Afghanistan

18. Juni 2011 13:13; Akt: 19.06.2011 10:18 Print

USA verhandeln mit den Taliban

Die USA versuchen offenbar einen Frieden mit den radikalislamischen Taliban aushandeln. Laut dem afghanischen Präsidenten Karsai hat es bereits Kontakte gegeben.

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Die USA und Afghanistan führen nach Angaben des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai direkte Friedensverhandlungen mit den Taliban. Die Gespräche hätten begonnen und es laufe gut, bestätigte er am Samstag in einer Rede im Präsidentenpalast. In unmittelbarer Nähe wurden bei einem Anschlag auf eine Polizeistation kurz darauf mindestens neun Menschen getötet. Die drei Attentäter seien von den Taliban geschickt worden, sagte ein Sprecher der radikalislamischen Organisation der Nachrichtenagentur AP.

Die Angreifer hätten Uniformen der afghanischen Streitkräfte getragen und beim Betreten der Wache das Feuer eröffnet, sagte der 32-jährige Augenzeuge Mohammed Honajon. In einer Mitteilung des Innenministeriums hiess es, einer der Attentäter habe sich vor dem Eingangstor zu dem Gebäude selbst in die Luft gesprengt. Unter den Opfern seien drei Polizisten, ein Geheimagent sowie fünf Zivilisten.

Karsais Stellungnahme zu laufenden Verhandlungen mit den Taliban war die erste offizielle Bestätigung solcher Gespräche. Vertreter ausländischer Streitkräfte, insbesondere der USA, seien bei den Gesprächen führend, sagte der Präsident. Vertreter der US-Botschaft in Kabul waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Die Extremisten hatten das Land vor der US-Invasion 2001 fünf Jahre lang regiert und während dieser Zeit auch das Terrornetzwerk Al-Kaida beherbergt.

In New York hatte der UN-Sicherheitsrat am Freitagabend einstimmig beschlossen, Sanktionen gegen die Taliban und die Al-Kaida künftig voneinander zu trennen. Bisher waren sie gegen beide gemeinsam verhängt worden. Mit dem Schritt sollten sowohl die Bemühungen der afghanischen Regierung zur Beilegung des Konflikts mit den Taliban unterstützt werden als auch der Kampf gegen weltweiten Terrorismus effektiver werden, hiess es.

Weitere Tote bei Anschlägen auf NATO-Konvois

Im Süden und Westen Afghanistans wurden bei drei Anschlägen unterdessen neun afghanische Wachen getötet und 15 Tanklaster in Brand gesteckt. Nach Angaben der Polizei in der östlichen Provinz Ghasni wurden am Samstag innerhalb von zwei Stunden zwei Anschläge auf Fahrzeuge verübt, die auf dem Weg zu einem polnischen NATO-Stützpunkt gewesen seien. Dabei seien vier Männer getötet worden. Bereits am Freitag hatten Aufständische einen Treibstofftransport der NATO an der Grenze zwischen den Provinzen Herat und Farah angegriffen. Dabei kamen fünf Männer ums Leben.

(sda/ap)