Präsident Erdogan

20. Januar 2018 13:13; Akt: 20.01.2018 16:51 Print

Türkei startet Bodenoffensive in Syrien

Nach Worten des türkischen Präsidenten Recep Erdogan hat die angekündigte Bodenoffensive in Syrien begonnen. Moskau ruft zur Zurückhaltung auf.

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Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede am Freitag, 19. Januar 2018. (Bild: Keystone/Kayhan Ozer)

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Die seit Tagen angekündigte Bodenoffensive der Türkei in der nordsyrischen Grenzregion hat nach den Worten von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan «de facto» begonnen. Der Einsatz am Boden gegen die von Kurden kontrollierte Stadt Afrin sei gestartet, danach werde Manbidsch angegriffen, sagte Erdogan am Samstag. Die türkische Luftwaffe flog Angriffe auf mutmassliche Stellungen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG.

Erdogan äusserte sich in einer in der westtürkischen Stadt Kütahya gehaltenen Rede, die im Fernsehen übertragen wurde. Die Türkei werde «Schritt für Schritt» einen «Terror-Korridor» zerstören, den die YPG errichtet habe. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, protürkische Milizionäre der Freien Syrischen Armee (FSA) rückten in der Region Afrin vor.

«Operation Olivenzweig»

Der türkische Regierungschef Binal Yildirim sagte in einer ebenfalls im Fernsehen übertragenen Rede, die Armee habe eine Luftoffensive zur «Zerstörung» der YPG begonnen. Ein AFP-Reporter auf der türkischen Seite der Grenze sah, wie zwei türkische Kampfflugzeuge Ziele auf syrischem Territorium angriffen und Rauchwolken aufstiegen. Die türkische Armee bestätigte eine Boden- und Luftoffensive.

Die «Operation Olivenzweig» habe um 15.00 Uhr (MEZ) begonnen und richte sich gegen die YPG und auch gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), erklärte das Militär. Die russische Regierung äusserte sich «besorgt» über die Offensive. Das Aussenministerium in Moskau rief die gegnerischen Parteien zur Zurückhaltung auf.

Eigene Kurdenregion verhindern

Afrin und das hundert Kilometer weiter östlich am Euphrat gelegene Manbidsch gehören zur halbautonomen Kurdenregion im Nordwesten Syriens. Ankara will einen Zusammenschluss der Kurdengebiete westlich und östlich des Flusses und damit die Entstehung einer eigenständigen Kurdenregion an der Südflanke der Türkei verhindern. Erdogan warf der US-Regierung vor, sich nicht an ihr Versprechen zu halten, die YPG von Manbidsch fernzuhalten.

Türkische Truppen hatten diese Woche bereits mehrfach Granaten auf mutmassliche YPG-Stellungen abgefeuert. Zuvor hatte die Armee an der Grenze zu Syrien Panzer und Artillerie zusammengezogen.

YPG: Verbündete im Kampf gegen IS

Die US-geführte Allianz zum Kampf gegen den IS hatte am vergangenen Sonntag den Aufbau einer 30'000 Mann starken Truppe im syrischen Grenzgebiet zur Türkei angekündigt. Diese soll die Grenzen im Norden und Osten Syriens sichern, um ein Wiedererstarken der IS-Miliz zu verhindern. Die Hälfte der Kämpfer soll von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) kommen, die von den YPG beherrscht werden. Für die US-Regierung ist die YPG-Miliz ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den IS. Washingtons Nato-Partner Türkei betrachtet die YPG dagegen als syrischen Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Die neue türkische Offensive in der Region Afrin ist nicht ohne Risiko. Russland ist dort mit Militärbeobachtern präsent und unterhält gute Beziehungen zu den Volksverteidigungseinheiten. Analysten zufolge bedarf eine umfassende Boden- und Luftoffensive der Zustimmung Moskaus. Der türkische Generalstabschef Hulusi Akar und der Geheimdienstchef Hakan Fidan hielten sich am Donnerstag in Moskau auf. Sie erörterten dort mit ihren russischen Kollegen Sicherheitsfragen und die Lage in Syrien, wie die türkische Armee mitteilte.

(SDA)