Lasches TV-Duell

01. September 2013 20:15; Akt: 01.09.2013 23:18 Print

Umfragen sehen Steinbrück im Vorteil

Im ersten und einzigen TV-Duell vor der deutschen Kanzlerwahl standen sich Peer Steinbrück (SPD) und Angela Merkel (CDU) gegenüber. Wer hatte ihrer Meinung die besseren Argumente?

Bildstrecke im Grossformat »

Hätte, hätte Deutschlandkette: Merkels Halskette sorgte im eher spröden Duell für die grösste Aufregung im WWW.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr SPD-Herausforderer Peer Steinbrück haben sich drei Wochen vor der Bundestagswahl ein weitgehend sachliches TV-Duell mit wenigen persönlichen Spitzen geliefert.

Umfrage
Wer hat ihrer Meinung nach das TV-Duell gewonnen?
27 %
59 %
14 %
Insgesamt 3710 Teilnehmer

Laut einer Zuschauerbefragung ging Steinbrück als Sieger aus dem Duell.

Die erste Hälfte des TV-Duells konnte noch die Bundeskanzlerin mit einem Prozentpunkt Vorsprung für sich entscheiden. Dies kippte dann in der Beurteilung des gesamten, 90-minütigen Streitgesprächs zugunsten des SPD-Politikers.

Am Schluss fanden 49 Prozent der befragten Zuschauerinnen und Zuschauer Steinbrück überzeugender. 44 Prozent sagten dies von der Bundeskanzlerin. Steinbrück übertraf zudem die Erwartungen von einer deutlichen Mehrheit der Befragten.

Abwarten und Aussitzen

Zu Beginn des Duells warf Steinbrück Merkel eine Politik des Abwartens und Aussitzens vor. Er wolle das Land aus dem Stillstand bringen. Er nannte etwa ein chancengerechtes Bildungssystem und Arbeitseinkommen, bei denen Beschäftigte von ihrer Hände Arbeit leben könnten.

Merkel ihrerseits verwies auf die ihrer Ansicht nach aktuell gute Lage. «Deutschland ist Wachstumsmotor, Deutschland ist Stabilitätsanker», sagte sie betont ruhig. Vielen Menschen gehe es heute besser als vor vier Jahren, es gebe so viele Beschäftigte wie nie zuvor, jedem Jugendlichen könne ein Ausbildungsplatz in Aussicht gestellt werden.

Der Bund werde 2015 in der Lage sein, keine Schulden mehr zu machen. Mit den Christdemokraten sei es möglich, dass es weiter aufwärts gehe. «Wir haben gezeigt, dass wir es können, und das in einer schwieriger Zeit», sagte Merkel.

«Schöne Schachteln» im Schaufenster

Steinbrück warf Merkel Wahlkampf-Ankündigungen ohne inhaltliches Fundament vor. «Das sind ja alles schöne Schachteln, die Frau Merkel ins Schaufenster gestellt hat», sagte der SPD-Politiker. Merkel betonte, sie wolle die Koalition mit der FDP in den nächsten vier Jahren fortsetzen.

In der Syrienkrise zeigten Steinbrück und Merkel Einigkeit, dass ein internationales Mandat für eine Reaktion auf den mutmasslichen Giftgaseinsatz des Assad-Regimes notwendig sei. Merkel betonte wie ihr Herausforderer: «Deutschland wird sich nicht beteiligen.»

Dennoch sei eine Antwort der Staatsgemeinschaft notwendig. «Das ist ein wahnsinniges Verbrechen.» Sie ergänzte: «Es muss ein politischer Prozess in Gang kommen».

Land nicht beschützt

In der NSA-Ausspähaffäre erhob Steinbrück erneut den Vorwurf, Merkel habe ihren Amtseid verletzt, Schaden für die Bundesrepublik abzuwenden. Das millionenfache Abfischen von Daten durch den US-Geheimdienst National Security Agency sei nach wie vor ungeklärt.

Die Kanzlerin betonte, sie habe keinen Anlass, den Versicherungen der USA und Grossbritanniens zu misstrauen, die Geheimdienste beider Länder hielten sich an deutsches Recht. Natürlich sei aber Vertrauen durch die Vorgänge um die NSA verloren gegangen, räumte Merkel ein.

Eine Koalition mit der Linkspartei schloss Steinbrück aus. «Ich halte die Linkspartei nicht für koalitionsfähig», sagte er.

Merkel in Umfragen vorn

Merkel regiert seit 2009 in einer christlich-liberalen Koalition mit der FDP. Vorher hatte sie vier Jahre lang eine grosse Koalition mit den Sozialdemokraten geführt, in der Steinbrück Finanzminister war.

In den Umfragen liegen Merkels Christdemokraten weit vor Steinbrücks Sozialdemokraten. Für die Regierungkoalition insgesamt ergab sich zuletzt ein hauchdünner Vorsprung vor der Opposition aus SPD, Grünen und Linkspartei.

Lesen Sie mehr zu den rhetorischen Feinheiten der Duellanten sowie deren Halsschmuck in unserem Liveticker.

Zum Liveticker im Popup

(bro/hal)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 01.09.2013 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig lustig

    Schade dass die Kommentare hier so oberflächlich sind. Qualtitäts- und niveaulos halt. In der Politik geht es um irgendwelche lustigen Phrasen oder Schauspielerleistungen könnte man hier meinen. Ich vermisse die Substanz, Polemik gibt es bereits genug. Nur eins das ich aufgeschnappt habe zum Nachdenken: kann es gut gehen wenn ein Land mit 2 Millionen Millionen Euro (2'ooo'ooo'ooo'ooo Euro) verschuldet ist und es zudem noch das Musterland dieses Kontinents ist? Da seid ihr wohl überfordert mit einer gescheiten Antwort...

    einklappen einklappen
  • Peter Schmit am 01.09.2013 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur Wurscht

    wer gewinnt. Das ist schade und traurig. Phrasen und Demagogie mögen sich marginal unterscheiden, doch nach der Wahl wird einjeder das machen, was oportun ist; und befohlen wurde. Wissen und Gewissen war gestern, heute regieren äussere Zwänge.

  • Mike am 01.09.2013 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahl der Qual

    Die Deutschen dürfen wählen : Pest, oder Cholera..

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.......... K................. am 02.09.2013 00:24 Report Diesen Beitrag melden

    so oder so

    der gewählte Kanzler muss dann ein Dokument unterzeichnen "geheim Akte Kanzler ". das er der Besatzungsmacht der Allierten ergeben ist. Wieso wohl ist Deutschland eine GmbH.? souverenität? Nie da gewesen..so weit am Volk vorbei kann nur regiert werden, wenn jemand immer noch gegen das Volk arbeitet.

  • Tt am 01.09.2013 23:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals Rot-grün

    Dieser Steinbrück ist unsympathisch - erzählt die immer gleichen sozialen Parolen aber er predigt Wasser und trinkt selber Wein!! Eine starke Wirtschaft wird dem einfachen Bürger mehr helfen als die Ausgabe-Politik der SPD

  • Urs Vals am 01.09.2013 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    schon schwierig,

    zwischen diesen zwei Übeln das weniger Üble zu finden. Wann merkt die Politik, dass die Nichtwähler nicht einfach wahlfaul sind, sondern der üblen Alternativen überdrüssig.

  • Neutron am 01.09.2013 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denken kommt vor der Kavallerie!

    Da die Deutschen erst reden und danach mit dem Denken beginnen( ausser Frau Merkel) hat so ein Typ wie Steinbrück Chancen. Würden sie zuerst überlegen, wäre Frau Merkel weiterhin Kanzlerin. Ich bin Schweizer, aber ich bewundere Frau Merkel sehr. Sie überlegt erst mal und sieht somit weiter als die Anderen. Politik ist Denkarbeit und man muss auch die Auswirkungen eines Beschlusses voraussehen können. Darin ist sie eine Meisterin und darum steht Deutschland im Moment gut da. Eine kluge Frau!

  • Peter Schmit am 01.09.2013 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur Wurscht

    wer gewinnt. Das ist schade und traurig. Phrasen und Demagogie mögen sich marginal unterscheiden, doch nach der Wahl wird einjeder das machen, was oportun ist; und befohlen wurde. Wissen und Gewissen war gestern, heute regieren äussere Zwänge.