Irak

11. Juni 2014 15:35; Akt: 11.06.2014 18:26 Print

Türkisches Konsulat gestürmt – 48 Geiseln

Dschihadisten haben im Norden des Iraks ein türkisches Konsulat gestürmt und Dutzende Geiseln genommen. Darunter sind ein Diplomat, dessen Mitarbeiter sowie drei Kinder.

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Irakische Geheimdienste warnen am davor, dass IS-Terroristen dank Tunnels bereits gefährlich nahe an Bagdad herangerückt seien. Die dichte Vegetation und die Kanäle bieten den Islamisten auf dem Vormarsch in Richtung Bagdad gute Deckung. Irakische Militärtransporter bringen am 13. Juni Freiwillige nach Bagdad. Diese sollen das Militär beim Kampf gegen die Terrorgruppe IS unterstützen. Schiitische Stammesanführer trafen sich in Sadr City, einem Stadtteil der Hauptstadt Bagdad, und verkündeten ihre Bereitschaft, gegen die Extremisten zu kämpfen. Ein irakischer Soldat steht an einem Checkpoint der Stadt Taji, die am Rande der Hauptstadt Bagdad liegt. Schiitische Männer reinigen ihre Waffen in Sadr City. Sie bereiten sich auf Angriffe der sunnitischen Extremisten vor. Eine Flagge des IS hängt in Mosul. Die irakische Armee rekrutiert Freiwillige, die mit ihnen gegen die Terrorgruppe IS kämpfen wollen. Kämpfer der IS-Truppe bei Samarra. Sie haben grosse Teile vom Norden und Westen des Iraks erobert. Die Diplomaten seien nur an einen sicheren Ort gebracht worden, lautete ein Tweet von einem IS-nahen Account. Die Kämpfer, hier auf einem Standbild eines Propagandavideos, drohen am 12. Juni Bagdad einzunehmen. Die Islamisten haben am 11. Juni 2014 in der Stadt Mosul das Konsulat der Türkei gestürmt und mindestens 48 Menschen als Geiseln genommen. Unter ihnen befindet sich der türkische Konsul Öztürk Yilmaz. Der IS hat ein Propaganda-Video hochgeladen, das Kämpfer an einem unbekannten Ort im Irak zeigt. Im Video ist auch ein Konvoi von IS-Kämpfern zu sehen. IS hatte in den vergangenen Tagen Mosul, Iraks zweitgrösste Stadt, und weite Teile der Provinz Ninive eingenommen. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Irakische Polizisten stehen auf dem Dach einer Militäranlage in Bagdad Wache, nachdem der Ausnahmezustand ausgerufen worden ist. Bereits am 10. Juni versuchten rund 500'000 Menschen aus Mosul zu fliehen. Die Extremisten haben die Stadt nach tagelangen Kämpfen eingenommen. Flüchtlinge, darunter viele Familien, versuchen in die kurdischen Provinzen Erbil und Dohuk zu flüchten. Die noch junge Regierung verliert immer mehr die Kontrolle.

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Dschihadisten im Irak haben nach türkischen Regierungsangaben in der Stadt Mossul das Konsulat der Türkei gestürmt und 48 Menschen als Geiseln genommen. Ein türkischer Regierungsvertreter nannte diese Zahl am Mittwochnachmittag.

Die irakische Polizei hatte zuvor von etwa zwei Dutzend Geiseln gesprochen. Nach übereinstimmenden Angaben befinden sich unter den Geiseln auch der türkische Konsul Öztürk Yilmaz sowie drei Kinder und Soldaten einer türkischen Spezialeinheit, berichtet die «Hürryetdailynews». Die Geiseln seien zum Sitz der ISIS in Mossul gebracht worden.

Offenbar gelang es den türkischen Behörden bereits, die militante Gruppe zu kontaktieren. Alle Geiseln seien unverletzt, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters eine türkische Regierungsquelle. Die selbsternannten Gotteskrieger patrouillierten nach dem Überfall durch die Strassen und forderten Behördenmitarbeiter über Lautsprecher auf, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren.

Der türkische Konsul Öztürk Yilmaz hatte erst im September 2013 einen Bombenangriff auf seinen Konvoi überlebt und einen weiteren letzten Monat. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan veranlasste gemäss türkischen Medien eine Sondersitzung zu Situation.

Die islamistische sunnitischen Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) hatte in den vergangenen Tagen Mossul, Iraks zweitgrösste Stadt, und weite Teile der Provinz Ninive eingenommen. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Tikrit eingenommen, Kämpfe in Samarra

Am Mittwoch fiel ausserdem Tikrit in die Hände der ISIS. Zwei Beamte in Bagdad sagten der Nachrichtenagentur AP, der in Tikrit ansässige Gouverneur werde vermisst. Tikrit war die Heimatstadt des früheren Machthabers Saddam Hussein. Einem Polizeimajor zufolge befreiten die Kämpfer in der zentralirakischen Stadt rund 300 Gefängnisinsassen.

Erst am Dienstag entführten ISIS-Mitglieder 28 türkische Lastwagenfahrer, als sie einem Kraftwerk in Mossul Diesel liefern wollten.

Weiter berichteten die Polizei und Augenzeugen von Kämpfen zwischen irakischen Aufständischen und Sicherheitskräften am nördlichen Eingang der Stadt Samarra, 100 Kilometer nördlich von Bagdad.

Selbstmordanschlag – 16 Tote

Dort sind am Mittwoch bei einem Selbstmordattentat mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen.

Der Attentäter habe sich in einer Menschenansammlung im schiitischen Armenviertel Sadr-Stadt (Madinat al-Sadr) in die Luft gesprengt und 16 Menschen getötet, berichteten Polizei und Ärzte. Im Irak hat die Gewalt in den vergangenen Tagen erheblich zugenommen.

Die ISIS kontrolliert auch Teile des Staatsgebietes im benachbarten Syrien, insbesondere die östliche Provinz Deir al-Sur. Die Dschihadisten erklärten am Mittwoch, nach der vollständigen Übernahme der Provinz Ninive um Mossul würden sie ihren «ruhmreichen Vormarsch» fortsetzen. Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki beantragte den Notstand, worüber das Parlament am Donnerstag entscheiden will.

Die ISIS kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat – dazu würden das heutige Syrien, der Libanon, Teile Jordaniens und Israels sowie der Irak gehören.

(kko/sda)