Politische Dimension

10. Juli 2019 05:42; Akt: 10.07.2019 05:53 Print

US-Minister soll wegen Epstein-Affäre abtreten

Der Arbeitsminister der Trump-Regierung, Alexander Acosta, soll mit dem wegen Missbrauchsvorwürfen in Haft sitzenden Jeffrey Epstein einen Deal gemacht haben.

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Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Laut der am 8. Juli 2019 veröffentlichten Anklageschrift wirft ihm die New Yorker Staatsanwaltschaft Sexhandel und Verschwörung zum Sexhandel vor. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer, die nun brisante Details bekannt geben. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Es ist nicht das erste Verfahren gegen Epstein. Eine Staatsanwaltschaft in Florida war 2008 einen umstrittenen Deal eingegangen. Epstein bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und sass eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. (27. Juli 2006) Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Mehrere Frauen hatten ihm Missbrauch vorgeworfen. (Archivbild) Bei einer Verurteilung drohen dem 66-jährigen Epstein, der früher unter anderem den heutigen US-Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew zu seinen Freunden zählte, bis zu 45 Jahre Haft. Vor dem Gerichtsgebäude in New York protestierten am 8. Juli 2019 zahlreiche Frauen gegen Jeffrey Epstein.

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Nach den schweren Missbrauchsvorwürfen gegen den gut vernetzten US-Unternehmer Jeffrey Epstein werden nun Konsequenzen auf politischer Ebene gefordert. Einflussreiche Politiker der Demokraten verlangten den Rücktritt von Arbeitsminister Alexander Acosta.

Epstein hätte schon vor Jahren im Gefängnis sitzen können, wenn Acosta als damaliger Staatsanwalt in Florida nicht einen Deal mit ihm vereinbart hätte, erklärte der demokratische Fraktionschef im Senat, Chuck Schumer, am Dienstag. Zuvor hatte auch die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, den Rücktritt Acostas gefordert.

Im Skandal um den schwerreichen Geschäftsmann Epstein wirft ihm die Staatsanwaltschaft in New York vor, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der heute 66-Jährige habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, heisst es in der Anklageschrift. Einige der Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit grossen Summen Bargeld angelockt und dazu verleitet worden, weitere Mädchen heranzuschaffen. Die Ermittler berichteten, sie hätten bei Durchsuchungen in Epsteins Anwesen in Manhattan hunderte Nacktbilder gefunden.

Deal mit der Staatsanwaltschaft

Der am Samstagabend festgenommene Ex-Investmentbanker war 2008 einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen entgangen, weil er damals den Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen war. Er bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und sass eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Acosta stimmte dem Deal als Staatsanwalt in Florida zu.

Der heutige Arbeitsminister schrieb am Dienstag auf Twitter, die Verbrechen, die Epstein begangen habe, seien «schrecklich». Er sei froh, dass die Ermittler in New York ein Verfahren gegen den Unternehmer vorantrieben, das auf neuen Erkenntnissen beruhe. Bei den vor mehr als einem Jahrzehnt vorliegenden Beweisen hätten die Staatsanwälte darauf bestanden, dass Epstein ins Gefängnis gehe und sich als Sexualstraftäter registriere, verteidigte sich Acosta.

Präsident Donald Trump sagte, Acosta sei ein «exzellenter» Minister, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren einen «fantastischen» Job gemacht habe. Er habe zudem gehört, dass nicht nur Acosta in die damalige Entscheidung eingebunden gewesen sei, sondern viele Personen.

Trump distanziert sich

Zugleich distanzierte Trump sich von Epstein. Er habe vor langer Zeit ein Zerwürfnis mit ihm gehabt und sei kein Fan von ihm gewesen. In einem Interview mit dem «New York Magazine» beschrieb Donald Trump Epstein dagegen im Jahr 2002 als «grossartigen Mann». Damals sagte der noch nicht politisch aktive Immobilienmogul: «Es wird sogar erzählt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich. Und viele von denen sind eher von der jüngeren Sorte.»

Epstein plädierte bei einem Gerichtstermin am Montag auf nicht schuldig. Am Donnerstag soll er erneut vor Gericht erscheinen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem hohen Fluchtrisiko aus und fordert, dass der Milliardär bis zu einem möglichen Prozessbeginn hinter Gittern bleiben soll. Die Anklagepunkte könnten eine Höchststrafe von 45 Jahren Gefängnis nach sich ziehen.

Der 1953 in New York geborene Epstein hat sein Vermögen vor allem als Investmentbanker gemacht. So soll er das Geld von einer Reihe von Milliardären verwaltet haben. Ein Teil seiner Geschäftsaktivitäten bleibt jedoch im Dunkeln. Zu den Reichen und Mächtigen pflegte er enge Kontakte – etwa zu Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew aus Grossbritannien, wie die «New York Times» berichtete.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen unter anderem aufgrund von Journalistenrecherchen wieder aufgenommen. An den früheren Deal aus Florida sei die New Yorker Staatsanwaltschaft nicht gebunden, sagte Staatsanwalt Geoffrey Berman.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dealer am 10.07.2019 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deal?

    Ich ertrage es nicht mehr, wenn Du reich bist kommst immer mit einem gekauften Deal hinweg

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  • Marc am 10.07.2019 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Framing

    Trump soll Epstein vor Jahren aus seinem Golfclub in Florida geworfen haben, weil er sich an eine Minderjährige rangemacht habe. Ausserdem sagen Ermittler im Fall Eüstein, Trump wäre der einzige gewesen, der ihnen nach Anfragen in 2009 geholfen habe zu ermitteln (mit relevanten Infos). Und in einem Interwieu im 2015 hat Trump gesagt "Epstein scheint ein netter Typ zu sein, aber seine Insel, das wird noch grosse Probleme geben, grosse Probleme". Diese Indizien "übersehen" die Medien und suchen sich ein einziges Zitat raus,dass Clinton viel engere Verbindungen zu E.hat wird verschwiegen.

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  • Tom am 10.07.2019 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Es wird gross erwähnt, dass Trump vor fast 20 Jahren Gutes über ihn gesagt hatte. Hei, Clinton sass derweil in seinem Flugzeug!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Steuersklave am 10.07.2019 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unvollständiger Artikel

    Acosta war Staatsanwalt für Südflorida, als er dem "federal non-prosecution agreement" (Wikipedia) zustimmte. Also handelte es sich um einen Deal, der "höherenorts" (von E.'s Freunden/Kunden?) eingefädelt wurde. E. hat bei Trumps schon seit Jahren Hausverbot. Hingegen tauchen zahlreiche Demokraten-Politicos (z.B. beide Clintons) in E.'s Passagierliste für seine Orgieninsel auf. - The storm begins. Die versiegelten Umschläge werden jetzt geöffnet & abgearbeitet. Enjoy the show! :) WWG1WGA

  • Sokrates89 am 10.07.2019 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte die ganze Story

    Leider habt ihr unterschlagen, dass Trump der Einzige war, der die Staatsanwaltschaft 2009 im Epstein-Fall unterstützte. Die "sauberen" Demokraten unter sich... Da wird noch viel mehr ans Tageslicht gelangen, garantiert...! Und abermals werden die Demokraten versuchen, mit haltlosen Unterstellungen Trump zu Fall zu bringen, was aber nicht gelingen wird, weil die politisch Korrekten selber viel vor der eigenen Tür zu wischen haben.

  • lukas am 10.07.2019 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist mit bill clinton?

    Bill clinton war gut befreundet mit Epstein und besuchte ihn immer wieder auf seiner Insel..auch Trump gehörte zu den besuchern..doch dies wird leider nie ein nachspiel haben...

    • Putzmaschine am 10.07.2019 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @lukas

      Die Clintons ja aber Trump hat nie gemocht und hat im auch gesagt das dass alles noch raus kommt!.

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  • Rufer in der Wüste am 10.07.2019 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jö wie schö...

    Q-Anonisten unter sich... Ich schmeiss mich weg. Der Kerl stand schon einmal vor dem Kadi und jetzt holt ihn das wieder ein. Was soll jetzt daran so aussergewöhnlich sein? Es gab Ermittlungen und daraus sind offensichtlich genügend Beweise für eine Anklage hervorgegangen, nicht mehr und nicht weniger. Das hat absolut nichts mit irgendwelchem ominösen "versiegelten" BS zu tun (und schon gar nicht mit Trump weil Trump ungleich Justiz!), sondern ist schlicht Polizeiarbeit.

    • Ministerium für Liebe & Wahrheit am 10.07.2019 14:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Rufer in der Wüsste

      Und du glaubst diesen Big Brother "Erguss" echt selber!?

    • Rufer in der Wüste am 10.07.2019 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ministerium für Liebe & Wahrheit

      Also jetzt müssen Sie mir auf die Sprünge helfen und nein ich glaube weder an Big Brother noch Deep State noch Qanon noch an sonstigen BS dieser Art. Ich glaube schlicht an seriöse Polizeiarbeit des FBI...

    • Sokrates89 am 10.07.2019 19:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Rufer in der Wüste

      Wieso soll man ihnen auf die Sprünge helfen? Ihre Meinung steht und der Glaube versetz bekanntlich Berge...

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  • Tommy am 10.07.2019 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnismässigkeit à la USA

    Wäre er ein schwarzer oder einfach armer Teenager gewesen der einen Joint geraucht oder einen Kaugummi geklaut hat, wäre er länger im Knast gelandet und hätte es da garantiert auch ungemütlicher gehabt.