Occupy Oakland

27. Oktober 2011 14:26; Akt: 27.10.2011 14:45 Print

US-Kriegsveteran bei Protesten schwer verletzt

Ein Heimkehrer aus dem Irak-Krieg ist bei Ausschreitungen in Oakland schwer verletzt worden. Aus der Bevölkerung wird - nicht zum ersten Mal - Kritik am Vorgehen der Polizei laut.

Scott Olsen musste am Dienstagmorgen nach den Ausschreitungen in Oakland schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. (Video: Youtube/ruiz3000)
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Die schlimmsten Jahre im Irak-Krieg überlebte Scott Olsen unbeschadet. Doch am Dienstag wurde der 24-jährige Veteran bei Occupy-Protesten im kalifornischen Oakland durch ein Geschoss schwer am Kopf verletzt. Laut einem Krankenhaussprecher hat er einen Schädelbruch erlitten und befindet sich in «kritischem, aber stabilem Zustand». Ihm wurden Beruhigungsmittel verabreicht und er ist momentan ohne Bewusstsein.

Der Fotograf Jay Finneburgh hat den Vorfall aus nächster Nähe miterlebt. «Der arme Kerl war genau hinter mir, als er von einem Polizeigeschoss am Kopf getroffen wurde. Er fiel zu Boden und stand nicht mehr auf», sagte er dem britischen «Guardian». Auf einem Video ist zu sehen, wie einige Demonstranten dem verletzten Olsen zu Hilfe eilen, worauf die Polizei offenbar eine Blendgranate mitten in die Gruppe abfeuerte (siehe Video unten).

Behörden wollen Polizeieinsatz untersuchen

Der ehemalige Marine-Infanterist, der sich seit seiner Rückkehr aus dem Irak der Anti-Kriegsbewegung angeschlossen hat, wollte zusammen mit anderen Demonstranten zwei Camps in der Innenstadt von Oakland wiederbesetzten, die zuvor von der Polizei geräumt worden waren. Die demokratische Bürgermeisterin von Oakland, Jean Quan, sagte am Dienstag, die Stadt unterstütze die Anliegen der Demonstranten. Doch die Polizei war zum Einschreiten gezwungen, als sie mit «Steinen, Farbbeuteln und Flaschen beworfen» wurde.

Sie bat die Öffentlichkeit, den Behörden private Aufnahmen des Vorfalls zur Verfügung zu stellen, und beauftragte die Staatsanwaltschaft zu prüfen, ob die Polizei unverhältnismässige Gewalt angewendet hat. Die Polizei von Oakland bestätigte an einer Pressekonferenz den Einsatz von Tränengas - nicht aber Blendgranaten.

Scott Olsen diente 2006 und 2007 auf dem Höhepunkt der ethnischen und religiösen Spannungen im Irak. Sein ehemaliger Kamerad Keith Shannon zeigte sich gegenüber dem «Guardian» schockiert über das Vorgehen der Ordnungskräfte: «Es ist schrecklich, unverletzt aus dem Irakkrieg heimzukommen und dann von der Polizei verletzt zu werden, die uns eigentlich beschützen sollte.» Er ist überzeugt, dass Olsen von einer Tränengaspatrone getroffen wurde, da dessen Stirn eine runde Narbe aufweist.

Rassenspannungen in Oakland

Oakland hat eine lange Historie der Polizeigewalt. Besonders die schwarze Minderheit beklagt sich regelmässig über rassistisch-motivierte Übergriffe. 1968 wurde der 17-jährige Black-Panther-Aktivist Bobby Hutton erschossen, obwohl er unbewaffnet war und sich ergeben hatte. 2009 erschoss ein Polizist den 22-jährigen Schwarzen Oscar Grant in einer U-Bahn-Station, obwohl er in Handschellen auf dem Boden lag. Der Vorfall führte zu schweren Unruhen in der Stadt. Der Todesschütze wurde später zu zwei Jahren Gefängnis wegen Totschlags verurteilt.

Demonstranten eilen Scott Olsen zur Hilfe:


(Video: Youtube/kresling)

(kri)