Syrien-Krise

06. Dezember 2011 18:48; Akt: 06.12.2011 19:52 Print

US-Botschafter kehrt nach Damaskus zurück

Die USA schicken ihren Botschafter wieder nach Syrien. Er war im Oktober aus Sicherheitsgründen abgezogen worden. Jetzt soll er die politischen Ziele der USA weiter vorantreiben.

storybild

Botschafter Robert Ford soll noch am Dienstag (06.12.2011) nach Damaskus fliegen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die diplomatische und militärische Lage hat sich am Dienstag in Syrien am Dienstag weiter zugespitzt. Eine britische Menschenrechtsorganisation berichtete von bis zu 50 Toten allein in der Rebellenhochburg Homs. Unterdessen schickte die US-Regierung ihren Botschafter wieder nach Damaskus. Aussenministerin Hillary Clinton bot syrischen Oppositionellen Gespräche über den Aufbau eines neuen, demokratischen Syrien an.

Die Menschenrechtsorganisation Syrian Observatory for Human Rights zitierte Augenzeugen mit den Worten, in Homs hätten 34 Tote in den Strassen gelegen. Darüber hinaus habe es noch weitere Entführungen und Tötungen gegeben. «Es gab eine unglaubliche Eskalation», sagte Mohammed Saleh, ein Aktivist in Homs, am Telefon. «Die Menschen trauen sich nicht mehr auf die Strasse.»

Die Berichte der Menschenrechtsorganisationen konnten nicht überprüft werden, weil die syrische Regierung unter Präsident Baschar Assad sich bisher beharrlich weigert, unabhängige Beobachter ins Land zu lassen. Am Montag hatte Syrien zwar gegenüber der Arabischen Liga signalisiert, Beobachter zuzulassen, hatte dies aber an die sofortige Aufhebung der Sanktionen gegen das Land geknüpft. Die Arabische Liga lehnte dies ab.

US-Botschafter kehrt zurück nach Damaskus

Die USA kündigten nach Angaben aus Regierungskreisen an, ihren im Oktober aus Sicherheitsgründen zurückbeorderten Botschafter wieder nach Syrien zu schicken. Botschafter Robert Ford werde noch am (heutigen) Dienstag zurückkehren, sagte ein Gewährsmann in Washington. Die Regierung hatte argumentiert, dass seine Anwesenheit in Syrien wichtig sei, um die politischen Ziele der USA weiter voran zu treiben und als Zeuge der dortigen Gewalt zu fungieren. Syrien hatte damals mit der Abberufung seines Botschafters reagiert.

US-Aussenministerin Clinton lud am Dienstag syrische Oppositionelle zu einem Treffen ein, um gemeinsam auszuloten, wie eine demokratische Zukunft Syriens aussehen könnte. Clinton hält sich zurzeit in Europa auf. Das Gesprächsangebot wird in diplomatischen Kreisen zwar noch nicht als offizielle Anerkennung der Opposition als Exilregierung gewertet. Allerdings sei es ein Anzeichen dafür, dass die USA einen solchen Schritt erwögen. Assad aus dem Amt zu entfernen, reiche nicht aus, sagte die Ministerin. Man müsse «Syrien auf den Weg zur Rechtsstaatlichkeit» bringen.

Syrien wehrt offenbar Eindringlinge ab

Syrien hielt nach eigener Aussage am Dienstag 35 «bewaffnete Terroristen» vom Eindringen ins Land von türkischer Seite aus ab. Zuvor habe es einen Zusammenstoss an der Grenze gegeben. Dabei seien mehrere Bewaffnete verletzt worden, anschliessend sei die Gruppe zurück auf türkischen Boden geflüchtet, berichtete der staatliche Nachrichtendienst am Dienstag. Die blutige Niederschlagung des Protests in Syrien hat die einst enge Beziehung zum Nachbarn Türkei zerstört.

Seit Beginn der Aufstände vor fast neun Monaten sind Schätzungen der UN zufolge mehr als 4 000 Menschen in Syrien ums Leben gekommen. Mittlerweile ist das Land auch politisch weitgehend isoliert. Russland kündigte unterdessen an, seinen einzigen Flugzeugträger ins Mittelmeer zu verlegen. Der Schritt sei aber lange geplant gewesen und habe keinen Zusammenhang mit der aktuellen Lage in Syrien.

(ap)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.