Navy Seal

25. April 2019 14:25; Akt: 25.04.2019 15:21 Print

US-Elite-Soldat schiesst wahllos auf Zivilisten

Ein Offizier der Navy Seals soll im Irak wahllos auf Zivilisten geschossen haben. Als seine Kameraden den Fall melden wollten, stiessen sie auf Widerstand.

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Die Navy Seals gelten als Eliteeinheit des US-Militärs. Doch der Ruf der Truppe ist angekratzt. Von Drogen ist die Rede, aber auch von illegalen Kämpfen, Tötungen und Diebstahl. Nun bahnt sich ein weiterer Skandal an: Ein Soldat soll während seines Einsatzes im Irak Zivilisten erschossen haben.

Special Operations Chief Edward Gallagher war Scharfschütze und bildete andere Kämpfer aus. Nicht nur im Irak, auch in Afghanistan war er im Einsatz. Jetzt wartet jedoch das Militärgericht auf ihn.

Gefangenen erstochen und über Leiche posiert

Dem Soldaten wird unter anderem vorgeworfen, 2017 in Mossul auf ein Schulmädchen geschossen zu haben, das mit anderen Mädchen am Tigris entlang spazierte, zitiert die «New York Times» aus einem Untersuchungsbericht. Ausserdem habe er einen älteren Mann erschossen, der Wasser holen wollte. Regelmässig habe er zudem in einem Kampfwagen auf einer Brücke gestoppt und grundlos auf Wohngegenden geschossen, berichten Augenzeugen.

Ein anderes Mal wurde ein jugendlicher IS-Kämpfer am Bein verwundet. Sanitäter der Seals hätten den Gefangenen versorgen wollen, doch Gallagher sagte über Funk: «Er gehört mir.» Schliesslich kam er hinzu, stach dem Jugendlichen in den Nacken und den Bauch und posierte anschliessend mit einer US-Fahne über seiner Leiche.

Auch Vorgesetzte müssen sich verantworten

Vor seinen Kameraden habe Gallagher mit seinen Taten geprahlt. Zudem erhielt er einen Orden. Sieben seiner Mitkämpfer wollten den Fall publik machen, seien intern aber auf Widerstand gestossen, schreibt die Zeitung. So soll der zuständige Leutnant die Sache vertuscht haben. Auch der Kommandeur in den USA und ein anderer Vorgesetzter sollen ihnen geraten haben, den Fall ruhen zu lassen. Ansonsten könnte es sie ihre Karriere kosten. Als die Männer sich schliesslich an eine andere Marine-Dienststelle wandten, kam die Sache ins Rollen.

Über ein Dutzend Verstösse werden Gallagher nun zur Last gelegt. Im September wurde er verhaftet und sitzt seither in Untersuchungshaft. Der Prozess soll Ende Mai beginnen. Auch seine Vorgesetzten müssen sich vor Gericht verantworten. Gallaghers direkter Vorgesetzter plädiert jedoch auf nicht schuldig, wie sein Anwalt gegenüber der Zeitung erklärte.

Trump hat sich eingeschaltet

Der Fall spaltet die Gemüter der Amerikaner. Während einige in ihm ein abschreckendes Beispiel sehen, glauben andere an Gallaghers Unschuld und wollen ihn in Freiheit sehen. Dafür haben sie sogar eine Geldsammelaktion gestartet. Und auch US-Präsident Donald Trump hat sich mittlerweile eingeschaltet. Laut «Spiegel online» wurde Gallagher auf Geheiss Trumps in eine bessere Zelle verlegt. Dies «in Anerkennung seiner früheren Verdienste» als Soldat.


(vro)