Präsidentenwahl

18. Februar 2011 13:05; Akt: 18.02.2011 13:47 Print

Uganda wählt – die meisten sind dafür zu jung

Am Freitagmorgen haben in Uganda die Urnen geöffnet. Doch die meisten können an der Wahl gar nicht teilnehmen: Das Durchschnittsalter liegt in Uganda bei 14 Jahren.

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In Uganda ist die Mehrheit der Bevölkerung zu jung, um an der Präsidentenwahl teilzunehmen. (Bild: Keystone)

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Am Freitagmorgen haben in Uganda die Parlaments- und Präsidentenwahlen begonnen. Von 7 bis 15 Uhr sind die Wahllokale geöffnet. Es sind erst die zweiten Mehrparteienwahlen in Uganda. Das Land wird seit einem Putsch vor 25 Jahren von Präsident Yoweri Museveni regiert.

Uganda zählt laut Weltbank über 32 Millionen Einwohner. Doch nur 14 Millionen sind als Wahlberechtigte registriert – die Mehrheit der ugandischen Bevölkerung ist schlicht und einfach zu jung. Das Durchschnittsalter in dem ostafrikanischen Land beträgt nämlich gerade mal 14 Jahre.

Demographisches Phänomen mit Auswirkungen

Die Bevölkerungszahl Ugandas hat sich in den letzten zwei Dekaden verdoppelt, schreibt die britische Tageszeitung «The Independent». Bei der Geburtenrate rangiert Uganda weltweit in den Top Five.

Den Einfluss dieses demographischen Phänomens fühle man bereits in jedem Bereich. Es habe das bescheidene wirtschaftliche Wachstum ausgehöhlt und den bereits maroden Gesundheits- und Bildungssystemen eine grosse Last auferlegt. «Dass so viele Kinder gezeugt werden, ist aussergewöhnlich», sagt Jotham Musinguzi, der während 15 Jahren der Vorsteher des ugandischen Bevölkerungsprogramms war: «Ich möchte es keinen Fluch nennen, aber es hat ernsthafte Auswirkungen.»

Um den Druck der wachsenden Bevölkerung zu absorbieren, müsste die Wirtschaft um 12 Prozent wachsen, so Musinguzi. Das Wachstum sei aber bei 7 Prozent stehen geblieben. Die Gelder von internationalen Gebern machen dabei einen Drittel von Ugandas Budget aus.

Unterhaltung wird zur Hauptwährung

In dem konservativen Land werde derweil durch die neue Demographie, wo Kinder die Mehrheit bilden, die Unterhaltung zur Hauptwährung. Während Musik in Uganda früher keine Rolle gespielt habe, gebe es heute überall nur noch Musik, Musik und nochmals Musik, so Muinguzi.

Bei den Wahlen wurde die junge Generation aber nicht berücksichtigt. Der amtierende Präsident Yoweri Museveni ist 66 Jahre alt und gilt als Favorit. Der ehemalige General befürwortet laut «The Independent» den Baby-Boom im Land und begrüsst Prognosen, wonach Uganda seine Bevölkerung innerhalb der nächsten zehn Jahre erneut verdopple. Er habe sogar verkündet, er würde gerne Russland einholen. Als stärkster Herausforderer gilt sein früherer Verbündeter und Leibarzt Kizza Besigye. Er ist 54 Jahre alt.

Einziges Zeichen für eine Annäherung an die jüngere Generation bei den heutigen Wahlen ist ein Rap-Mix, der aus dem traditionell tribalen Chanting des Präsidenten an einer Polit-Veranstaltung produziert wurde. Der Rap war ein Überraschungserfolg. Anfangs hatte Präsident Museveni das Lied verbieten wollen. Er wurde sich aber bald des Vorteils bewusst, der ihm durch die Popularität des Raps mit dem Namen «Luga Flow» zuteil wurde.

Vorwurf der fehlerhaften Wahl

Am Freitagmorgen haben laut Wahlbeobachtern die meisten Wahllokale pünktlich geöffnet. Ein Sprecher der Demokratie-Beobachtungsgruppe, John Mary Odoy, sagte, in der Hauptstadt Kampala habe es Verzögerungen gegeben. Die Wahlkommission bezeichnete diese als nicht erheblich.

Besigye hat bereits vor der Wahl die Abstimmungen als zutiefst fehlerhaft kritisiert und angekündigt, eine eigene Auszählung vornehmen zu lassen. Er drohte mit Strassenprotesten nach dem Vorbild der Volksbewegung in Ägypten; Museveni erklärte am Mittwoch, in Uganda werde es keine derartige Revolution geben. Besigye trat bereits 2001 und 2006 gegen Amtsinhaber Museveni an.

(ske/dapd)