Syrien-Eskalation

09. Juni 2011 18:05; Akt: 09.06.2011 18:05 Print

Türkei erwartet eine Million Flüchtlinge

Immer mehr Menschen fliehen aus Syrien - aus Angst vor weiterer Gewalt der Regierungstruppen. Die Türkei fürchtet sich vor einer eigentlichen Massenflucht.

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In der Türkei wurde für die Flüchtlinge aus Syrien eine Zeltstadt eingerichtet

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Aus Furcht vor einer Militäroffensive des syrischen Regimes flüchten immer mehr Menschen in die benachbarte Türkei. Erstmals seit dem Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad kamen am Donnerstag innerhalb von 24 Stunden mehr als tausend Menschen über die Grenze.

Die regierungsnahe syrische Nachrichtenwebsite «Damas Post» meldete, zahlreiche Einwohner der Region hätten die Städte und Dörfer der Provinz verlassen, damit die Armee freie Hand habe bei der Verfolgung bewaffneter Extremisten.

Zwischen 800 und 2000 Kämpfer, darunter «Frauen und Männer aus Dörfern, die für ihren religiösen Extremismus bekannt sind», bereiteten sich dort auf eine Schlacht vor. Die Anwohner hätten die Soldaten aufgefordert, «ohne Gnade» gegen diese Extremisten vorzugehen, die Anfang der Woche in der Kleinstadt Dschisr al- Schughur 120 Soldaten und Polizisten getötet hätten.

Die Regimegegner aus dem Bezirk hatten dagegen berichtet, Soldaten hätten auf Demonstranten in Dschisr al-Schughur geschossen und die Bewohner des Ortes gedemütigt. Anschliessend sei es zu einem Gefecht unter den Soldaten gekommen, weil sich einige den Befehlen ihres Kommandanten widersetzt hätten.

Am Donnerstagabend sagten Regierungsgegner, Dschisr al-Schughur sei von Soldaten umstellt.

Türkei erwartet eine Million

Bis Donnerstag sind nach amtlichen türkischen Angaben nahezu 2000 Syrer in die Türkei geflüchtet. Die türkische Tageszeitung «Sabah» berichtete zudem, Ankara stelle sich bei einer weiteren Eskalation auf 500 000 bis zu einer Million Flüchtlinge ein. Der Rote Halbmond hatte in den vergangenen Tage zusätzliche Zelte in Aufnahmelagern aufgebaut.

In der Nacht auf Donnerstag hatte es in mehreren syrischen Provinzen neue Demonstrationen gegeben. Die staatlichen syrischen Medien widmeten der Lage in Dschisr al-Schughur besondere Aufmerksamkeit.

In Syrien sind seit Beginn der Unruhen im März nach Einschätzung der UNO mehr als 1100 Menschen getötet worden. Bis zu 10'000 Menschen seien verhaftet worden, erklärte die UNO- Menschenrechtskommissarin Navi Pillay in Genf unter Berufung auf Nichtregierungsorganisationen und andere Beobachter im Land.

Allein am vergangenen Freitag sollen nach diesen Berichten mehr als 50 Demonstranten bei Protesten in der Stadt Hama getötet worden sein. Auch mit Blick auf Anschuldigungen der Regierung, dass 120 Sicherheitskräfte von bewaffneten Banden getötet worden seien, forderte Pillay Zugang einer UNO-Expertengruppe nach Syrien.

In New York laufen derweil Gespräche über eine Syrien-Resolution des UNO-Sicherheitsrates. Die Vetomacht Russland sprach sich jedoch am Donnerstag erneut dagegen aus. «Eine Resolution könnte die ohnehin gespannte Lage in dem Land weiter eskalieren lassen», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax.

Verdacht auf geheimen Atomreaktor

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA schaltete im Streit mit Syrien um ein geheimes Nuklearprogramm des Landes unterdessen den UNO-Sicherheitsrat ein. Der aus Vertretern von 35 Staaten bestehende IAEA-Gouverneursrat in Wien beschloss am Donnerstag mit einer Mehrheit von 17 Ländern eine Resolution, die den Streit wegen fehlender Kooperation Syriens an das höchste UNO-Gremium verweist.

Mögliche Sanktionen des Sicherheitsrats dürften aber voraussichtlich am Widerstand Russlands und Chinas scheitern, die auch bei der IAEA gegen die Resolution gestimmt hatten.

Hintergrund des Atomstreits mit Syrien sind Zweifel am wahren Zweck eines Gebäudekomplexes in Al Kibar (Dair Alzour), hinter dem viele Länder einen geheimen, im Bau befindlichen Atomreaktor vermuteten. Israel bombardierte die Anlage 2007, bevor deren Nutzen geklärt werden konnte.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 09.06.2011 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Diese

    Flüchtlinge werden nicht in der TR bleiben sondern nach Westeuropa weiterwandern wie die Nordafrikaflüchtlinge nicht in I bleiben werden. Da braucht man sich gar nichts vorzumachen. Und wer erst einmal in Westeuropa ist geht nicht mehr und wird nach einer bestimmten Zeit im Sozialsystem integriert und erhält später den Pass des jeweiligen Landes. Hier noch so zu tun seitens der europäischen Regierungen man hätte noch die Kontrolle über die Migrationsströme ist nur noch peinlich.

  • Monique am 09.06.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Die Türkei wäre gut auch für Tunesier

    "Die Türkei werde ihre Tür für die Menschen aus dem Nachbarland nicht verschliessen" - sehr schön und hoffentlich wird die Türkei die Flüchlinge auch bei sich behalten und sie nicht etwa nach Europa schicken.

    einklappen einklappen
  • Stefan Müller am 09.06.2011 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Danke Türkei

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Müller am 09.06.2011 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Danke Türkei

  • B. Kerzenmacher am 09.06.2011 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Diese

    Flüchtlinge werden nicht in der TR bleiben sondern nach Westeuropa weiterwandern wie die Nordafrikaflüchtlinge nicht in I bleiben werden. Da braucht man sich gar nichts vorzumachen. Und wer erst einmal in Westeuropa ist geht nicht mehr und wird nach einer bestimmten Zeit im Sozialsystem integriert und erhält später den Pass des jeweiligen Landes. Hier noch so zu tun seitens der europäischen Regierungen man hätte noch die Kontrolle über die Migrationsströme ist nur noch peinlich.

  • cherokee am 09.06.2011 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Türkei

    ein grosses Lob an die Türkei!! Wir (die Reichen) fürchten uns vor ein paar nordafrikanischen Flüchtlingen.

  • Monique am 09.06.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Die Türkei wäre gut auch für Tunesier

    "Die Türkei werde ihre Tür für die Menschen aus dem Nachbarland nicht verschliessen" - sehr schön und hoffentlich wird die Türkei die Flüchlinge auch bei sich behalten und sie nicht etwa nach Europa schicken.

    • Stefan Müller am 14.06.2011 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      nein nein

      Menschen nicht helfen und töten lassen ist ja einfacher oder?

    einklappen einklappen
  • Acha... am 09.06.2011 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nur 1'000?

    Wir würden sie gerne demnächst als Asylsuchende in der Schweiz willkommen heissen.