09. Januar 2007 11:39; Akt: 09.01.2007 12:22 Print

Unser Mann in Prag

Tschechiens neuer Aussenminister Karl Johannes Nepomuk Joseph Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena, Fürst zu Schwarzenberg, Herzog zu Krumau, Graf zu Sulz, gefürsteter Landgraf im Kleggau hat nicht nur einen langen Namen, sondern auch einen Schweizer Pass. Aber woher?

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Wie kam der 69-Jährige Fürst zum roten Pass? Die Antwort ist in Zeiten zu finden, als in Europa noch der Adel den Ton angab.

Karel Schwarzenberg heisst nämlich mit vollem Namen Karl Johannes Nepomuk Joseph Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena, Fürst zu Schwarzenberg, Herzog zu Krumau, Graf zu Sulz, gefürsteter Landgraf im Kleggau (Klettgau).

Die Region Klettgau erstreckt sich von Baden-Würtemberg über den Rhein hinweg in den Kanton Schaffhausen. Die Region kam nach Angaben des historischen Lexikons der Schweiz Ende des 13. Jahrhunderts in den Besitz der Grafen Habsburg-Laufenburg. 1408 kamen die Grafen von Sulz durch ein Erbe in Besitz des Klettgaus.

1687 starben die von Sulz aus, und sie wurden von den Fürsten von Schwarzenberg abgelöst. Der Besitz des Klettgaus war jedoch umkämpft: Bereits 1488 hatte Zürich die Grafen von Sulz ins Burgrecht aufgenommen und damit Rechtsansprüche auf die gesamte Region erhoben.

Zürcher Bürgerrecht

Die von Schwarzenbergs wiederum schlossen mit Zürich einen Bestandspakt gegen den damals gemeinsamen Feind Schaffhausen und die Fürsten übernahmen das Zürcher Bürgerrecht. Zürich wiederum sicherte sich damit endgültig das Kerngebiet des damaligen Kleggaus, das Rafzerfeld.

Die Fürsten von Schwarzenberg haben bis heute Anspruch auf das Zürcher und damit das Schweizer Bürgerrecht. Ein Teil der Familie lebt in der Schweiz.

Der neue tschechische Aussenminister selbst, der sich gerne als «Mitteleuropäer mit Schweizer Pass» bezeichnet, lebte dagegen nach der Flucht der Familie 1948 aus der kommunistischen Tschechoslowakei in Österreich und Deutschland.

Rückkehr 1989

1989, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, kehrte Schwarzenberg nach Tschechien zurück, wo Staatspräsident Vaclav ihn 1990 zu seinem Kanzlei-Chef machte.

1992 wechselte er in die Privatwirtschaft. 2004 schaffte Schwarzenberg im zweiten Anlauf als Parteiloser den Sprung in den tschechischen Senat.

(sda)