«Muss mehr getan werden»

07. Mai 2012 22:16; Akt: 07.05.2012 22:27 Print

USA nicht begeistert von Wahlen in Europa

Die US-Regierung gibt sich in einer ersten Reaktion auf die Wahlergebnisse in Griechenland und Frankreich reserviert. Europa müsse weiter an seinen Problemen arbeiten, heisst es.

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Präsidentensprecher Jay Carney äussert sich zu den Wahlen in Europa. (Bild: Keystone)

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Die USA haben reserviert auf den Wahlausgang in Griechenland und Frankreich reagiert. Man wolle keinem Land eine bestimmte Politik «diktieren», sagte Präsidentensprecher Jay Carney am Montag in Washington.

Mit Blick auf die Eurokrise mahnte er aber zugleich weitere Schritte der Europäer an, die Schuldenkrise in der Euro-Zone habe weiter negative Auswirkungen auf die US-Wirtschaft. Obamas Regierung werde mit den politischen Führern in Europa weiter darauf hinarbeiten, die Krise zu bewältigen.

Zwar hätten die Europäer bereits entscheidende Massnahmen im Kampf gegen die Krise unternommen. «Und mehr muss getan werden», meinte Carney vor Journalisten im Weissen Haus. «Wir sagen das jetzt schon seit einiger Zeit... und unsere Haltung hat sich nicht geändert.»

«Ausgeglichener» Ansatz

Ausdrücklich verwies der Sprecher auf die Haltung von Präsident Barack Obama. Dieser fordere bereits seit längerem einen «ausgeglichen Ansatz», der sowohl Finanzkonsolidierung als auch die Notwendigkeit von Wachstum berücksichtige.

Ähnlich äusserte sich auch der Sprecher im Aussenministerium, Mark Toner. Es müsse eine «Kombination» zwischen Wachstums- und Stabilitätsorientierung geben. «Das gilt für Europa ebenso wie für die Weltwirtschaft.» Man sei aber zuversichtlich, dass Europa die Krise lösen könne.

Der neue französische Präsident François Hollande hatte im Wahlkampf den strengen europäischen Fiskalpakt kritisiert und betont, es müsse mehr für das Wachstum getan werden. In Athen haben die Parteien, die bisher die Sparpolitik durchgesetzt haben, bei den Wahlen herbe Verluste hinnehmen müssen.

Verhältnis zu Frankreich bleibt gut

Das politische Verhältnis zwischen den USA und Frankreich werde sich mit der Wahl Hollandes nicht verschlechtern: «Das Bündnis ist heute genauso stark wie in der vergangenen Woche», sagte Sprecher Jay Carney.

US-Präsident Obama habe mit Hollande am Wahlabend telefoniert und freue sich, den künftigen französischen Staatschef in knapp zwei Wochen beim Doppelgipfel von G8 und NATO in den USA zu treffen.

Kein Konsens zu Afghanistan

Der Sozialist Hollande hatte sich am Sonntag in der Stichwahl gegen den konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy durchgesetzt. Skeptisch beäugen die USA die Ankündigung des künftigen Präsidenten, bis Ende 2012 alle französischen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen.

Sarkozy hatte einen Abzug bis Ende 2013 angestrebt. Die Regierung in Washington beharrt dagegen auf dem beschlossenen Fahrplan der NATO zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen, wonach alle Kampftruppen bis Ende 2014 vom Hindukusch abgezogen werden sollen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Papierlischweizer am 08.05.2012 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Abgekartetes Spiel

    Es mutet immer wieder seltsam an, wenn sich die USA in die Politik anderer Staaten einzumischen genötigt sehen. Dazu kommt, dass die allesamt amerikanischen Ratingagenturen mit ihren fragwürdigen Beurteilungen der Kreditwürdigkeit einzelner EU-Staaten die Entwicklung des Euros massiv beeinflussen und willentlich dessen Ende in Kauf nahmen. Dies, so behaupte ich, um dem maroden US-Dollar wieder die Geltung auf dem Weltmarkt zu verschaffen, welche der bankrotte Staatshaushalt der USA dringend braucht, um nicht gänzlich zu kollabieren.

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  • Carola am 08.05.2012 00:51 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt schon

    Ja, recht haben sie, die Amerikaner. Wir müssen weiter an unseren Problemen arbeiten, genauso wie die Amerikaner auch weiterhin an ihren arbeiten müssen, nicht?

  • Andi am 07.05.2012 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst die eigenen Probleme lösen

    Und das kommt aus einen Statt der selber über 15 Billionen Dollar Schulden hat. Einfach nur lächerlich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralf am 08.05.2012 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Europäer nicht kritikfähig?

    Immer interessant, dass sich die Schweizer sofort betupft fühlen und sofort mit Kommentaren à la "Kümmert euch doch zuerst um eure Probleme" kommen. Niemand hat bestritten, dass es in den USA auch Probleme gibt. Trotzdem gehört es zu den Internationalen Beziehungen, gegeseitige Kritikpunkte aufzuwerfen und in Europa gibt es derzeit unbestritten massive Probleme! Wenn ich sehe wie in Griechenland links- und rechtsextreme Parteien ins Parlament einziehen, oder man in Serbien die Milosevic Partei wählt, dann erinnert mich das an ganz ganz düstere Epochen Europas!

    • Paulo am 08.05.2012 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Ralf

      Ha ja, interessant, wenn einige Schweizer sich "betupft fühlen", sind es nicht mehr einige, sondern DIE Schweizer ! Aber Hauptsache Ralf kann sich von diesen Schweizern distanzieren und sich in ein "gutes" Licht rücken. Cool nicht ! Hat aber nichts mit dem Thema tun, aber Hauptsache jemanden "klein" gemacht. Schliesslich ist's ja nicht so, dass die USA in den vergangenen 50 Jahren bez. Einmischungen in die Politik anderer Länder, zurückhaltend gewesen wäre.

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  • Papierlischweizer am 08.05.2012 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Abgekartetes Spiel

    Es mutet immer wieder seltsam an, wenn sich die USA in die Politik anderer Staaten einzumischen genötigt sehen. Dazu kommt, dass die allesamt amerikanischen Ratingagenturen mit ihren fragwürdigen Beurteilungen der Kreditwürdigkeit einzelner EU-Staaten die Entwicklung des Euros massiv beeinflussen und willentlich dessen Ende in Kauf nahmen. Dies, so behaupte ich, um dem maroden US-Dollar wieder die Geltung auf dem Weltmarkt zu verschaffen, welche der bankrotte Staatshaushalt der USA dringend braucht, um nicht gänzlich zu kollabieren.

    • Mani Aarau am 08.05.2012 12:39 Report Diesen Beitrag melden

      Räuber

      Ja so ist es und es ist nicht seltsam, es stimmt einfach. Bin auch der Meinung, die 1-2% Reiche die das Vermögen gegen die 98% beherrschen, müssen mehr tun, damit die Menschen wieder einkaufen können. Die Reichen blockieren die Wirtschaft, auch mit dem unredlichen Rohstoffhandel, das sich viele kaum mehr Leisten können. Die müssten nur ehrlicher die Steuern zahlen, diese Menschen sind so Geldgierig, Machtgeil, dass sie sich selbst zerstören. Unruhen werden von diesen gemacht.

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  • Peter am 08.05.2012 03:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die USA will sich selber retten

    Diese Kritik an der neuen Marschrichtung Frankreichs, hat nichts mit Sorge um die Weltwirtschaft zu tun. Vielmehr gehts darum, dass der gigantische Amerikanische Schuldenberg gut versteckt werden kann, solange niemand darüber redet. Aber mit der europäischen Schuldenkrise gerät das Thema in den Fokus und dann muss sich die US-Amerikanische Regierung rechtfertigen, was sie mit allen Mitteln zu vermeiden versucht.

  • Laura Steinfeller am 08.05.2012 02:18 Report Diesen Beitrag melden

    US-Wasserpredigen und Weintrinken

    Wenn es die USA nicht begeistert, dann ist es garantiert gut für Europa. Wieso sparen sich die USA nicht zu Tode? Es braucht nicht nur sparen sondern auch Wirtschaftsbelebung. Wo waren die USA bei Lehman-brothers? oder bei Enron? Wohin sind die Gelder verschwunden? Europa ist viel besser dran als die USA.

  • Andrea S. am 08.05.2012 02:00 Report Diesen Beitrag melden

    Warum auch?

    Warum auch sollte die Wahl in Europa die USA begeistern? Europa ist nicht USA! Ewiges Nasen in fremde Angelegenheiten stecken sage ich dem!