Atomstreit

28. Dezember 2011 20:03; Akt: 29.12.2011 08:39 Print

USA warnen Iran vor Seeblockade

Der Iran hat angedroht, die Strasse von Hormus für Schiffe zu sperren. Die USA verschärfen den Ton und sind zu Gegenaktionen bereit.

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Die iranische Marine führt derzeit in der Nähe der Strasse von Hormus ein Manöver durch. (Bild: Reuters)

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Auf die vom Iran angedrohte Blockade eines für den Öltransport wichtigen Seewegs haben die USA mit einer Warnung in Richtung Teheran reagiert. Eine Behinderung des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus würde «nicht toleriert», sagte eine Sprecherin der 5. Flotte der US-Marine am Mittwoch. Die Marine sei «immer bereit, böswilligen Aktionen zu kontern, um die Freiheit der Schifffahrt zu gewährleisten». Zuvor hatte der Iran damit gedroht, die Strasse von Hormus angesichts einer möglichen weiteren Sanktionsrunde des Westens zu sperren.

Eine Sperrung der Strasse von Hormus würde Teheran nach Auffassung des iranischen Marinekommandeurs Admiral Habibollah Sajjari vor keine grösseren Probleme stellen. Die iranischen Streitkräfte hätten die Kontrolle über die Meerenge und könnten sie leicht schliessen, sagte Sajjari dem staatlichen Fernsehsender Press TV am Mittwoch.

Bedeutende Schifffahrtsstrasse

Die Strasse von Hormus liegt zwischen dem Iran und Oman und ist eine bedeutende Schifffahrtsstrasse zu den Ölhäfen Irans und der Golfstaaten. Durch die Wasserstrasse am Persischen Golf wird rund ein Sechstel der weltweiten Öllieferungen transportiert. Bereits am Dienstag hatte der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi mit der Schliessung der Strasse von Hormus gedroht, sollte der Westen seine Sanktionen auf iranische Ölexporte ausdehnen.

Eine mögliche Blockade der Strasse wäre nach Ansicht der Energieexpertin Claudia Kemfert beherrschbar. Sollte es wirklich zu einer kompletten Schliessung dieser wichtigen Handelsroute kommen, falle zwar ein wichtiger Öl-Transportweg weg, sagte die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch dem Handelsblatt Online. Doch würde dies nicht sofort zu Engpässen führen, da teilweise auf alternative Transportrouten ausgewichen werden könne und es ein Überangebot an Öl auf dem internationalen Markt gebe.

Seeminen und direkte Angriffe zur Schliessung nötig

Um die Meeresenge zu schliessen, müsste die iranische Marine die Wasserstrasse verminen und einige passierende Schiffe direkt angreifen, sagte der Analyst am Militärinstitut für den Nahen Osten und die Golfregion in Dubai, Theodore Karasik. «Sie müssten fremdes Eigentum physisch angreifen. Jeder in der Region wird versuchen, sie zu stoppen», sagte Karasik.

Derzeit findet in internationalen Gewässern nahe der Strasse von Hormus ein zehntägiges Manöver der iranischen Marine statt. An den Übungen sind seit Samstag auch U-Boote und Drohnen beteiligt. Zudem werden Raketen und Torpedos getestet.

Golfstaaten wollen möglichen Verlust kompensieren

Nach den Drohungen aus Teheran erklärten die Golfstaaten, sie könnten ausfallende iranische Öllieferungen auf dem Weltmarkt ersetzen. Sie seien vorbereitet, einen möglichen Verlust iranischen Öls auszugleichen, teilte ein ranghoher Vertreter des saudischen Ölministeriums am Dienstag mit.

Angesichts der saudischen Ankündigung liess der zuvor angestiegene Ölpreis am Mittwoch nach. Im vormittäglichen Handel ging der Preis für Rohöl in New York um 1,99 Dollar oder rund zwei Prozent auf 99,35 Dollar pro Barrel (etwa 159 Liter) zurück. In London fiel der Preis für ein Barrel Rohöl um 2,20 Dollar auf 107,07 Dollar.

Der Iran ist mit täglich rund vier Millionen Barrel Rohöl der zweitgrösste Produzent innerhalb der Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC). Die Umsätze aus dem Ölexport machen etwa 80 Prozent der Staatseinnahmen aus.

(ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 31.12.2011 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Plötzlich wollen die Iraner

    wieder auch wieder über das Atomprogramm sprechen. Die weltweite Isolation scheint an den Ressourcen zu nagen. Dazu bekommt man es offenbar mit der Angst zu tun im Iran angesichts der auffahrenden US-Kriegsschiffe am Golf. Nur dürfte inzwischen niemand - ausser ein paar naiven europäischen Staaten - mehr auf den Gesprächtrick reinfallen den der Iran ständig benutzte um Zeit zu gewinnen. Der Countdown läuft!

  • Hans Beobachter am 29.12.2011 01:23 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Reaktion

    Eigenartig ist, dass die Finanzmärkte kaum mehr auf so eine Drohung reagieren. Irgendwann werden wir brutal aufwachen, wenn diese Eiferer die Welt anzünden.

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  • Kurt N. am 29.12.2011 00:04 Report Diesen Beitrag melden

    Subteretoriales US-Öl

    Böser Iran, wollen doch einfach das Öl unter Ihrem Boden auch für Euros, Yen oder Rubel verticken können. Etwas weit weg von der USA, die ein BIP von über 100% hat vor fremden Türen immer noch rum wischen zu wollen? In welchem Jahr war die USA übrigins das letzte mal nicht in irgendeinen Krieg verwickelt? /grübel

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 31.12.2011 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Plötzlich wollen die Iraner

    wieder auch wieder über das Atomprogramm sprechen. Die weltweite Isolation scheint an den Ressourcen zu nagen. Dazu bekommt man es offenbar mit der Angst zu tun im Iran angesichts der auffahrenden US-Kriegsschiffe am Golf. Nur dürfte inzwischen niemand - ausser ein paar naiven europäischen Staaten - mehr auf den Gesprächtrick reinfallen den der Iran ständig benutzte um Zeit zu gewinnen. Der Countdown läuft!

  • Danny am 29.12.2011 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Alles halb so wild

    Keine Angst. Es wird kaum eskalieren. Die Iraner würden sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie die Strasse von Hormus sperren. Bringt wirtschaftlich rein gar nichts.

  • Schall Und Rquch am 29.12.2011 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unkonventionelle Kriege

    Der Iran ist einfach eine Nummer zu gross für den Westen, an ihm würden sie sich (Voralpen in der momentanen Lage) überheben. Hier geht es nicht um militärische Schlagkraft und selbst wenn, der Iran ist nicht für Angriffskriege gerüstet, dafür zur elend langen Verteidigung umso mehr. Ausserdem haben die Perser mächtige Partner, die am wenigsten den Westen an der Spitze sehen möchten..

  • Evolution am 29.12.2011 06:10 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Verknappung des Öls

    könnte den freien Energiesystemen, welche unterdrückt werden; endlich zum Durchbruch verhelfen. Langfristig gesehen werden, diejenigen welche diese Unterdrückung aufrecht erhalten gar nichts gegen eine Weiterentwicklung bewirken. Sie werden sich damit nur selbst rascher aus dem Rennen nehmen.

  • Hans Beobachter am 29.12.2011 01:23 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Reaktion

    Eigenartig ist, dass die Finanzmärkte kaum mehr auf so eine Drohung reagieren. Irgendwann werden wir brutal aufwachen, wenn diese Eiferer die Welt anzünden.

    • hellfire am 29.12.2011 09:58 Report Diesen Beitrag melden

      und wer hat die zündhölzer?

      fragt sich nur wer die zündhölzer in der hand hat!

    • E. Bergmann am 29.12.2011 12:04 Report Diesen Beitrag melden

      Zuendhoelzer vs Flammenwerfer

      @hellfire: Die Zuendhoelzer hat ganz klar der Iran in der Hand, jedoch werden die Amis darauf mit Flammenwerfern reagieren!

    • Georg am 31.12.2011 12:28 Report Diesen Beitrag melden

      Flammenwerfer ja, aber ohne Brennstoff

      Hier gibt's ein kleines Problem. Wir erinnern uns die verlorene Stealth Drohne? Gut, diese wurde scheinbar durch stören des GPS Signals vom Himmel geholt. Falls das stimmt, so kann man auch Cruise Missiles oder Smart Bombs stören, auch diese verlassen sich auf GPS. Diese sind aber die Hauptwaffe der Amis. Können sie diese nicht einsetzen, müssen den Revolver im Holster lassen.

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