US-Demokraten

26. Juli 2018 16:49; Akt: 26.07.2018 16:49 Print

Trumps neue Gegner sind jung, links und voller Wut

von Martin Suter, New York - Junge Linke sollen die Partei im Wahlherbst und 2020 zu Siegen führen. Womöglich machen sie die Rechnung ohne Donald Trump.

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Die demokratischen Sozialisten Bernie Sanders (Mitte) und Alexandria Ocasio-Cortez (rechts) traten am 20. Juli 2018 in Wichita, Kansas, auf, um für den demokratischen Kandidaten James Thompson (links) Wahlkampf zu machen. Die Zuschauer waren begeistert von dem im Wahlkampf unterlegenen Senator Sanders und vor allem von Jungstar Ocasio-Cortez. Die zwei demokratischen Sozialisten geben der demokratischen Partei neue Energie, glaubt der MSNBC-Moderator Joe Scarborough. Alexandria Ocasio-Cortez gewann im Juni völlig überraschend eine Vorwahl in den New Yorker Stadtteilen Bronx und Queens. Bild: Am 12. Juli 2018 in New York neben Zephyr Teachout, einer Kandidatin für die Staatsanwaltschaft. Ocasio-Cortez ist erst 28 Jahre alt und arbeitete bis vor kurzem in einer Bar. Ocasio-Cortez verwies Joseph Crowley auf die Plätze. Der 56-Jährige sitzt schon seit 20 Jahren im US-Repräsentantenhaus. (26. Juni 2018) Crowley hatte gute Chancen, die Nachfolge der Ex-Speakerin Nancy Pelosi anzutreten. Bild: Crowley singt hinter Pelosi und (von links) den Abgeordneten James Clyburn, John Lewis und Charles Rangel am 23. Juni 2016 vor dem Kapitol das Lied: «We Shall Overcome». Ein wichtiges Wahlkampfthema ist die Behandlung illegaler Einwanderer und ihrer Kinder. Kritisiert wird insbesondere die Trennung von Kindern und ihren Familien an der Grenze. Bild: Demo gegen die Behörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) am 7. Juli 2018 in Louisville, Kentucky. Viele Demokraten folgen der linken Parteilinie und verlangen die Abschaffung der Grenzpolizei ICE (Immigration and Customs Enforcement). Bild: Demonstrant ausserhalb des Bundesgebäudes von Los Angeles, Kalifornien, am 9. Juli 2018. Demokratische Senatsmitglieder wie Kirsten Gillibrand (New York) hören auf die progressiven Stimmen der Parteibasis. Bild: Eine Beraterin flüstert Gillibrand am 12. Dezember 2017 im Kapitol etwas zu. Gillibrand hat die radikale Forderung der Linken übernommen, wonach die ICE-Behörde abgeschafft werden soll. Dies verlangte sie am 28. Juni 2018 vor dem Obersten Gericht. Die gleiche Position vertritt Senatorin Elizabeth Warren (Massachusetts). Bild: am 8. Juli 2018 in Natick, Massachusetts. Auch die kalifornische Senatorin Kamala Harris will ICE abschaffen. Alle drei Senatorinnen planen angeblich, im Jahr 2020 gegen Donald Trump anzutreten. (23. Mai 2018) Wenn sie eine sozialistische Linie vertreten, werden es die demokratischen Kandidaten aber nicht leicht haben, gegen den Populisten Donald Trump zu gewinnen. Bild: Trump vor Veteranen am 24. Juli 2018 in Kansas City, Missouri.

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Fernsehmoderator Joe Scarborough zumindest ist begeistert. Der MSNBC-Morgenmann, der einst ein Republikaner war, glaubt fest an die Siegeschancen der Demokraten in den kommenden Wahlrunden gegen Donald Trump und seine Partei.

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Sein Vertrauen schöpft Scarborough aus der progressiven Energie der Parteilinken, die sich in den letzten Wochen und Monaten in vielen Gliedstaaten verbreitet hat. Ihre Gallionsfigur ist Alexandria Ocasio-Cortez, eine erst 28-jährige Latina aus dem New Yorker Stadtteil Bronx. Die frühere Barkeeperin gewann im Juni völlig überraschend die Vorwahl gegen Joseph Crowley, einen 56-jährigen weissen Politiker, der den Wahlkreis seit 20 Jahren unangefochten im US-Repräsentantenhaus vertrat.

Woke Nation statt Tea Party

Gegen die quirlige, gut aussehende Ocasio-Cortez hatte Crowley keine Chance. Die Aufbruchsstimmung der Linken könne der Partei landesweit helfen, glaubt Scarborough. In einem Tweet nannte er die Bewegung am Dienstag Woke Nation und verglich sie mit der Tea Party, die den Republikanern unter Barack Obama zu Siegen verhalf. Nur werde die Woke Nation pragmatischer sein als die Tea Party, twitterte er:

Ihren ersten Auftritt als nationale Wahlkämpferin hatte Ocasio-Cortez letzte Woche in Kansas. Der Politstar trat in Wichita, der Hochburg der konservativen Koch-Brüder, zusammen mit Bernie Sanders auf. Sie will jetzt beweisen, «dass eine ehrliche, von unten kommende und lobbyistenfreie Bewegung für die Arbeiterklasse überall Erfolg haben kann.»

Sozialistische Forderungen

Ocasio-Cortez und der gegen Hillary Clinton unterlegene Kandidat im Präsidentschaftsrennen von 2016 haben eines gemeinsam: Sie sind Mitglieder der Links-aussen-Organisation Demokratische Sozialisten. In Kansas verlangten sie eine kostenlose Gesundheitskasse, die sie «Medicare for all» nennen, einen Mindestlohn von 15 Dollar, Gratis-College, keine privaten Gefängnisse und die Abschaffung der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement).

Mit ihren Anliegen haben die Parteilinken bereits etablierte Politiker überzeugt. Die hoch umstrittene Abschaffung von ICE zum Beispiel wird von fast allen derzeit gehandelten Anwärtern für das Präsidentschaftsrennen für 2020 unterstützt, so von den Senatorinnen Elizabeth Warren (Massachusetts) und Kirsten Gillibrand (New York).

«Überdimensionaler Einfluss»

Getrieben wird die linke Welle aber nicht so sehr von Programmpunkten als von Wut. Die verhasste Präsidentschaft von Donald Trump ruft der progressiven Parteibasis jeden Tag in Erinnerung, dass ihr das demokratische Establishment 2016 eine hoffnungslos schwache Kandidatin aufgezwungen hatte. Jetzt begehren sie auf.

Ausdrücklich linksorientierte Kandidaten haben in Primärrunden für die Kongresswahlen vom November bislang zwar begrenzt Erfolge erzielt. Einzig Ocasio-Cortez gelang es, einen etablierten Gemässigten zu bezwingen. Dennoch hat «progressive Energie» einen «überdimensionalen Einfluss auf die nationale politische Diskussion», urteilt die «New York Times».

Gefahr der Dämonisierung

Die Welle macht vielen Angst. «Bitte, Demokraten, verliert nicht den Kopf und eilt zur sozialistischen linken Seite», warnt auf Twitter Ex-FBI-Direktor James Comey, der nichts mehr wünscht, als eine Niederlage von Trumps Republikanern:

Trump und die Republikaner lassen nämlich nichts unversucht, um ihre Gegner als extremistische Sozialisten zu brandmarken. Ocasio-Cortez tun sie als Ignorantin ab, weil sie bei einer Frage über Palästina einmal ins Stottern geriet. Die Forderung nach Abschaffung von ICE, sagt die Rechte, käme völlig offenen Grenzen gleich.

Machtprobe kommt 2020

Beobachter politischer Trends glauben nach wie vor, dass die Demokraten im kommenden November im Repräsentantenhaus die Mehrheit übernehmen werden. Weil Kandidaturen meist an lokale Verhältnisse angepasst sind, könnte sich diese Prognose trotz des nationalen Linksrutsches bewahrheiten.

Die entscheidende Machtprobe kommt jedoch 2020. Wollen die Demokraten den Rechtspopulisten Trump an der Wiederwahl hindern, müssen sie bis dann eine linkspopulistische Alternative aufbauen. Alexandria Ocasio-Cortez ist dafür zu jung, aber sie zeigt an, welche Konturen gefragt sind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 26.07.2018 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langweilig

    Langweilt nur mich das tägliche Trump-Bashing?

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  • Spezialex am 26.07.2018 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Viel Geschrei bringt der Nation auch nichts. Das ist ja wie bei der Arbeit, die die meinen sie wüsten alles besser, haben am wenigsten auf dem Kasten.

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  • John am 26.07.2018 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Snowflakes

    Uuhh, wenn die schrillen Snowflakes aus ihren Safe Spaces in den USA das Ruder übernehmen dann wünscht man sich mal noch Trump zurück.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tacheles am 26.07.2018 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    `merica

    jung, links und voller Wut? - erinnert mich eher an eine 1.Mai Parole bevor sie Autos anzünden, als an vernünftige Politik. Irgendwie einfach von einem Extrem ins andere.

  • Badener am 26.07.2018 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Was den nun?

    Wie kann es sein,das die Schweizer Bürger von heute auf Morgen,Trump verteufeln und am nächsten Tag in den Himmel loben.Habe eben nochmal die Kommentare zugestiegen Artikel "Trump schafft die Zölle ab" gelesen. Viele User sind die gleichen mit völlig unterschiedlichen Bewertungen von Trump.

  • Tina am 26.07.2018 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm

    Wenn Sozis an die macht kommen,geht es mit dem Land zu ende.Gibt viele Beispiele. Die Schweiz ist auch auf gutem Weg dahin.

  • Tinu am 26.07.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ui

    Voller Wut? Glaubi die Gegenseite hat mehr Potencial als die linken.Die können sich auch in der Schweiz bald warm anziehen. Auf das freu ich mich,mag keine Terroristen.

  • Ephraim Lercher am 26.07.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    maga

    Diese Wutbürger sind das Beste, was Trump passieren kann.