Krieg gegen den Terror

23. Juni 2011 23:11; Akt: 24.06.2011 10:39 Print

USA vor Kurswechsel in Afghanistan

von Robert Burns, AP - Noch vor einem Jahr setzte US-General Petraeus ein maximal ausgestattetes Kontingent in Afghanistan durch. Nun wird sein Konzept durch Obama über den Haufen geworfen.

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Sind vielleicht schon bald wieder in der Heimat zurück: US-Marines in Afghanistan. (Bild: AFP)

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Die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, bis September 2012 mehr als 30 000 Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, markiert das Ende der Bemühungen der USA, mit grosser Truppenstärke die aufständischen Taliban im Land zu bekämpfen. Stattdessen wollen die US-Streitkräfte verstärkt gegen Anführer von Terrororganisationen vorgehen.

Der Kampf mit den Taliban - und letztlich ein mögliches Versöhnungsabkommen - sollen der afghanischen Regierung überlassen werden. Nicht umsonst hat Obama in seiner Rede einen Sieg über die Taliban nicht ein einziges Mal erwähnt, wohl aber die Al-Kaida, die in Afghanistan gar nicht ihre wichtigste Basis hat.

Am Ende bleibt aber die Frage, wie eine politische Lösung in Afghanistan aussehen wird. Ist der militärische Druck auf die Taliban gross genug, dass sie ernsthafte Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung führen wollen? Der scheidende US-Verteidigungsminister Robert Gates glaubt das nicht - zumindest nicht vor Ende des Jahres, erklärte er. Doch angesichts der Kriegsmüdigkeit, die sowohl in den USA als auch in Afghanistan vorherrscht, gesteht auch Gates ein, dass die derzeitige truppenintensive Strategie nicht mehr haltbar sei.

Rückschlag für Petraeus

Diese Änderung des Vorgehens der USA ist ein Rückschlag für den derzeitigen Kommandanten der Truppen in Afghanistan, General David Petraeus. Vor einem Jahr propagierten er und sein Vorgänger Stanley McChrystal noch eine mit vollen Ressourcen ausgestattete und umfassende Kampagne gegen die Aufständischen, um den festgefahrenen Afghanistan-Einsatz zum Erfolg zu führen. Petraeus wird den Truppenabzug allerdings nicht mehr an vorderster Front miterleben, er wird Direktor der CIA. Sein Nachfolger General John Allen wird die Aufgabe übernehmen, die Segel der US-Streitkräfte in Afghanistan zu streichen.

Vor zwei Jahren sah alles noch anders aus. Nach seinem Amtsantritt im Jahr 2009 feuerte Obama den damaligen Afghanistan-Kommandanten David McKiernan und setzte stattdessen McChrystal ein, um dessen «fundamental neuen Ansatz» für den Einsatz im Land voranzutreiben. In einem Bericht an Gates schrieb McChrystal damals, dass die USA verlieren könnten, wenn Obama den Kampf nicht neu definiere und weitere Truppen sende. Der US-Präsident stimmte mit McChrystals Sicht überein, dass das wichtigste Ziel der Schutz der afghanischen Bevölkerung sein müsse - nicht nur vor Gewalt, sondern auch vor Korruption und Nötigung. Der Forderung seines Kommandanten nach 40 000 Soldaten kam Obama dann aber nicht ganz nach und schickte etwas mehr als 30 000.

Mit dem Beginn der Truppenreduzierung werden die USA den Ansatz, die Bevölkerung zu schützen und die afghanische Regierung zu stärken, nicht aufgeben. Aber es scheint, dass Obama angesichts der Präsidentschaftswahl 2012 bereit ist, seine Kriegsziele zurückzufahren, um damit möglicherweise Punkte bei den Wählern zu gewinnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sigi Schwab am 26.06.2011 04:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die wahren Gruende des Truppen-Abzuges

    Die Truppen werden abgezogen weil das noetige Kleingeld fehlt und weil Obama wiedergewaehlt werden moechte. Da wird sogar das Eingestaendnis einer Niederlage in Kauf genommen.

  • DänuD am 24.06.2011 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kurswechsel?

    Kurswechsel? Schwachsinn. Die USA ziehen ihre Kräfte vor Syrien zusammen und warten einfach noch bis die Truppen vollständig sind. Daher werden die Truppen zusammen gezogen. Dies hat kaum etwas mit "Frieden" zu tun. Zudem, seit Obama Presi ist wurden die Truppen in Afghanistan verdoppelt, nun werden erstmals ein paar wenige umstationiert (nicht abgezogen) und schon lasst ihr euch vom grossen schönen Frieden blenden? Supi..

  • Habib Pepschmir am 24.06.2011 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    In Afganistan Gescheitert

    In gewisser weise wiederholt sich die Geschichte. Wie die Sovietunion 19989 verlassen nun die USA auch nach ca.10 jahren Krieg Afgannistan ohne es geschaft zu haben Recht & Ordnung in diesem Land zu etablieren, leider eine Niederlage gegen di Islamischen Fundis,

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sigi Schwab am 26.06.2011 04:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die wahren Gruende des Truppen-Abzuges

    Die Truppen werden abgezogen weil das noetige Kleingeld fehlt und weil Obama wiedergewaehlt werden moechte. Da wird sogar das Eingestaendnis einer Niederlage in Kauf genommen.

  • Habib Pepschmir am 24.06.2011 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    In Afganistan Gescheitert

    In gewisser weise wiederholt sich die Geschichte. Wie die Sovietunion 19989 verlassen nun die USA auch nach ca.10 jahren Krieg Afgannistan ohne es geschaft zu haben Recht & Ordnung in diesem Land zu etablieren, leider eine Niederlage gegen di Islamischen Fundis,

  • MadChengi am 24.06.2011 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wo brennts denn jetzt?

    Truppenverschiebung schon eher, ja wo braucht er denn seine Truppen jetzt wohl??? ...wo brennts?

  • DänuD am 24.06.2011 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kurswechsel?

    Kurswechsel? Schwachsinn. Die USA ziehen ihre Kräfte vor Syrien zusammen und warten einfach noch bis die Truppen vollständig sind. Daher werden die Truppen zusammen gezogen. Dies hat kaum etwas mit "Frieden" zu tun. Zudem, seit Obama Presi ist wurden die Truppen in Afghanistan verdoppelt, nun werden erstmals ein paar wenige umstationiert (nicht abgezogen) und schon lasst ihr euch vom grossen schönen Frieden blenden? Supi..