Sony-Hack

21. Dezember 2014 22:52; Akt: 21.12.2014 22:52 Print

Tun Kim Jong Un alle unrecht?

Nach dem Hacker-Angriff auf Sony war schnell Nordkorea im Verdacht – möglicherweise etwas zu schnell. Jetzt ist die Rede auch von Russland, China und dem Iran.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In einem beispiellosen Erpressungsversuch saugten Hacker Hunderte Gigabyte interner Dokumente, vertrauliche E-Mails und Digitalkopien mehrerer noch unveröffentlichter Filme von den Sony-Servern. Der Schaden für den Konzern ist immens.

Doch wer ist für die Datenlecks und Drohungen verantwortlich, die den Filmkonzern soweit in die Knie gezwungen haben, dass Sony Entertainment sogar seinen als weihnachtlichen Kassenschlager gedachten Film «The Interview» vorerst nicht in die Kinos bringt?

Die üblichen Verdächtigen

Erst hiess es, dass Nordkorea hinter dem Hackerangriff stecke. Immerhin hatten die Hacker gefordert, dass Sony «The Interview» nicht zeigen dürfe. Darin kommt der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un nicht nur nicht gut weg, er stirbt auch noch einen überzeichneten Hollywood-Tod. Ausserdem soll eine Spur der Hacker in die Nähe Nordkoreas geführt haben. Und es gab technische Ähnlichkeiten mit früheren Attacken auf südkoreanische Banken und Medien.

Doch mittlerweile hat sich der Kreis der Verdächtigen ausgeweitet: Russland, China und der in den USA ohnehin immer suspekte Iran könnten ebenfalls mitgemischt haben, berichtet «Fox News» unter Berufung auf amerikanische Geheimdienstkreise.

Ausgeklügelte Schadprogramme

Denn Nordkorea habe in der Vergangenheit nie mit derart «ausgeklügelten Schadprogrammen» aufwarten können – offenbar im Gegensatz zu China, Russland oder dem Iran. Auch immer mehr IT-Experten bezweifeln, dass Nordkorea hinter dem Angriff steckt.

Von technisch hochstehenden Angriffscodes sprechen diese allerdings nicht, im Gegenteil: «Der Angriffscode ist auf Rechnern geschrieben worden, bei denen die Sprache auf Koreanisch eingestellt war», so die «Süddeutsche Zeitung». Das Umstellen dieser Spracheinstellungen ist technisch gesehen indes trivial und gehört zum Rüstwerk eines jeden Hackers, der eine falsche Fährte legen will.

Die Rache eines Einzelnen?

Dazu kommt, dass der verwendete Schadcode alles andere als neu ist und entsprechend von ganz vielen Seiten genutzt werden kann. Mehr noch: Das eingesetzte Schadprogramm war gemäss «Süddeutscher Zeitung» schlampig programmiert und voller Fehler.

Das Erheben des virtuellen Anklagefingers gegen mögliche Staats-Hacker von Russland, China oder Iran könnte sich damit als ebenso falsch erweisen wie die Anklagen gegen Nordkorea. IT-Experten vermuten mittlerweile, dass der Angriff auf Sony Entertainment nur mithilfe von jemandem im Innern des Konzerns selbst möglich war. Nach wie vor ist nämlich unklar, wie das Schadprogramm überhaupt auf die Sony-Rechner gelangen konnte.

Eine von Rachegelüsten getriebene Privatperson statt Staatshackern? Unplausibel scheint das nicht. Immerhin hat der Gesamtkonzern Sony, der seit Jahren rote Zahlen schreibt, unlängst bekannt gegeben, Einsparungen durch Entlassungen und die Ausgliederungen von PC- und TV-Segmenten vorzunehmen.

(gux)