Regelverstoss

13. Oktober 2019 14:08; Akt: 13.10.2019 14:19 Print

Uefa ermittelt gegen Türkei-Team wegen Salut

Die türkische Nationalmannschaft zitterte sich in der EM-Quali zu einem 1:0 über Albanien. Der «Salut-Torjubel» könnte die Spieler aber teuer zu stehen kommen.

Bildstrecke im Grossformat »
Ein US-Konvoy verlässt Nordsyrien. Es handelte sich um fast 500 Soldaten sowie Hunderte Fahrzeuge, die abgezogen wurden. Das Bild zeigt Ras al-Ayn in Syrien von der türkischen Grenze aus gesehen. Dieses Haus wurde bei der türkischen Militäroffensive zerstört. Ein türkischer Soldat klettert auf einen Panzer, der zur Syrischen Grenze fährt. Türkische Soldaten beten vor einem Sarg eines getöteten Soldaten. Das Türkei-Team salutierte nach dem Sieg gegen Albanien während der EM-Qualifikation zu Ehren des türkischen Militärs. Die Geste wurde scharf kritisiert. Den Spielern droht eine Strafe. Nach einem Treffer von Cenk Tosun in der 90. Minute jubelte das Türkei-Team über ihren Last-Minute-Sieg. Inzwischen spitzt sich der Konflikt in Nordsyrien zu. Rauchwolken steigen über der Stadt Tel Abyad auf. Die von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben die meisten Stadtteile von Ras al-Ain, einem strategisch wichtigen Grenzort, nach einem Gegenangriff zurückerobert, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Sollten die Europäer den Armee-Einsatz als Besatzung brandmarken, werde die Türkei den Weg für Flüchtlinge nach Europa wieder frei machen, sagte Erdogan vor Abgeordneten seiner AKP. (10. Oktober 2019) Das türkische Militär hat seine Offensive gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien in der Nacht auf Donnerstag (10.10.2019) fortgesetzt. In einem Tweet des Verteidigungsministeriums in Ankara vom frühen Donnerstagmorgen hiess es, «die heldenhaften Soldaten» rückten mit der «Operation Friedensquelle» im Osten des Flusses Euphrat weiter vor. In den ersten Stunden der türkischen Angriffe waren nach Angaben von Aktivisten mindestens 15 Menschen getötet worden. Unter den acht zivilen Opfern seien auch zwei Kinder. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Beginn des lange geplanten Militäreinsatzes am Mittwochnachmittag per Twitter bekanntgegeben. Die Menschen müssen fliehen. Ihr Hab und Gut haben sie auf die Dächer der Autos geschnallt. Der Einsatz stösst international auf scharfe Kritik. Regierungen und Institutionen fordern den sofortigen Stopp. Ziel der Offensive ist die Kurdenmiliz YPG, die auf der syrischen Seite der Grenze ein grosses Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei und damit eine Terrororganisation. Türkische Militärfahrzeuge auf dem Weg an die syrische Grenze. Tausende Menschen flüchten in Nordsyrien wegen der Millitäroffensive: Türkische Soldaten in Panzern. (9. Oktober 2019) Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete heftige Kämpfe zwischen türkischen Truppen und Einheiten der von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte. Das US-Militär hat angesichts des türkischen Einmarschs in Nordsyrien mehrere Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) aus den Händen der Kurdenmilizen übernommen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Start der Militäroffensive in Nordsyrien angekündigt. US-Präsident Donald Trump hatte sich am Dienstag auf Twitter an die Kurden gewendet. Der Grund: Die US-Armee will sich aus Syrien zurückziehen. Das hatte das Weisse Haus am 19. Dezember 2018 angekündigt. Der von US-Präsident Donald Trump im Alleingang angekündigte Truppenabzug stösst bei den westlichen Verbündeten der USA auf Kritik. Derzeit sind 2000 Armeeangehörige in Syrien stationiert. Ein Schweizer (rechts im Bild), der als Sanitäter im Militärspital in Hasake die kurdischen Volksverteidigungseinheiten in der Demokratischen Föderation Nordostsyrien unterstützt, sagt zu 20 Minuten: «Der IS wird die Chance nutzen und uns verstärkt angreifen.» Der Präsident versichert jedoch: «Wir lassen die Kurden nicht im Stich».

Zum Thema
Fehler gesehen?

In der 90. Minute erlöste Everton-Legionär Cenk Tosun Türkeis Nationalmannschaft mit dem 1:0 gegen Albanien in der EM-Qualifikation. Das Sükrü-Saracoglu-Stadion in Istanbul verwandelte sich ein Tollhaus, doch die Spieler nutzten diesen Moment für eine politische Botschaft.

Tosun und Co. reihten sich vor der Ehrentribüne auf und salutierten – eine eindeutige Anspielung an die in Europa umstrittene Militäroffensive der Türkei auf die Kurdengebiete im Nachbarland Syrien.

Diese Anspielung könnte den türkischen Stars noch teuer zu stehen kommen. Der europäische Fussballverband Uefa verbietet grundsätzlich politische Botschaften während der Spiele. Jetzt drohen dem Tabellenführer der EM-Quali-Gruppe H (sechs Siege aus sieben Spielen) Sanktionen.

«Könnte Provokation gewesen sein»

«Ich persönlich habe die Geste nicht gesehen. Nichtsdestotrotz könnte es eine Provokation gewesen sein», erklärte Philip Townsend von der Uefa gegenüber der «Bild»-Zeitung. «Verbietet die Uefa-Verordnung politische und religiöse Botschaften? Ja, und ich kann garantieren, dass wir die Situation untersuchen werden.»

Dass der türkische Fussballverband bei Twitter noch einmal nachlegte und ein Bild der kompletten, salutierenden Mannschaft aus der Kabine zeigte und «den Sieg den tapferen Soldaten und Märtyrern widmete», tut sein Übriges.

(20 Min/heute.at)