Lockerbie-Attentäter

20. August 2010 21:19; Akt: 20.08.2010 21:20 Print

USA nicht glücklich über Al-Megrahi-Freilassung

Zum Jahrestag der Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi haben die USA ihren Unmut darüber bekräftigt. Es sei «bedauerlich», dass Al- Megrahi nun schon ein Jahr in Freiheit sei, sagte US- Aussenministerin Hillary Clinton.

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Abdel Baset al Megrahi bei seiner Ankunft in Libyen (Bild: Keystone/AP)

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«Die USA lehnen die Entscheidung der schottischen Regierung weiterhin kategorisch ab.» Der krebskranke Al-Megrahi war im August 2009 von der schottischen Regionalregierung begnadigt worden, weil er nach Ansicht von Ärzten nur noch drei Monate zu leben hatte.

Die meisten der 270 Menschen, die kurz vor Weihnachten 1988 beim Anschlag auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie ums Leben kamen, waren Amerikaner.

London bittet um Zurückhaltung

In London ermahnte die Regierung Libyen zur Zurückhaltung. «Jegliche Feierlichkeit zu Al-Megrahis Freilassung ist mit Blick auf die Familien der Opfer geschmacklos, beleidigend und extrem taktlos», sagte ein Sprecher des Aussenministerium. Bei seiner Ankunft in Libyen war al-Megrahi wie ein Held gefeiert worden.

Der Libyer ist als einziger Täter für den Lockerbie-Anschlag verurteilt worden. Immer wieder gibt es Kritik an der Freilassung; US-Senatoren fordern derzeit eine neue Untersuchung.

Sie unterstellen Grossbritannien, Al-Megrahi nur freigelassen zu haben, weil der britische Ölkonzern BP mit Libyen ins Geschäft kommen wolle. BP schloss kurz nach der Freilassung grosse Förderverträge mit Libyen ab, bestreitet jedoch, Druck auf die Regierung ausgeübt zu haben.

Cameron gegen Begnadigung

Bei der Freilassung Al-Megrahis war noch die Labour-Regierung von Gordon Brown im Amt. Der heutige Premier David Cameron und sein Aussenminister William Hague seien schon immer gegen die Begnadigung gewesen, liess das britische Aussenministerium nun verlauten. «Die Regierung ist ganz klar der Ansicht, dass al-Megrahis Freilassung ein Fehler war.»

Dagegen forderte Alan Miller, Chef einer schottischen Menschenrechtsorganisation, eine Neuauflage des Verfahrens. Es gebe weiter erhebliche Zweifel an der Schuld al-Megrahis und es seien neue Beweise aufgetaucht, sagte er der Zeitung «The Guardian».

Al-Megrahi bestreitet Schuld

Al-Megrahi bestreitet seine Schuld. Er soll depressiv sein, weil er es nicht geschafft habe, die Welt von seiner Unschuld zu überzeugen, zitiert der «Guardian» nicht näher genannte Quellen. Seine Berufung stellte al-Megrahi jedoch zurück, nachdem seine Freilassung beschlossen war.

Mit dem Attentat wurden in der Vergangenheit immer wieder auch palästinensische Terrororganisationen in Verbindung gebracht. 2003 übernahm Libyen jedoch formal die Verantwortung für das Handeln einer seiner Amtspersonen in Bezug auf das Attentat.

In der Folge zahlte das Land den Familien der Opfer jeweils eine Abfindung in Millionenhöhe. In der Folge hoben die USA ihre Sanktionen gegen Libyen auf und nahmen wieder diplomatische Beziehungen auf.

(ap)