Vor laufender Kamera

31. Juli 2014 12:18; Akt: 31.07.2014 12:18 Print

UNO-Sprecher in Gaza bricht in Tränen aus

Bei einem Angriff auf eine UNO-Schule in Gaza werden mindestens 16 Menschen getötet. Der zuständige UNO-Sprecher bricht in einem TV-Interview zusammen.

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«Die Rechte der Palästinenser, sogar ihrer Kinder, werden ihnen völlig verwehrt, und es ist entsetzlich ...», sagt der Mann im Video (siehe unten) – dann bleiben ihm die Worte im Hals stecken. Er schluchzt nur noch. Eine weitere Person tritt zu ihm und tröstet ihn. Der weinende Mann ist Christopher Gunness, Sprecher des UNO-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA). Am Mittwochmorgen gab er dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera ein Interview zum Beschuss einer UNO-Schule im Flüchtlingslager Dschabalia, der mindestens 16 Tote gefordert hatte.

UNO-Vertreter hätten die israelischen Streitkräfte 17 Mal darüber informiert, wo genau sich die UNO-Schule befand, sagte Gunness zu Al Jazeera. Und trotzdem: «Das ist das sechste Mal, dass eine unserer Schulen bei Kämpfen in Gaza getroffen wurde», schreibt er auf Twitter.

«UNRWA steht vor dem Zusammenbruch»

«Die UNWRA ist in Gaza total überfordert, wir stehen vor dem Zusammenbruch, unsere Mitarbeiter werden getötet, unsere Schutzräume quellen über», steht in einem anderen Tweet von Gunness. Fünf UNO-Mitarbeiter seien bislang getötet worden. Unter ihnen waren drei für die UNRWA tätige Lehrer in Gaza, so «Spiegel Online». Mehr als 200'000 Palästinenser seien auf der verzweifelten Suche nach Schutz in UNO-Schulen untergekommen, sagt Gunness und twitterte: «Die Notunterkünfte quellen über.»

Auch die UNO und die USA kritisierten den Beschuss der UNO-Schule im Gazastreifen scharf. Israel sei der Standort der Einrichtung mehrfach mitgeteilt worden, letztmals wenige Stunden vor dem Treffer, sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon während eines Besuchs in Costa Rica.

Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte zu dem Vorfall, militante Palästinenser hätten in der Nähe der Schule Mörsergranaten auf israelische Soldaten abgefeuert. Die Truppen hätten das Feuer erwidert. Es ist die zweite Schule, die binnen einer Woche getroffen wurde. Die Vereinten Nationen hatten zuvor eingestanden, dass in mindestens zwei UNO-Schulgebäuden Waffen entdeckt worden waren.

Israels UNO-Botschafter will Gunness absetzen

Bereits vor dem öffentlichen Zusammenbruch des UNRWA-Sprechers Gunness hatte der israelische UNO-Botschafter Ron Prosor am Dienstag dazu aufgerufen, den Mann per sofort zu suspendieren, so die jüdische Zeitung in Amerika «The Algemeiner».

Prosor beruft sich auf einen Tweet, in dem Gunness Journalisten dazu ermuntert habe, den Professor Mads Gilbert zu interviewen. Gunness würde damit eine Person anpreisen, die die moralischen Überzeugungen der Hamas teile, sagt Prosor. Das beweise, dass er Befürworter von Terroristenangriffen auf Zivilisten sei.

Israelische Panzergranaten töteten nach Angaben der palästinensischen Rettungsdienste Stunden später mindestens 20 weitere Menschen auf einem Marktplatz im Stadtteil Sadschaija. Am Donnerstag feuerten militante Palästinenser wiederum Raketen auf israelische Städte ab. Nach Angaben der Armee wurden seit Beginn der Offensive rund 2700 Raketen auf Israel abgeschossen.

(cfr)