Krise

23. Februar 2019 04:31; Akt: 23.02.2019 18:51 Print

Venezuela macht die Grenze dicht

Der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó ist für ein Benefizkonzert nach Kolumbien gereist. Trotz Ausreisesperre.

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Venezuela ordnet die Schliessung seiner Grenze zu Kolumbien in der Region Cucuta an. Alle Brücken, die beide Länder verbinden, sollen geschlossen werden, schrieb die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodriguez auf Twitter. Die Ankündigung kommt, nachdem der selbsternannte venezolanische Übergangspräsident Juan Guaidó trotz eines Ausreiseverbots ein Benefizkonzert seiner Anhänger in dem kolumbianischen Grenzort besucht hatte.

In der Nähe der Bühne traf er auf den kolumbianischen Staatschef Iván Duque. Dies berichteten internationale sowie kolumbianische Medien am Freitag (Ortszeit).

Guaidó wurde nach eigenen Worten bei seiner Ausreise durch die venezolanische Armee unterstützt. Mit deren Hilfe habe er die Sperrungen der Grenzübergänge zu Luft, Wasser und Land überwunden, sagte der Oppositionspolitiker vor Journalisten. Insbesondere die Nationalgarde habe bei seiner Ausreise eine entscheidende Rolle gespielt, fügte Guaidó hinzu.

Unterstützung vieler Stars

Der kolumbianische Fernsehsender Caracol veröffentlichte ein Video, auf dem Guaidó mit Anhängern im Laufschritt über eine Grenzbrücke zwischen Venezuela und Kolumbien rennt. «Diese Brücke gehört mir», ruft er und streckt eine Faust in die Luft. «Natürlich schaffen wir es.»

Zu dem Konzert waren zehntausende Anhänger Guaidós gekommen. An der auf Initiative des britischen Milliardärs Richard Branson zustande gekommenen Veranstaltung «Venezuela Aid Live» nahmen Stars wie Alejandro Sanz und Miguel Bosé aus Spanien, Juanes aus Kolumbien und der durch den Hit «Despacito» bekannte Puertoricaner Luis Fonsi teil. Der Erlös soll der Bevölkerung in dem südamerikanischen Krisenstaat Venezuela zugute kommen.

An der nur rund 300 Meter entfernten Gegenveranstaltung von Staatschef Nicolás Maduro auf venezolanischer Seite nahmen weniger Menschen teil. Zunächst kamen rund 2500 Besucher zu dem Konzert unter dem Motto «Hände weg von Venezuela». Der Regierungsfunktionär Freddy Bernal sagte: «Alle Künstler auf der Bühne werden der Welt sagen, dass Venezuela frei und unabhängig ist.»


Video: Tamedia/AFP

Vorbereitung einer Invasion?

Zwischen den beiden Konzerten liegt die blockierte Tienditas-Grenzbrücke, über die nach dem Willen Guaidós am Samstag Hilfslieferungen ins Land kommen sollen, was Maduro vehement ablehnt. Er prangert sie als Vorwand an, unter dem eine militärische US-Invasion vorbereitet werden soll.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres warnte derweil die Regierung in Caracas vor der Anwendung von Gewalt gegen Demonstranten. Die Vereinten Nationen würden weiterhin mit den venezolanischen Behörden zur humanitären Versorgung der Bevölkerung zusammenarbeiten, erklärte Guterres am Freitag nach einem Treffen mit dem venezolanischen Aussenminister Jorge Arreaza. Allerdings sei die UNO in dem Machtkampf neutral.

Washington warnte Maduro und das venezolanische Militär vor Gewaltanwendung. In einer am Freitagabend verbreiteten Erklärung forderte das Weisse Haus die venezolanischen Soldaten auf, Hilfsgüter für das Volk ungehindert passieren zu lassen. «Die Welt sieht zu», warnten die USA. Zudem wurde der Tod zweier Angehöriger eines indigenen Stamms bei einem Militäreinsatz in der Erklärung des Weissen Hauses auf das Schärfste verurteilt.

(roy/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cleanearth am 23.02.2019 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    We are the Law

    Hände weg von unseren Ressourcen! Sollte es heissen!

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  • Köbi K. am 23.02.2019 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ein wunderschönes Land, Erdöl als Startkapital und wirtschaftet sich seit Jahren systematisch selbst zu Grunde. Einfach nur traurig.

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  • B. Kerzenmacher am 23.02.2019 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Als der

    Sozialismus Zimbabwe heimgesucht hatte, konnte man sich immer noch damit trösten, dass Zimbabwe, trotz des Rufes als Kornkammer Afrikas, ein armes und dazu ein verhältnismässig rohstoffarmes Land war. Bei Venezuela zeigt sich: Der Sozialismus kann jedes Land, auch ein extrem rohstoffreiches mit gut ausgebildeten Bewohnern und funktionierender Infrastruktur, an die Wand fahren. Der gute alte Spruch ist also immer noch aktuell: "Was passiert, wenn man in der Wüste den Sozialismus einführt? Erstmal zehn Jahre nichts und dann wird der Sand knapp"

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 25.02.2019 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die

    Vorkommnisse in Venezuela demaskieren die europäischen Sozialisten vollumfänglich. Das Regime, welches jetzt auf hungernde Menschen schiesst, ist dasselbe, welches sie vor kurzer Zeit noch unterstützt haben.

  • PS;L am 25.02.2019 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz unten ist es kalt

    Dass ein einziger Man mit solche krankem Ego so etwas anrichten kann...

  • Kain am 25.02.2019 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wie heisst es so schön:

    Die Sahara ist ab sofort sozialistisch, leider wird der Sand aber schon knapp.

  • xxl-bmw am 23.02.2019 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gugus

    Jetzt folgt das szenario von frankreich, die leute demonstrieren und werden verhaftet aber macron darf das ,maduro nicht,die amis müssen jetzt zum wohle der venezuleaner eingreifen.

  • Heidi Heidnisch am 23.02.2019 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Embargo

    Am Beispiel Venezuelas zeigt sich wieder mal eindeutig, wie heutzutage ein einzelnes Land in einer vernetzten Welt nicht überleben kann, ohne selber Teil eines Netzwerkes zu sein. Die US hat Venezuela von allen nur möglichen Einnahmequellen und Ressourcen wie Lebensmittel und Medikamente abgeschnitten, und Russland und China kaufen das Erdöl zu Schleuderpreisen ein. Dasselbe könnte mit der Schweiz auch passieren, wenn sie sich weiter von Europa isoliert. Nur dass die Schweiz keine Rohstoffe zu bieten hat. Schachmatt.

    • Shredder X am 25.02.2019 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Heidnisch

      Absolut richtig! Das Problem ist leider, dass haufenweise Mitmenschen unter dem Realitäts-Verweigerungs-Syndrom leiden. Ihre eigenen Ansichten sind omnipräsent und nicht verhandelbar, auch wenn zu 100 % klar ist, dass es den absoluten Ruin bedeutet. Was will man gegen so viel Sturheit und Realitätsverweigerung machen? Ich tendiere mittlerweile dazu, dass uns das Schicksal ereilt, und wir innert einem Jahr zum Armenhaus Europas mutieren. Dann begreifen die endlich, wie vernetzt die Weltwirtschaft tatsächlich ist!

    • PS;L am 25.02.2019 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Teilweise gebe ich Ihnen aber recht

      Heidi, Sie vergessen eines, wir sind die Wasserquelle von Europa und sitzen auf dem, was wirklich teuer sein wird in Zukunft - Wasser!

    • Fritz am 25.02.2019 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Heidnisch

      Keine Rohstoffe? Die Schweiz hat wohl sehr viel vom allerwichtigsten aller Rohstoffe: Trinkwasser!

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