USA

10. Januar 2020 10:50; Akt: 12.01.2020 09:52 Print

Vaping fordert sein jüngstes Todesopfer (15)

Im US-Bundesstaat Texas ist ein 15-Jähriger infolge einer Lungenerkrankung ums Leben gekommen. Es ist der jüngste Todesfall im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten.

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57 Tote und über 2000 schwer lungenkranke Personen bereiten der US-Gesundheitsbehörde CDC Sorgen: Was hat ihrer Gesundheit so stark zugesetzt? Und: War wirklich der Konsum von E-Zigaretten dafür verantwortlich? Einige Antworten darauf scheinen nun gefunden. Es gebe «direkte Belege» dafür, dass ein aus Vitamin E gewonnenes und gewissen E-Zigi-Liquids beigemischtes Öl – sogenanntes Vitamin-E-Acetat (Tocopherylacetat) – die Gesundheitsbeschwerden hervorgerufen habe, so Anne Schuchat, stellvertretende Direktorin der CDC, in einer Mitteilung. Schon früh hatte sich abgezeichnet, dass der Verursacher der schweren Lungenschäden in Liquids stecken könnte, die nicht aus dem regulären Handel stammen. Im September 2019 war der Verdacht auf Vitamin E gefallen, das in THC-haltigen Liquids nachgewiesen wurde. (Im Bild: aus dem Verkehr gezogene Schwarzmarkt-Liquids) Doch auch wenn sich der Verdacht nun bestätigt hat, sind laut CDC weitere Untersuchungen notwendig. So könnte es sein, dass noch weitere Chemikalien zu den Erkrankungen beitragen. Vitamin-E-Acetat hat in E-Zigi-Liquids nichts zu suchen, so Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). «Vor allem nicht in dieser Menge. In einigen Liquids lag der Vitamin-E-Acetat-Gehalt zwischen 31 und 88 Prozent. Gleichzeitig war der THC-Gehalt niedriger als angegeben.» (Im Bild: aus dem Verkehr gezogene Schwarzmarkt-Liquids) Dieser Umstand deutet laut Henkler-Stephani darauf hin, «dass der Stoff zum Strecken diente – womöglich als Folge von Ernteausfällen, Preissteigerungen und Lieferengpässen bei Cannabis, die es dieses Jahr in den USA gab». (Im Bild: illegale Marihuana-Plantage in Kalifornien) Grundsätzlich sei so etwas auch in Europa möglich, so der Experte: «Zwar ist das Hinzufügen von Vitaminen in Liquids in Europa verboten. Den Schwarzmarkt interessiert das aber nicht. Vielleicht hatten wir auch Glück, dass es solche Fälle nicht in Europa gab.» Laut Fachmann Henkler-Stephani müssen Vaper keine Angst haben, wenn sie gängige E-Zigis und Liquids nutzen. Besonders sicher sei es, Geräte und Liquids im Fachhandel zu kaufen und bei Produkten zu bleiben, die bereits schon über Wochen und Monate ohne Probleme gedampft wurden. Gemieden werden sollten E-Zigis und Liquids unklarer Herkunft und Zusammensetzung. Halte man sich daran, drohten Vapern in unseren Breitengraden nach aktuellem Kenntnisstand keine erhöhten Risiken, sofern sie Produkte verwenden, die europäischen Regelungen entsprechen, so Henkel-Stephani. Er betont, dass es bei den Fällen in den USA nicht um die Risiken des E-Zigi-Konsums geht, sondern um solche, die sich aus besonderen Formen des Konsums von Cannabis ergeben haben. (Im Bild: Amerikanerin mit CBD-Vape-Pen) «THC-Liquids sind öliger als klassische E-Zigi-Flüssigkeiten und nur mit angepassten Geräten, wie zum Beispiel den sogenannten Oil Vape Pens (Bild), inhalierbar», erklärt Henkler-Stephani. Doch auch wenn die herkömmlichen Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten und ... ... den dazugehörigen Liquids nach bisherigem Wissen deutlich unter jenen von Tabakzigaretten liegen: Harmlos sind sie nicht. Neben Benutzerfehlern geht auch von den handelsüblichen Liquids eine Gefahr aus. So könnten die Verneblungsmittel wie Propylenglykol die Atemwege reizen und die Lungenfunktion vermindern. Zudem entsteht durch Erwärmen des Stoffs kanzerogenes Propylenoxid. Studien haben ausserdem gezeigt, dass beim Verdampfen unter anderem freie Radikale und potenziell schädliche Chemikalien entstehen, die Entzündungen der Schleimhäute fördern und die DNA-Reparatur in den Zellen hemmen können. Derart erhöht sich auch das Krebsrisiko. Eine Arbeit von Stanford-Forschern zeigte ausserdem, dass auch die Auswahl des Aromas einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Konkret wird die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen erhöht und das Zellwachstum beeinträchtigt, was zum Zelltod führen kann. Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher. Laut den Wissenschaftlern zeigt die im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie deutlich, dass E-Zigis keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret habe sich gezeigt, dass die Liquids Veränderungen bewirken ... ... die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten. Das ist angesichts der steigenden Nutzerzahlen – vor allem bei jungen Personen – beunruhigend. Eine Studie der University of North Carolina ergab zudem, dass E-Zigaretten Forscher warnen im Fachjournal «Cardiovascular Research» vor potenziellen Risiken des Dampfens für die Herzgesundheit. Demnach enthalten die für das Dampfen benutzten Liquids Feinstaub, Metalle und Aromen, die kardiovaskuläre Probleme verursachen könnten. Auch ist es möglich, dass die Liquids verunreinigt sind. So seien bereits krebserregende Chemikalien, Schwermetalle und andere Stoffe in entsprechenden Produkten gefunden worden, Sucht Schweiz hat für die im März 2019 vorgestellten Zahlen über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt. Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weitverbreitet ist. Eine Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben.

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Ende Dezember verstarb im US-Bundesstaat Texas ein 15-Jähriger infolge einer im Zusammenhang mit Vaping resultierenden Lungenerkrankung. Dieser Evali-Todesfall, so der Name der Erkrankung, der für «E-cigarette or vaping associated lung injury» steht, sei derzeit der aktuellste wie das Portal «People» unter Berufung auf die US-Gesundheitsbehörde CDC berichtet. Auch ist der Teenager, dessen Identität nicht öffentlich bekannt ist, das bisher jüngste Todesopfer.

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Bislang gab es 2602 hospitalisierte Personen oder Todesfälle im Zusammenhang mit Evali, die dem CDC gemeldet wurden. Viele Fragen bezüglich der Lungenerkrankung, die auf den Konsum mit E-Zigaretten zurückzuführen ist, sind noch ungeklärt. Den aktuellen Statistiken zufolge begann der Ausbruch im Juni 2019, erlangte seinen Peak im September und schwächte danach wieder ab.

Illegale, schädliche Liquids

Im November letzten Jahres gelang bei den Untersuchungen der Krankheit jedoch ein erster Durchbruch. Es zeigte sich, dass die eigentliche Ursache der Erkrankung auf nicht im Handel erhältliche Vaping-Liquids zurückzuführen ist. Anfang September 2019 war der Verdacht auf Vitamin E gefallen, das in THC-haltigen Liquids nachgewiesen wurde. Dieser Verdacht hatte sich bei der Untersuchung der Lungenflüssigkeit von 29 Erkrankten aus 10 Bundesstaaten bestätigt.

Obwohl die Zahl der gemeldeten Fälle rückläufig zu sein scheint, melden die Staaten immer noch wöchentlich neue stationäre Evali-Fälle an die CDC. «Wir müssen wachsam bleiben», schreibt das Amt in seinem letzten Bericht. Es fordert dazu auf, den Konsum von Vaping-Produkten, besonders von jenen, die THC enthalten, zu vermeiden und beim Rauchen von E-Zigaretten den eigenen Gesundheitszustand im Auge zu behalten.

(kat)