Afghanistan

10. Juni 2016 07:51; Akt: 10.06.2016 07:58 Print

USA dürfen Luftangriffe gegen Taliban ausweiten

Der Kampf gegen die islamistische Miliz ist zäher als gedacht. Nun schaltet Washington einen Gang höher.

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Sie haben das Land fest im Griff: Taliban Kämpfer stehen Wache in der afghanischen Provinz Herat. (27. Mai 2016) (Bild: Keystone/Allauddin Khan)

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Das US-Militär darf künftig ausgeweitete Luftangriffe auf die radikalislamischen Taliban in Afghanistan fliegen, sollte dies als notwendig betracht werden. Nach monatelangen Debatten stimmte das Weisse Haus entsprechenden Plänen zur Ausweitung der Befugnisse des Militärs zu, wie gestern aus Regierungskreisen verlautet wurde.

Mehrere Regierungs- und Verteidigungsbeamte berichteten, dass die Entscheidung in den vergangenen Tagen gefallen sei. Es habe in der US-Regierung den grossen Wunsch gegeben, US-Kommandeuren weitreichendere Möglichkeiten bei der Unterstützung afghanischer Kräfte in Notfallsituationen zu geben und so den Kampf gegen die Taliban zu gewinnen, hiess es. Dabei sollen die rund 9800 US-Truppen eingesetzt werden, die sich bereits in Afghanistan befänden. In den direkten Kampf werden sie demnach aber nicht geschickt.

Sensibles Thema in Amerika

Afghanische Regierungssoldaten kämpfen vor allem im Landessüden gegen die aufständischen Taliban. Die USA verüben in dem Land Antiterrorangriffe auf Kämpfer des Terrornetzwerks al-Qaida sowie der Terrormiliz Islamischer Staat. Luftschläge gegen die Taliban wurden allerdings Ende 2014 weitgehend gestoppt, als das Bündnis der USA und der Nato seinen Kampfeinsatz beendet hatte.

Das Thema Afghanistan ist in den USA ein höchst sensibles. US-Präsident Barack Obama hat sich dazu bekannt, alle US-Streitkräfte aus dem Land nach Hause zu holen. Diese Bemühungen gestalten sich aber wegen der langsamen Entwicklung des afghanischen Militärs und der Widerstandsfähigkeit der Taliban als schwierig.

Nur strategisch wichtige Operationen

Die Entscheidung wird den US-Kräften grössere Flexibilität dabei geben, wie sie die Afghanen unterstützen. Die neuen Befugnisse dürfen allerdings nur bei ausgewählten Operationen eingesetzt werden, die wichtige strategische Effekte auf den Kampf haben.

Die Taliban haben ihren Fokus nach Angaben des Militärs wieder weitgehend auf die südlichen Provinzen Helmand, Kandahar und Urusgan gelegt. Sie schlagen jedoch gelegentlich auch anderswo zu, etwa in der nördlichen Provinz Kundus. Das Ergebnis der Gefechte ist den Vereinten Nationen zufolge verheerend: Im Jahr 2015 starben demnach 3545 afghanische Zivilisten, 7457 weitere wurden verletzt.

(sep/sda)