28. April 2005 14:02; Akt: 28.04.2005 14:04 Print

Ungenaues Ende

Als 1945 fast die ganze Welt das Ende des Zweiten Weltkriegs feierte, fielen sich Fremde in die Arme. Es wurde gefeiert - allerdings an unterschiedlichen Tagen. Denn das Deutsche Reich hatte gleich mehrfach kapituliert.

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Die erste grosse Kapitulation deutscher Heeresverbände trägt das Datum 4. Mai 1945. In der Lüneburger Heide nahm der britische Feldmarschall Bernhard Montgomery die erste Teilkapitulation an.

Hitlers Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg wollte möglichst vielen Deutschen die Flucht in den Westen ermöglichen. Es entstand die absurde Situation, dass ein Truppenführer seine Feinde geradezu anflehte, ihn gefangen zu nehmen - um den Sowjets zu entgehen. Die Kapitulation galt für die deutschen Soldaten im Norden und Westen.

Kriegsende in Europa

Die Kapitulation für die gesamte Wehrmacht nahm Dwight D. Eisenhower drei Tage später in Reims entgegen. Um 2.41 Uhr, es war inzwischen der 7. Mai 1945, unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl das vielleicht wichtigste Dokument des Zweiten Weltkriegs.

Nach fünf Jahren und neun Monaten, nach 50 Millionen Toten und einem Krieg, dessen Dimension bis dahin kaum vorstellbar war, endete das grösste Sterben der Weltgeschichte.

Damit wäre der Zweite Weltkrieg in Europa eigentlich beendet gewesen. Doch Stalin war ausser sich, dass das «offizielle» Ende des Krieges in US-Regie vollzogen war.

Nicht zuletzt wegen der enormen sowjetischen Verluste bestand er auf einer neuen, endgültigen Kapitulation - auch wenn diese eigentlich nur eine Inszenierung war. Sie sollte dort stattfinden, wo alles angefangen hatte: in Berlin.

Die Stadt hatte schon am 2. Mai kapituliert. Hauptquartier der Russen war eine Militärschule in Berlin-Karlshorst. Im Offiziercasino sollte nun die Kapitulation unterzeichnet werden - von Stalin bis ins Detail geplant.

Für die West-Alliierten unterschrieben US-General Carl Spaatz, der britische Luftmarschall William Tedder und General Jean de Lattre de Tassigny, sie waren jedoch nur Statisten.

Die Protagonisten hiessen Wilhelm Keitel und Georgi Schukow. Der deutsche Generalfeldmarschall war um Haltung bemüht, doch der Marschall der Sowjetunion liess das nicht zu. Barsch befahl er Keitel, die vorbereitete Urkunde zu unterschreiben. Keitel folgte dem steif, erhob zum Abschied seinen Marschallsstab und ging.

Kämpfe gingen weiter

Keitel übergab «alle gegenwärtig unter deutschem Befehl stehenden Streitkräfte». Dennoch kämpften viele Einheiten weiter - weniger aus Fanatismus denn aus der Hoffnung, sich in den Westen durchzuschlagen. Doch Mitte Mai schwiegen die Waffen. Der Krieg war vorbei.

Die erste grosse Kapitulation fand am 4. Mai statt, die erste Gesamtkapitulation am 7. Festgesetzt war der Waffenstillstand auf den 8. Mai, 23.01 Uhr. Als Keitel unterschrieb war es schon Mittwoch, der 9. Mai, 0.16 Uhr. Die Uhr am Kreml zeigte sogar schon 2.16 Uhr.

Deshalb gedenken viele Amerikaner am 7. Mai des Kriegsendes, die Deutschen am 8. und die Russen am 9. Mai. Korrekt ist kein Datum. Der Weltenkrieg tobte noch vier Monate weiter und kostete noch Zehntausende das Leben, bis Japan am 2. September kapitulierte.

(sda)