dem Gebiet vorgerückt. Hunderttausende sind auf der Flucht.

Nach UNO-Angaben sind seit Anfang Dezember fast 950'000 Menschen vor der Gewalt geflohen. Helfer beklagen eine katastrophale humanitäre Lage. Es fehlt an Unterkünften, Lebensmitteln, Heizmaterial und medizinischer Versorgung. Hilfsorganisation sprechen vom schlimmsten Flüchtlingsdrama seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor fast neun Jahren.

Kremlchef Wladimir Putin dämpfte am Donnerstag die Hoffnungen auf einen vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgeschlagenen Syrien-Gipfel, an dem auch Deutschland und Frankreich teilnehmen sollen. Erdogan wolle dort mit Putin, Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über die Lage in Idlib reden.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geniesser69 am 28.02.2020 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das sind Probleme!

    Und der Rest der Welt macht sich wegen einem Grippeähnlichen Virus in die Hose......

  • t. von alt am 28.02.2020 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eskalation

    wenn man die türkei beschiesst, dann sollte man damit rechnen dass sie zurück schiessen. asad hat nun einen ganz anderen gegner. hoffe nur dass zivilisten das überstehen, was leider oft nicht der fall ist.

  • Beobachter am 28.02.2020 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nun die Hilfe der NATO?

    Ist es nicht die Türkei welche sich illegal auf syrischem Boden befindet und sein eigenes Süppchen kocht? Jetzt wo man plötzlich merkt, das zurück geschossen wird, ruft man nach dem NATO Bündnis!

Die neusten Leser-Kommentare

  • nw1m am 29.02.2020 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdie lass Syrien in Ruhe

    Türkei go home ! Wir unterstützen keine Angriffskriege um Völkermord zu begehen.

  • spectre121 am 28.02.2020 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdowahn

    Toll. Eine illegale Kriegserklärung eines NATO Mitglied gegenüber einem Drittstaat. Danke der USA für das jahrelange Vormachen im Brechen der UNO Charta.

  • SC am 28.02.2020 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lügen können Kriege in Bewegung setzen, Wahrheiten

    Die türkische Regierung soll endlich zurücktreten, dass Fas ist voll! Wie kann man mit Menschenleben so gewissenlos umgehen?! Die jungen Soldaten als Futter für die eigenen Interessen ( nicht für das Land, Nebenbemerkung) in den tot schicken und noch ungeniert die Nato erpressen mit der Flüchtlingspolitik! Schöne heile Welt der AKP!!!!

  • Lucia am 28.02.2020 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Asyl

    Na toll!! Noch mehr Syrer aufnehmen??

  • Jamal Bullat am 28.02.2020 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Für ein Kurdistan in der Türkei.

    Mal schauen was Putin macht. Schlimm, dass die Kurden in der Mitte stehen.