Stopp von politischer Werbung

31. Oktober 2019 02:12; Akt: 31.10.2019 06:45 Print

Twitter stellt sich gegen Rivalen Facebook

Ein Jahr vor der US-Präsidentenwahl passt Twitter seine Regeln an und verbietet Werbung mit politischem Inhalt.

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Twitter wird weltweit keine politischen Inhalte mehr als Werbung verbreiten – und stellt sich damit klar gegen den grossen Rivalen Facebook. «Wir glauben, dass Reichweite für politische Botschaften verdient werden muss, statt erkauft zu werden», schrieb Twitter-Chef Jack Dorsey am Mittwoch.

Werbung bei Twitter sind zum Beispiel Tweets, die gegen Bezahlung im Nachrichtenstrom von Nutzern platziert werden können – auch wenn sie diesem Account nicht folgen. Der Stopp für politische Werbung soll ab 22. November greifen, die ausführlichen Regeln dazu sollen eine Woche davor vorgestellt werden.

Die Debatte über politische Werbung kommt in den USA ein Jahr vor der Präsidentenwahl 2020 immer mehr in Gang. In den vergangenen Wochen geriet vor allem Facebook immer mehr in die Kritik wegen der Entscheidung, Anzeigen mit politischen Inhalten grundsätzlich nicht von den Faktencheck-Partnern des Online-Netzwerks prüfen zu lassen. Ausserdem beschloss Facebook, nichts zu unternehmen, wenn Politiker falsche oder irreführende Informationen verbreiten.

Facebook setzt weiter auf Politwerbung

Im Gegensatz zu Twitter will Facebook-Chef Mark Zuckerberg auch weiterhin politische Botschaften als Werbung verbreiten lassen. Das bekräftigte er am Mittwoch unmittelbar nach der Twitter-Ankündigung in einer Telefonkonferenz zu den jüngsten Quartalszahlen. Von einem Verbot politischer Werbung wären zum Beispiel auch Anzeigen zu Themen wie Klimaschutz oder Feminismus betroffen, gab er zu bedenken.

Zugleich sagte Zuckerberg, Anzeigen von Politikern dürften im kommenden Jahr nur 0,5 Prozent der Facebook-Erlöse ausmachen. Auch wenn diese Zahl klein klingt: Selbst bei einer sehr vorsichtigen Schätzung des künftigen Facebook-Geschäfts wären das deutlich mehr als 300 Millionen Dollar.

Dorsey kritisierte indirekt die Facebook-Position. Twitter würde sich unglaubwürdig machen, wenn die Firma einerseits sagen würde, man unternehme alles, um die Verbreitung irreführender Informationen einzudämmen – sie aber zugleich gegen Bezahlung verbreiten liesse. Auch das unter anderem von Facebook vorgebrachte Argument, es gehe bei politischer Werbung um die Redefreiheit, liess Dorsey nicht gelten. «Hier geht es nicht um freie Meinungsäusserung. Hier geht es darum, für Reichweite zu bezahlen», schrieb er. Und das könne erhebliche Auswirkungen haben, «auf die die heutige demokratische Infrastruktur möglicherweise nicht vorbereitet ist».

Irreführende Infos aus Trump-Lager

Bei der Präsidentenwahl 2016 waren aus Russland bei Facebook und Twitter in grossem Stil als Werbung Beiträge verbreitet worden, die die Spannungen in der US-Gesellschaft verstärken sollten und zum Teil auch direkt den heutigen Präsidenten Donald Trump unterstützten.

Die jüngste Debatte wurde unter anderem von einer Werbeanzeige des Trump-Lagers mit irreführenden Informationen über den demokratischen Präsidentschaftsanwärter Joe Biden befeuert. Der Sender CNN weigerte sich, sie zu senden – Facebook hingegen nicht. Zuckerberg betonte, Online-Netzwerke sollten nicht darüber entscheiden, was falsch oder faktisch korrekt sei.

Das Wahlkampfteam von Trump kritisierte den Vorstoss von Twitter als einen weiteren Versuch, konservative Stimmen zu unterdrücken. Der US-Präsident kommuniziert viel über Twitter. Die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, ein aufsteigender Polit-Star der Demokraten, lobte hingegen die «ethische Entscheidung».

Vorteil für Amtsinhaber

Dorsey räumte ein, dass Kritiker Twitter vorwerfen könnten, der Werbe-Stopp bevorteile Amtsinhaber. «Aber wir sind Zeugen geworden, wie viele politische Bewegungen ein massives Ausmass ohne jegliche politische Werbung erreichten.» Twitter habe auch erwogen, nur Anzeigen von Wahlkandidaten zu stoppen, schrieb Dorsey. Ein solches Verbot wäre aber unfair und leicht zu umgehen gewesen, deswegen habe man sich für einen radikalen Schnitt entschieden, erklärte er.

Bei Politiker-Äusserungen, die nicht als Anzeigen verbreitet werden, setzt Twitter unterdessen seine Regeln gegen Beleidigungen oder Hassrede aus, wenn die Tweets Nachrichtenwert haben. Dafür war auch der Kurznachrichtendienst in die Kritik geraten, insbesondere wegen umstrittener Tweets von Trump.

Facebook ist mit rund 2,45 Nutzern viel grösser als Twitter. Der Kurznachrichten-Dienst kam nach letzten vergleichbaren Zahlen auf rund 330 Millionen aktive Nutzer. Inzwischen gibt Twitter nur noch bekannt, wie viele Nutzer der die Firma mit ihrer Werbung erreichen kann – zuletzt waren das 145 Millionen.

(chk/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ganjaflash am 31.10.2019 04:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Not bad

    Finde ich gut. Obwohl ich Twitter eher selten nutze.

  • Walter am 31.10.2019 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Das Volk dumm halten

    Früher wurde dem Volk Informationen vorenthalten, um es dumm zu halten. Heute überschüttet es man mit einer Flut von Informationen und es ist nicht mehr in der Lage zu unterscheiden, was richtig oder falsch ist. So wird dafür gesorgt dass das Volk dumm bleibt, sich aber gescheit fühlt .... Und alle sind zufrieden ....

  • K.Sc. am 31.10.2019 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Anti Social-Media

    Man sollte Social Media Allgemein verbieten. Ich finde wer zensiert dirigiert. Und das darf in einer Demokratie nicht sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter am 31.10.2019 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Das Volk dumm halten

    Früher wurde dem Volk Informationen vorenthalten, um es dumm zu halten. Heute überschüttet es man mit einer Flut von Informationen und es ist nicht mehr in der Lage zu unterscheiden, was richtig oder falsch ist. So wird dafür gesorgt dass das Volk dumm bleibt, sich aber gescheit fühlt .... Und alle sind zufrieden ....

  • Rodney McKay am 31.10.2019 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Soziale Medien und deren Konsumenten

    Sorry aber wer nur (um nicht überhaupt zu sagen) via Social Media Infos bezieht und dem noch Glauben schenkt, der muss sich nicht verwundern wenn er angelügt wird. Sowieso ist das eher dem Voyeurismus nachfröhnen, als harte Fakts (siehe Marc Aurel) zu konsumieren. Denn meisten von diesen Smartphone-Zombie-Cyborgs täte ein gutes Buch gut (1984 oder "The Art of War" damit ihr die Bibel eurer Mänätschers aka wannabe-Chefs kennt...das wäre schon mehr wert als jeder Social-Media Eintrag ever)...

    • Tuxedo Camel am 31.10.2019 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rodney McKay

      Ich würde da noch Machiavellis Prinz zur Liste empfehlen. Vielleicht entdeckt der eine oder andere Parallelen.

    einklappen einklappen
  • K.Sc. am 31.10.2019 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Anti Social-Media

    Man sollte Social Media Allgemein verbieten. Ich finde wer zensiert dirigiert. Und das darf in einer Demokratie nicht sein.

  • Ganjaflash am 31.10.2019 04:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Not bad

    Finde ich gut. Obwohl ich Twitter eher selten nutze.

  • Kurt am 31.10.2019 03:22 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll's

    Mittlerweile gibt es genug alternative Möglichkeiten sich zu informieren. Solche Meldungen werden den Strukturwandel bei den Medien nur beschleunigen.