Philipp Ruch

05. Juli 2017 12:17; Akt: 05.07.2017 14:51 Print

Türkei protestiert wegen Aktion von Schweizer

Das Zentrum für Politische Schönheit um den Schweizer Künstler Philipp Ruch provoziert erneut. Die türkische Botschaft reagierte mit einer scharfen Protestnote.

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Mit einem Mercedes und einem Plakat sorgt die Kunstaktionsgruppe Zentrum für Politische Schönheit seit Montag in Berlin für Aufsehen. Laut der Organisation will man damit gegen die Einladung dreier Diktatoren an den G20-Gipfel protestieren. Die Aktion folgt nur kurz nachdem ein ferngesteuerter Drucker Flugblätter gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus einem Hotelzimmer beim Gezi-Park in Istanbul geworfen hat. Die Flugblätter stammten aus einem Drucker, der so am Fenster positioniert war, dass sie auf die Strasse hinunterfielen, als sie gedruckt wurden. Auf einem Video aus dem Hotelzimmer ist zu sehen, wie zwei Personen das Zimmer betreten und den Drucker ausschalten. Hinter der Aktion steckt der Schweizer Aktionskünstler Philipp Ruch. Ruch lanciert im Juni in München einen «Schülerwettbewerb», mit dem er den Widerstand gegen Diktaturen in der Welt voranbringen möchte. Zum 75. Jahrestag der ersten Flugblätter der Widerstandsgruppe Weisse Rose aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sollten Schüler und Studenten bei der Aktion «Scholl 2017» Flugblätter entwerfen, um so einen «echten Diktator» zu stürzen. Ruch, der immer mit Asche im Gesicht auftritt, erregte im Frühling 2016 schon mit einer Aktion gegen SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel Aufsehen. Er zeigte im Zürcher Theater am Neumarkt das Stück «Roger Köppel - eine Abschiebung» und schuf eine Website, auf der man Köppel «verfluchen» konnte. Hier die verteilten Flugblätter im türkischen Original ... ...und in der deutschen Übersetzung. Laut dem Zentrum für politische Schönheit wurde der Text, der zum Sturz von Erdogan aufruft, von Türken in Deutschland verfasst.

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Mit einer Flugblatt-Aktion hat das in Deutschland ansässige Künstlerkollektiv Zentrum für Politische Schönheit international Aufsehen erregt. Ein ferngesteuerter Drucker warf aus einem Fenster eines Hotelzimmers am Istanbuler Taksim-Platz Flyer aus, die gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gerichtet waren.

Die Flugblatt-Aktion in Istanbul:

Noch immer suchen die Behörden nach einem Mitglied des Kollektivs, das für die Aktion verantwortlich sein soll. Was dieses erwartet, ist ungewiss. Doch in einem Interview mit 20 Minuten hat Ruch erklärt, dass es «mit der Sicherheit für uns alle brandgefährlich wird».

Aktion vor Bundeskanzleramt in Berlin

Die Organisation wurde vom Schweizer Künstler Philipp Ruch gegründet. Nun hat die Gruppe eine weitere Aktion gestartet, die ebenso provoziert. Vor dem Bundeskanzleramt in Berlin steht seit Montag ein Mercedes. Auf dem Podest steht auf einem Transparent: «Willst du dieses Auto? Töte die Diktatur!» Daneben sind die Köpfe von Erdogan, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem saudiarabischen König Salman bin Abdulaziz Al Saud zu sehen.

Gemäss einer Mitteilung des Zentrums für Politische Schönheit wurde die Aktion im Hinblick auf den G20-Gipfel in Hamburg durchgeführt. Dies, weil am Treffen drei Diktatoren eingeladen seien.

Die Behörden in der Türkei sind alles andere als erfreut. Laut der Nachrichtenagentur Anadolu hat die türkische Botschaft eine Protestnote an das Auswärtige Amt geschickt.

«Beispiel für steigenden Rassismus»

«Wir verurteilen die provokative Aktion vor dem Kanzleramt, die auf unseren Staatspräsidenten und auf einige Staatschefs zielt, aufs Schärfste», wird das Aussenministerium auf der türkischen Plattform Trt.net zitiert. «Noch bedenklicher ist, dass die deutsche Polizei dabei nur tatenlos zusieht und nicht eingreift.» Die Aktion sei ein Beispiel für den «steigenden Rassismus und Fremdenfeindlichkeit» in Deutschland.

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