Madrid

14. Dezember 2019 02:01; Akt: 15.12.2019 01:13 Print

Uno-Klimakonferenz geht in die Verlängerung

Appelle, Proteste und Blockaden verhinderten am Freitagabend in Madrid den Abschluss der Weltklimakonferenz.

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Umweltschützer und mehrere Staaten riefen zum Handeln auf und prangerten Blockaden einiger Länder an: Teilnehmer der Friday-for-Future-Demo in Madrid. (13. Dezember 2019) (Bild: Keystone/Fernando Villar)

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Dringende Appelle und Proteste für mehr Klimaschutz haben die Schlussphase der Weltklimakonferenz in Madrid begleitet – aber eine Einigung der fast 200 Staaten war am Freitag noch nicht absehbar. Nach knapp zweiwöchigen Verhandlungen war klar, dass der Gipfel sich in den Samstag hinein ziehen würde.

Am Freitag um 18.00 Uhr, dem Zeitpunkt, zu dem die Konferenz nach fast zwei Wochen hätte enden sollen, war die Abschlusssitzung im Plenum für 21.00 Uhr angesetzt. Sie könnte aber noch mehrmals verschoben werden.

Umweltschützer und mehrere Staaten riefen zum Handeln auf und prangerten Blockaden einiger Länder an. Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future hat den Klimagipfel aber schon vor seinem Ende abgeschrieben. Die Gründerin, die Schwedin Greta Thunberg, sagte, politische Entscheidungsträger versuchten immer noch, vor ihrer Verantwortung davonzulaufen. «Wir müssen dafür sorgen, dass sie das nicht tun können.»

«Jahr des Handelns»

Thunberg rief dazu auf, das Jahr 2020 zu einem «Jahr des Handelns» gegen den Klimawandel zu machen. Vor den vorwiegend jungen Teilnehmern einer «Fridays for Future»-Demonstration im italienischen Turin sagte Thunberg am Freitag, das neue Jahrzehnt werde «unsere Zukunft definieren». Den bei der Uno-Klimakonferenz in Madrid versammelten politischen Entscheidungsträgern warf die 16-Jährige vor, «vor ihrer Verantwortung davonzulaufen».

Es sei nicht gerecht, dass «die alten Generationen die Verantwortung für die Lösung» der Klimakrise den jungen Menschen übertrügen, «die diese Krise nicht ausgelöst haben», sagte Thunberg.

Verhandelt wurde am Freitag noch über alle wichtigen Punkte: Die Abschlusserklärung, Geld für Klimaschäden in ärmeren Ländern und Regeln für den Handel mit Klimaschutz-Gutschriften. Am Nachmittag wurde in einer Plenarsitzung deutlich, dass die Forderungen der Staaten noch weit auseinander lagen. Konferenzpräsidentin Carolina Schmidt, die chilenische Umweltministerin, mahnte: «Die Welt schaut auf uns.» Einige Verhandler hofften, dass die Einigung der EU-Staaten auf das Ziel, 2050 klimaneutral zu sein, neuen Schwung bringt.

Desaster erwartet

Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan zeigte sich entsetzt über die Entwürfe für Beschlüsse, die in der Nacht erarbeitet worden waren. Es werde sich zeigen, «ob die Klimakonferenz ein komplettes Desaster wird», sagte sie. Ein Vertreter Costa Ricas benannte Brasilien, Australien und die USA als Staaten, die in den Verhandlungen bremsten. Auch Saudiarabien wurde häufig genannt.

Ein Staatenbündnis für ehrgeizigen Klimaschutz prangerte die Blockadehaltung an. «Wir wissen, was getan werden muss», sagte Simon Stiell, ein Vertreter der Regierung der Karibikinsel Grenada. «Aber es gibt einige wenige Stimmen, die die Agenda der vielen diktieren.»

Auch bei der Klimaschutzbewegung Fridays for Future war die Enttäuschung schon vor dem offiziellen Ende gross. Der Gipfel habe nichts anderes erreicht, «als nach Schlupflöchern zu suchen», teilten die jungen Aktivisten in Madrid mit. Mehr als 150 demonstrierten tanzend und singend im Konferenzzentrum, bevor sie sich aus Protest für ein Sit-in auf den Boden setzten.

Grundsätzlich geht es bei den Uno-Verhandlungen um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015, in dem sich fast 200 Staaten das Ziel gesetzt haben, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Dazu ist es Wissenschaftlern zufolge notwendig, dass der Ausstoss von Treibhausgasen – vor allem Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas – schnell und deutlich zurückgeht. Bisher steigen die Emissionen weltweit aber, auch für 2019 wird wieder ein Plus vorausgesagt.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 14.12.2019 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klima Weltweit

    Es ist ganz einfach, mehr Menschen, mehr Konsum, mehr Ausbeutung von Ressourcen und so weiter....... all die Thunbergs sollten sich Gedanken machen über Geburtenpolitik und die Vermehrung respektive Reduktion der Menschen auf dieser Welt und das ist nicht zynisch gemeint, aber das ist einfachste Mathematik und Logik die jeder verstehen kann.......

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  • Basler1974 am 14.12.2019 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umweltschutz

    Diese Klimakonferenz ist ein Witz! Mit neuen Steuern - wie es die Grünen vordern - wird es nicht anders. Nur eine Bereicherung ihrer selbst. Wann erwacht die Bevölkerung? Hat ein Umdenken bereits begonnen? Der ganze Ökoterror geht mir gehörig auf die Nerven. Die Bevölkerung wird für dumm verkauft. Schon haben einzelne Energieversorger angekündigt, dass der Strom teuer wird. Warum bloss? Was soll zum Beispiel ein Dieselfahrverbot bringen, wenn ich dann dafür mehrer Kilometer Umweg machen muss? Der Klimawandel ist natürlich - Umweltschutz kann aber jeder für sich aktiv machen.

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  • Kolibri am 14.12.2019 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    KLIMA WIRD VON DER SONNE BESTIMMT!

    Habe gewettet, dass die Klimakonferenz nichts bringt. Wie ist es möglich, dass Staaten wie Cote d'Ivoire, oder Kongo über 300 Leute nach Madrid senden? Was für eine unglaubliche Geldverschwendung! Es gibt Länder, die erwarten von den reicheren Ländern, dass man ihnen Millionen überweist, damit sie das Klimaproblem in den Griff kriegen. Das Geld versickert teils in den Taschen der Politiker und Profiteure. Unsere Welt kann man nicht retten, in dem man das Klima verteufelt. Das Klima wird von vielen Faktoren gemacht. Unsere Sonne ist verantwortlich für die Temperaturschwankungen auf der Erde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • W. Schmid am 14.12.2019 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komm ich jetzt im Fernsehen

    Allein dieser Typ auf dem Foto ist für mich der Beweis, es geht nicht um das Klima es geht um Demo.

  • Reiner Keiner am 14.12.2019 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Zahlen vom IPCC

    Schaut euch doch mal diese wissenschaftlichen Zahlen ein bisschen genauer genauer an:

  • Seid ihr echt alle so naiv? am 14.12.2019 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Denkt ihr das rettet die Welt!?

    Die ganze Klimabewegung ist von ganz oben organisiert, denen ist das Volk, die Natur und die Welt egal. Einzig Profit und noch mehr Profit interessiert sie, und natürlich wollen sie ganz nach babylonischer Manier ihren Reichtum und Wohlstand nicht mit der Bevölkerung teilen. Steuern, Zehnten, Abgaben, Gebühren, Inflation und Teuerung sind ihre Waffen!

    • wer kann die Erde retten, Sie auch nicht am 15.12.2019 14:04 Report Diesen Beitrag melden

      fängt bei mir an,schaue nicht auf andere

      Es hat mit naiv nichts zu tun, wenn ich der Wegwerfgesellschaft nicht fröne, meine Besorgungen koordiniere und Wasser und Wärme nicht verschwende.

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  • B. Kerzenmacher am 14.12.2019 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die

    sogenannten "Klimaaktivisten" sollten eigentlich dort demonstrieren wo es bitter nötig ist: China, Indien oder in den GUS-Staaten. Mal sehen, wer dann da übrig bleibt

    • Reiner Keiner am 14.12.2019 17:51 Report Diesen Beitrag melden

      Asien-Importe

      Keine Angst, wir demonstrieren schon zu Recht in der Schweiz. Je weniger hier in der Schweiz an Konsumgütern bestellen, desto weniger wird in den produzierenden Ländern China, Indie etc. produziert, vergiftet und CO2 ausgestossen. Und wir konsumieren viel mehr als die Chinesen und Inder selbst.

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  • Brutus am 14.12.2019 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten

    Wieviel kostet nun der ganze Klima-Gipfel-Zauber ...???....besser das gemeine volk erfährt es nie .... Tragisch ist nur : überall wird "gegipfelt" ... Und echte Alltags-Probleme ignoriert...