INF-Vertrag gekündigt

20. August 2019 04:41; Akt: 20.08.2019 04:43 Print

USA testen neue Mittelstreckenrakete

Zwei Wochen nach dem Ausstieg aus dem INF-Vertrag gibt das Verteidigungsministerium in Washington den Abschuss eines Marschflugkörpers bekannt.

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Das Pentagon erklärt, es handle sich um eine «konventionell konfigurierte» Rakete. (18. August 2019) (Bild: Keystone/Scott Howe)

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Erstmals nach dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags zwischen Russland und den USA hat das amerikanische Militär nach eigenen Angaben einen konventionellen landgestützten Marschflugkörper getestet.

Er sei am Sonntag von der Insel San Nicolas in Kalifornien abgefeuert worden und habe sein Ziel nach mehr als 500 Kilometern Flug präzise erreicht, teilte das Pentagon am Montag mit. Die gewonnenen Daten und Erkenntnisse würden nun in die Entwicklung zukünftiger Mittelstreckenkapazitäten fliessen, hiess es weiter.

Der Test wäre nach dem INF-Vertrag verboten gewesen. Die Vereinbarung untersagte den ehemaligen Vertragspartnern USA und Russland die Produktion, Tests und Besitz von bodengestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörpern mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern.

Der US-Sender ABC News berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, bei dem Marschflugkörper habe es sich um eine Tomahawk-Variante gehandelt.

INF-Vertrag gekündigt

Die USA hatten den INF-Vertrag Anfang Februar mit Rückendeckung der Nato-Partner zum 2. August gekündigt, weil sie davon ausgehen, dass Russland ihn seit Jahren mit einem Mittelstreckensystem namens SSC-8 (Russisch: 9M729) verletzt.

Dieses soll in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die sich mit Atomsprengköpfen bestücken lassen und mehr als 2000 Kilometer weit fliegen können. Moskau weist dies zurück, beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation.

Das Pentagon hatte den Test bereits im März angekündigt, sollte Russland nicht zur Vertragstreue zurückkehren. Die «Washington Post» schrieb zu dieser Zeit, für November sei zudem der Test einer Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite von etwa 1800 bis 2500 Meilen (rund 2900 bis 4000 Kilometer) geplant.

«Wettrüsten in vollem Gange»

Die Umweltorganisation Greenpeace erklärte, mit dem Test sei das atomare Wettrüsten in vollem Gange. «Europa muss jetzt zusammen stehen und unmissverständlich klar machen, dass keine Atomwaffen hier stationiert werden dürfen», erklärte Sprecher Christoph von Lieven.

Das Ende des INF-Vertrags hat weltweit Sorgen vor einem neuen Wettrüsten geschürt. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die USA würden nun mit der Entwicklung eines Mittelstreckenraketensystems voranschreiten. Das Pentagon hatte bereits 2017 die Grundlage dafür gelegt.

Das System soll nach derzeitiger Planung ausschliesslich mit konventionellen – das heisst nicht-atomaren – Sprengköpfen eingesetzt werden. Ob es dabei bleibt, ist allerdings unklar.

Militärexperten weisen darauf hin, dass sich solche Planungen schnell ändern liessen. Russland hat angekündigt, man werde mit dem Start von Arbeiten an neuen, landgestützten Hyperschall-Mittelstreckenraketen auf das Aus für den INF-Vertrag reagieren.

(fal/chk/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz am 20.08.2019 05:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ach sind die Amis doch so ehrlich!

    Hmm, kaum den Vertrag gekündet und schon startet die erste neue Rakete. Entweder sind die Amis so super scgnell und gut, das die entwiklung so schnell geht oder da wurde der Vertrag schon vorher auch von ihnen nicht eingehalten!

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  • Michii am 20.08.2019 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Ja wenn Nordkorea Raketen testen reagiert die ganze Welt negativ auf den Test. Wenn die USA testen ist "ok"? Nun testet dann noch Russland evtl noch China. Super Zukunft

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  • Beat am 20.08.2019 06:13 Report Diesen Beitrag melden

    NACHHALTIG?

    Pro verbrannter Tonne Raketentreibstoff gibt's sicher eine freiwillige Zahlung in einen Klima/Umweltfonds. Schliesslich sind die produzierten Abgase einer Rakete alles andere als gesund und wahrscheinlich auch keineswegs CO2-neutral

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mawe am 21.08.2019 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ost - West Konflikt

    Es wird beim testen bleiben solange Stellvertreterkriege geführt werden. Die Rüstungsindustrie will produzieren und leben.

  • Dani am 20.08.2019 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wow in 2 Wochen gebaut

    Respekt, man könnte fast den Eindruck haben die Amis hätten die Rakete schon vorher gebaut und damit den Vertrag verletzt.

  • ano nym am 20.08.2019 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    experten

    Es ist weder noch. Die Tomahawk gibts schon seit jahrzehnten... Kleine modifikationen und sie fällt unter das alte abkommen... Diese modifikationen wurden nun eben gemacht. Wäre wohl auch schneller möglich gewesen.

    • Dani am 20.08.2019 15:39 Report Diesen Beitrag melden

      Ja eben, das wissen wir doch

      Es ist wie du sagst; an den Vertrag hat man sich nie gehalten. Man hat die Verträge ungefähr so eingehalten wie gewisse Autohersteller die Gesetze.

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  • Jerome am 20.08.2019 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    USA.

    Aha und die Russen sollten den Vertrag gebrochen haben? Haben Sie die Rakete in 2 Wochen entwickelt und gebaut?

    • abc. am 20.08.2019 23:06 Report Diesen Beitrag melden

      wer Lesen kann ist klar im Vorteil,

      Das Pentagon hatte den Test bereits im März angekündigt

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  • Dr. No am 20.08.2019 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ein Problem

    Da wird militärisch an allen Fronten aufgerüstet, Nato (USA) verlangt, dass alle Nato-Staaten 2% des BIP's für Rüstung/Militär aufwenden sollen und die Menschen werden mit unbegründeten Klimaängsten eingedeckt. Wir sollten uns um die Aufrüstung Sorgen machen und gegen diese auf die Strasse gehen.

    • David Stoop am 20.08.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. No

      Die Aufrüstung in Europa ist schlicht eine Reaktion auf Russland. Leider kann man es sich mittlerweile nicht mehr leisten, nicht aufzurüsten. Sogar das neutrale Schweden musste das bitter einsehen. Frieden gibt es halt nur, wenn beide Seiten wollen oder eben beide Seiten zu gut bewaffnet sind, um einen Krieg zu starten. Leider müssen wir wieder mal zu letzterem greifen.

    • John Livers am 20.08.2019 14:17 Report Diesen Beitrag melden

      @ David Stoop

      Genau, die Russen warten hoch bewaffnet und mit fletschenden Zähnen an der Grenze, um den Westen zu überfallen. Oder ist es eher die NATO die sich bis in die Ukraine vorgearbeitet hat, die Russland Sanktioniert und Bedroht?

    • Dr. No am 20.08.2019 14:38 Report Diesen Beitrag melden

      Osterweiterung

      @David Stoop, wer hat denn den Putsch in der Ukraine angezettelt? Aggressor war der Westen, der trotz Zusagen die Nato ostwärts erweitert hat.

    • Überlegender am 20.08.2019 14:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. No

      nehmen wir mal an jedes westliche europa land baut alle millitärischen infrastrukturen auf null ab, was machen die menschen in diesen ländern wenn andere länder einmaschieren und befehlen was zutun ist.....die freiheit wäre weg......

    • Dingsda am 20.08.2019 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Überlegender

      Natürlich wäre die Freiheit weg, das liegt in der Natur der Sache. Wir leben jedoch in einer globalisierten Welt, wo nationale Wirtschaftsräume eng mit anderen arbeiten. Das hat den positiven Effekt, dass man heutzutage nicht mehr so einfach in ein Land einmarschieren kann, wie das vor 100 Jahren noch gang und gäbe war. Dies hätte eine globale Depression zur Folge, von dem das einzumarschierende Land einfach Null und Nicht profitieren würde.

    • Rufer in der Wüste am 20.08.2019 18:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. No

      Wer der NATO beitritt oder beigtreten ist, dem war die 2% - Forderung schon zu Beginn bekannt. Eigentlich sollte es selbsverständlich sein, dass sich NATO-Mitglieder an den Bündnisvetrag halten. Wenn das ein Staat nicht tut, dann muss er sich nicht wundern, wenn das irgendwann auf den Tisch kommt. Gegen die Aufrüstung auf die Strasse gehen ist ja schön und gut. Was aber wenn sich die Befürchtungen als wahr herausstellen und wir dann ohne Wehrfähigkeit dastehen?

    • ano nym am 20.08.2019 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. No

      Eine solche zusage gab es nie offiziell. Das ist ein mythos der darauf zielt die emotional empfänglicheren menschen zu beeinflussen... Wo sind den diese zusagen auf papier wenn es stimmen würde? Denken sie nicht diese werden schon lange veröffentlicht worden?

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