Kurdenregion

29. Dezember 2011 17:12; Akt: 30.12.2011 17:02 Print

Türkische Luftwaffe tötet 35 Dorfbewohner

Die türkische Armee hat im Grenzgebiet zum Irak offenbar 35 kurdische Schmuggler getötet - versehentlich. Die Regierungspartei AKP entschuldigte sich für den Irrtum.

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Dorfbwohner von Uludere in der südosttürkischen Provinz Sirnak stehen am 28. Dezember neben den von der türkischen Luftwaffe getöteten Menschen. Beim Versuch Benzin auf Maultieren über die irakische Grenze zu schmuggeln, wurden sie offensichtlich von der türkischen Armee mit PKK-Kämfern verwechelt. (Bild: Keystone)

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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Tod von 35 Zivilisten im kurdisch dominierten Gebiet an der Grenze zum Irak durch einen Luftangriff bedauert. Auch Präsident Abdullah Gül äusserte sein Bedauern.

Der Vorfall sei «bedauerlich und betrüblich», sagte er am Freitag vor Journalisten in Istanbul in seiner ersten öffentlichen Reaktion auf den Vorfall vom Mittwochabend.

Mittels Drohnen übertragene Bilder hätten eine Gruppe von rund 40 Menschen gezeigt. «Es war unmöglich, zu sagen, wer sie sind.» Erst später habe sich herausgestellt, dass es sich um Schmuggler gehandelt habe, die auf Maultieren Zigaretten und Benzin transportiert hätten.

Erdogan sprach den Angehörigen der Opfer am Freitag sein Beileid aus. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül sprach von einem «unbeabsichtigten, unglücklichen und traurigen» Vorfall.

Das türkische Militär hatte zunächst von einem Einsatz gegen PKK- Rebellen gesprochen, die Regierungspartei AKP aber dann von einem möglichen Versehen. Am Freitag dann sprach die Armee den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus, was als ungewöhnlicher Schritt und Einräumen eines Versehens gilt.

PKK kritisiert «Massaker»

Die kurdische Arbeiterpartei (PKK) rief das kurdische Volk am Freitag zu einem «Aufstand» auf. «Wir rufen das Volk von Kurdistan auf, auf dieses Massaker zu reagieren», erklärte der Kommandant Bahoz Erdal vom bewaffneten Arm der PKK am Freitag.

Die Kurden müssten mittels «Aufständen» reagieren, erklärte Erdal. Die PKK benutzt diesen Begriff sowohl für Aktionen zivilen Ungehorsams als auch für gewaltsame Proteste und Angriffe auf Sicherheitskräfte.

Erdal warf dem türkischen Militär vor, absichtlich Zivilisten in dem Gebiet angegriffen und ein «organisiertes und geplantes Massaker» verübt zu haben. Dass in dem Grenzgebiet Menschen vom Schmuggel etwa mit Zigaretten und Treibstoff lebten, sei bekannt und es sei daher «unmöglich», dass die Zivilisten nicht als solche erkannt worden seien.

Bei dem Angriff am Mittwochabend waren im Grenzgebiet 35 Menschen getötet worden. Örtlichen Angaben zufolge handelte es sich vor allem um junge Menschen, die vom Grenzhandel lebten. Die Gruppe war offenbar mit Rebellen verwechselt worden, die dieselben Wege nutzen, um etwa Waffen in die Türkei zu schmuggeln.

Beisetzung der Opfer

Die ursprünglich aus der türkischen Grenzprovinz Sirnak stammenden Zivilisten wurden am Freitag beigesetzt. «Die PKK ist das Volk» und «Märtyrer sterben nicht» riefen weinende Angehörige bei der Trauerfeier.

Die Opfer wurden in einem Massengrab auf dem Friedhof in Gülyazi in der südöstlichen Provinz beigesetzt. Ihre Särge waren mit kurdischen Fahnen geschmückt, auch Bilder des inhaftierten PKK-Chefs Abdullah Öcalan waren zu sehen. Aus Gülyazi stammten viele der Opfer.

In der nahegelegenen Stadt Uludere wurde ein Gottesdienst für die Getöteten abgehalten. Dort protestierten zudem erneut mehrere Einwohner wegen des tödlichen Vorfalls gegen die türkische Regierung und nannten Erdogan einen «Mörder».

«Auch du wirst eines Tages unseren Schmerz empfinden», riefen sie. Bereits am Donnerstag waren in der Türkei tausende Kurden aus Protest auf die Strasse gegangen. Dabei war es zu teils schweren Zusammenstössen gekommen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bryan am 29.12.2011 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Das war kein Versehen...

    Das glaub doch keiner. Es ist zu 100% Mord an unschuldige Zivilisten. Alles andere ist gelogen. Die Türkei hatte ja kürzlich versprochen, sich für die getöteten türkische Soldaten zu rächen. Leider ist wird das erst der Anfang gewesen sein...

  • Zürcher am 29.12.2011 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schade einfach nur Traurig

    Sind nicht Türken und Kurden Moslems? Dachte das sich Moslems als Brüder betrachten? Janu man lernt immer etwas neues!

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  • Peter Pansky am 29.12.2011 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    *mhm*

    Mal eben "aus Versehen" 35 Menschenleben gefordert. Dafür das dort keine Menschen leben sollen, haben sie aber direkt eine ganze Karawane erwischt. Welch ein Zufall.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hakan P. am 30.12.2011 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    die PKK tötet Zivilisten

    die Zeiten aus den 90ern, wo die Regierung Dörfer niederbrannte und die Bevölkerung sind längst vorbei. Die türkische Regierung nimmt in ihrem Kampf gegen die Terroristen grossen Rücksicht auf die zivile Bevölkerung. So wurde z.B. in einer Operation im September 2011 zuerst die Bevölkerung vorgewarnt und in Sicherheit gebracht. Wer heute behauptet, die Regierung bringe absichtlich Zivilisten um, lügt schlicht. Im Gegensatz zur PKK: sie nimmt bewusst die Entführung von Lehreren, die Ermordung von schwangeren Frauen, Kindern, Polizisten, Geschäftsleute in Kauf um die Leute zu terrorisieren

    • Gianni Dal Pont am 30.12.2011 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht aufregen

      Hakan Parlak regen Sie sich nicht auf ...wir , wie viele andere wissen , wie viele tausend zivile Opfer es durch die PKK bis anhin gab , Kurden , Kinder alte Menschen u.s.w gestern behauptete sogar einer , mein Erlebniss bei einem PKK Terroranschlag in zmir sei lauter Fantasie , Er haette besser in Google ( Kusadasi , Bornova , Alabay ) nachgeschaut , drei Anschlaege mit Todesopfer und vielen schwerstverletzten in den letzten 5 Jahren allein in zmir , Jemand hat geschrieben , wenn alle Kurden sich von der PKK distanzieren würden , es würden viele Firmen in diese Region investieren , wie war

    • Hakan P. am 30.12.2011 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      bewusste Irreführung des Militärs?

      werter Herr dal Pont es gibt bereits Anzeichen, dass Doppelagenten innerhalb der PKK absichtlich dem Militär einen Tipp gegeben haben. Ziel ist dabei die bewusste Provokation und Aufwiegelung der Menschen (

    • Yusuf Agit Y. am 30.12.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      ....

      hakan P. waren sie schon mal in einer kurden region ? haben sie schon mal etwas mittbekommen ? viele menschen urteillen ohne etwas daruber zu wissen ... man muess nicht daruber reden wenn man es nicht selber erlebt hat. Anstatt durch die medien schlau zu werden , gehen sie mal in die kurdische region und dann werden sie sehen was der warheit entspricht und was nicht ! Ich frage mich nur warum dorfer bombardiert werden und Zivillisten sterben mussen ?

    • Hakan P. am 30.12.2011 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Yusuf

      meine Familie stammt selber aus dem östlichsten Teil. ich war im südosten der Türkei und sprach mit Südosttürken über dieses Thema. Ich kenne Menschen, die sich schämen Kurden zu sein aufgrund der Greueltaten der PKK... im Gegensatz zu den PKK Morden handelt es sich hier um ein Versehen, die Regierung hat sich entschuldigt. End of story

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  • Daniel M. am 30.12.2011 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bye bye EU-Beitritt

    Jetzt schonmal gar keine Chance auf einen EU-Beitritt!

    • Delikanli am 30.12.2011 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wer möchte noch in die EU?

      Es fehlt nicht mehr viel und die EU wird die Türkei bitten beizutreten, dann aber wird die Antwort der Türken sein: bye bye EU! Falls Sie etwas die finanzielle Lage beobachtet haben wüssten Sie, dass die Türkei zur Zeit ein grösseres Wachstum als China aufweist und wesentlich stabiler dasteht als viele EU-Mitgliedstaaten.

    • G. ZUG am 30.12.2011 19:10 Report Diesen Beitrag melden

      bye bye eu....

      Wer will noch in die EU? Die Türkei ist besser dran ohne EU beitritt sonst dürfen wir ja noch die Griechen, Italiener und den Rest mitfinanzieren....

    • M. Wyss am 30.12.2011 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      EU? 

      Die Zeiten sind vorbei. Türkei will EU gar nicht mehr!

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  • john mitchell am 30.12.2011 05:16 Report Diesen Beitrag melden

    flotilla drohnenangriff

    Na da haben wirs...isreal tötet 9 leute (welche weit weniger unschuldig waren) auf einer flotilla und die ganze welt schimpft und vorallem die türkei....die türkei tötet jetzt aber fast 4-mal soviele und kein anderes land beklagt sich offiziel...aber alle sind aus dem haus wenn die türkei mal kritisiert wird von ein paar objektiven Lesern... interessant wie selektiv das wahrnehmen ist...

  • Roberto Sagrada am 30.12.2011 02:48 Report Diesen Beitrag melden

    Unglück

    Solche verwächslungen können passieren ! Aber nicht 35 Jahre lang ! Es ist nicht das erste mal das sowas passiert ist und wird auch nicht das letzte mal sein ! Diese Menschen kommen aus der ärmsten Region der Türkei was bleibt ihnen den sonst übrig als, als Schmuggler zu arbeiten ?! Gebt den Kurden einfach ihre Autonomie für die sie seit 100 Jahren kämpfen !

  • Dersim Dersim am 30.12.2011 02:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo waren die türken?

    Ohne die pkk wären die kurden heute nirgends! 1938 haben die türken in dersim 5000 kurden vergewaltigt und umgebracht! Die pkk antwortet nur mit mitteln, welche gegen kurden angewendet wird. Pkk ist keine terrororganisation, die türken sagen das nur weil sie die kurden niemals unterstützen würden. Ich hoffe die pkk und israel und die usa werden demnächst einen riesen punkt setzen. Wo war den die türkei als israel ihr schiff gekenntert hat?! Nur gegen die armen kurden können sie offensiv vorgehen, gegen israel sind sie still wie kleine babys.

    • Delikanli am 30.12.2011 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Die Wahrheit

      Ich formuliere etwas um. Ohne die Türken wären die Kurden heute niergends! Schauen Sie mal alle Kurden aus der Region Irak / Iran an. Denen geht es wesentlich schlechter als diejenigen in der Türkei. Anscheinend sind die Bedingungen in der Türkei doch humaner und attraktiver, so dass sich viele Kurden in diesem wirtschaftlich blühenden Land niederlassen.

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